Von alleine wächst es nicht auf Bäumen, aber gesellschaftliche Rendite fällt ab, wenn die Infrastruktur stimmt.

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Die Finanzierung von Start-ups und KMUs verbessern: Das hat sich die neue Regierung ins Programm geschrieben. Im Besonderen sollen Anreize für die Mobilisierung von privatem Kapital geschaffen werden. Explizit wurde hier auch die Social Entrepreneurship mitgedacht.

In der Tat hat sich hierzulande in den vergangenen zehn Jahren eine nicht mehr zu übersehende Landschaft an Gründerinnen etabliert, die mit innovativen Ideen soziale Herausforderungen adressieren. Mittlerweile lassen sich von der Bildung über die Integration und soziale Inklusion bis hin zum Gesundheitsbereich und dem nachhaltigen Konsum zahlreiche Beispiele für Sozialunternehmen finden, die einen Beitrag zur gesellschaftlichen Weiterentwicklung leisten.

Sie decken neue Problemfelder auf, bearbeiten Lücken im Wohlfahrtsstaat oder arbeiten an nicht weniger als einer neuen Form des Wirtschaftens, die viele Stakeholder gesellschaftlich einbinden und an der wirtschaftlichen Wertschöpfung teilhaben lassen will. Damit sind sie in Bereichen unterwegs, in denen sie gesellschaftliche Innovationen umsetzen, gepaart mit dem Anspruch, betriebswirtschaftlich nachhaltig möglichst vielen Menschen zu einem besseren Leben zu verhelfen.

Die Ideen sind da

Es mangelt hierzulande also nicht an Ideen für eine bessere Welt oder Menschen, die das Risiko auf sich nehmen, sozialunternehmerisch aktiv zu sein. Auch mangelt es nicht an aktuellen oder künftigen Problemlagen. Woran es sehr wohl mangelt, sind nachhaltige Unterstützungsprogramme und ein Verständnis für die Schwierigkeiten, Gewinn mit sozialem Sinn in Einklang zu bringen. Und es mangelt an Geld, das in der Lage ist, diese Ziele in sich zu vereinen.

Bisher zielten nachhaltige Investitionen überwiegend auf die Vermeidung unökologischer, klimaschädlicher oder unsozialer Unternehmenspraktiken ab. Zum Beispiel durch "negative screening", also den bewussten Ausschluss bestimmter Finanztitel aus dem Investitionsportfolio. Oder beruhten auf bestimmten Werthaltungen wie dem sogenannten "ethical investing".

Das Feld ist noch fragmentiert

Wirkungsorientiertes Investieren und Finanzieren legt hingegen seinen Schwerpunkt darauf, gezielt in Firmen und Sozialunternehmen zu investieren, die nachweislich Positives bewirken beziehungsweise eine soziale Zielfunktion haben. Diese Ansätze werden international unter dem Begriff Impact-Investing" diskutiert. Kurzum, die positive messbare Wirkung bildet neben Risiko und Rendite die dritte Säule bei Investitionsentscheidungen.

In einer aktuellen Erhebung der Wirtschaftsuniversität Wien zum Status quo von Impact-Investing in Österreich zeigen erste Befunde, dass die Erwartungshaltungen der Akteure noch sehr divers sind und sich noch kein einheitliches Investitionsverhalten herausbildet.

Das Feld der Impact-Investoren ist hierzulande noch fragmentiert. Einzelne Banken haben sich des Themas angenommen und bieten maßgeschneidertes Fremdkapital für Sozialunternehmen an. Ein erster Social-Entrepreneurship-Venture-Capital-Fonds wurde gegründet. Zudem zeugen vereinzelte Crowdinvesting-Projekte, Social-Impact-Bonds und Angel-Investoren von ersten Gehversuchen, mit Investitionen direkt positiv zu wirken. Doch begriffliche Unklarheiten, Anlegerschutz und divergierende Rendite-Erwartungen werfen aktuell Fragen auf, die für Unsicherheit sorgen. Auch fehlt es weithin an ausreichend Erfolgsgeschichten und praktikablen Messmethoden, die den Impact adäquat darstellen – und damit auch entsprechende Investitionsentscheidungen erleichtern.

Insofern überrascht es nicht, dass zum einen Möglichkeiten zum Know-how-Austausch auf der Wunschliste von wirkungsorientierten Investoren ganz oben stehen und sie zum anderen bemängeln, dass potenzielle Investitionsmöglichkeiten in noch nicht ausreichender Zahl vorhanden seien. Auch dafür sieht das Regierungsprogramm Maßnahmen vor: Mit zielgruppenspezifischen Finanzierungsinstrumenten und der Ausweitung sowie Öffnung bestehender Finanzierungsprogramme für Sozialunternehmer sollen sich selbst tragende soziale Geschäftsmodelle weiter befördert werden. Idealerweise lassen sich dafür wiederum private Risikogeldgeber finden, die diese auch weiter auf einem Wachstumspfad begleiten.

Langfristige Strategien

In welcher Höhe die gesellschaftliche Rendite mit einer finanziellen Rendite für den Investor einhergehen kann oder muss, ist Gegenstand vieler Diskussionen. Klar ist: Ohne Risiko geht es nicht. Gerade im Kontext eines ausgeprägten Wohlfahrtsstaats ist Impact-Investing keine triviale und kurzfristige Angelegenheit. Klimakrise, Integrationsfragen, Bildung, digitaler Wandel oder die demografische Entwicklung böten genügend Gründe für eine langfristige Investitionsstrategie, die den gesellschaftlichen Wandel befördert.

Neue Antworten zu finden und umzusetzen (Innovation), vorausschauend zu agieren (Prävention) und dies nachhaltig und für viele verfügbar zu machen (Skalierung) macht diese Investitionen riskanter als andere. Umso wichtiger wäre es daher, die entsprechenden Maßnahmen bald umzusetzen, damit Sozialunternehmer Kapital für die Umsetzung ihrer Ideen finden. (31.1.2020)