Richard Lugner ist nun auf der Suche nach einem neuen Gast.

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Ist es eine Krise? Oder doch nur ein Sturm im Wasser-, Pardon: Champagnerglas? Die in Vorfreude schwelgende Opernballgemeinde ereilte am Freitag zumindest ein Schreck: Absage von Ex-US-Skistar Lindsey Vonn! Nur 48 Stunden davor hatte Opernball-Fixstarter Richard Lugner Vonns Entree als sein heuriger Logengast verkündet. Dann machten ihm, wie sein Büro verlautbarte, "rechtliche Probleme" einen Strich durch die Rechnung – was immer das auch bedeuten mag.

Diplomatische Verwicklungen konnten in der Folge vermieden werden, denn die Wiener US-Botschaft wies jegliche Beteiligung im Galopp zurück. Vonns Rückzug jedoch verstärkt einen Eindruck, der sich dieser Tage wie Schwaden billigen Parfums durch Gerüchteküchen und Zeitungsspalten zieht: dass der Wiener Ball der Bälle mit politischer Gästeausdünnung zu kämpfen hat – und mit entsprechend zunehmender Bedeutungslosigkeit.

Schleichender Niedergang

Da ist die Absage von Bundeskanzler Sebastian Kurz; er reist stattdessen zu einem Gipfeltreffen nach Brüssel. Vizekanzler Werner Kogler kommt ebenfalls eher nicht, was ein Regierungsspitzen-Pas-de-deux ohnehin verunmöglichen würde. Aus der Ministerriege wiederum ist nur von türkiser Seite nennenswerte Beteiligung zu erwarten, die meisten Grünen werden den Opernball wohl meiden.

Dieser wird zwar vom ORF weltweit übertragen, was viele betuchte Walzertänzer anzieht und dem Tourismus guttut. Doch hinter diesem glamourösen Anstrich, in den Logen und Gängen, bietet das teure Fest ein Bild netzwerkender Kämmerer und fracktragender Interessenvertreter.

Das hat sich über die Jahre auch unter den Kritikern herumgesprochen und deren bis um das Jahr 2000 heftige Demonstrationstätigkeit zum Erliegen gebracht. Eine Krise kann man all das nicht nennen – eher einen schleichenden Niedergang. (Irene Brickner, 31.1.2020)