Jorge "Neko" Mora wurde von einem Polizeifahrzeug überfahren.

Foto: REUTERS/Edgard Garrido

Improvisiertes Katapult.

Foto: APA/AFP/JAVIER TORRES

Auf der Plaza Italia in Santiago wehte am Freitag die Fahne des Fußballvereins Colo-Colo.

Foto: APA/AFP/MARTIN BERNETTI

Polizisten nehmen einen Demonstranten fest.

Foto: REUTERS/Edgard Garrido

Santiago de Chile – Im Zuge der gewalttätigen Proteste gegen die Regierung in Chile ist erneut ein Mensch getötet worden. Zwei Tage, nachdem der 24-jährige Student Ariel Moreno mit einem Kopfschuss eingeliefert worden sei, sei er gestorben, verlautete am Freitag aus einem Krankenhaus in Santiago de Chile. Der Student hatte die Schusswunde bei Protesten nahe einer Polizeiwache im Süden der Hauptstadt erlitten.

Damit starben binnen drei Tagen vier Menschen bei den Unruhen. In der Nacht zum Freitag war ein Mann im Alter zwischen 30 und 40 Jahren in einem brennenden Supermarkt in San Ramón südlich von Santiago an einer Kohlenmonoxid-Vergiftung gestorben, wie die Polizei mitteilte. Der Supermarkt war demnach von Plünderern in Brand gesetzt worden.

Polizei überfuhr Fußballfan

Am Dienstag war in Santiago ein Fußballfan gestorben. Jorge Mora wurde von einem Polizeibus angefahren, als Spielbesucher sich nach einem Fußballspiel im Colo-Colo-Stadion im Süden der Hauptstadt Auseinandersetzungen mit Sicherheitskräften lieferten.

Am Donnerstag starb ein 22 Jahre alter Mann, der bei Protesten in San Ramón von einem Linienbus angefahren worden war. Der Bus war nach Polizeiangaben von einem vermummten Demonstranten gestohlen worden.

Menschenrechtskrise

Die Interamerikanische Menschenrechtskommission (CIDH) bescheinigte Chile am Freitag (Ortszeit) in einem vorläufigen Bericht, "eine schwere Krise" der Menschenrechte. Die Polizei verstoße im Umgang mit Demonstranten gegen internationale Standards, es gebe willkürliche Festnahmen und "unverhältnismäßige Gewaltanwendung", kritisierte CIDH-Präsidentin Esmeralda Arosemena bei der Vorstellung des Berichts in Santiago.

Die Massenproteste in Chile hatten im Oktober begonnen. Etwa 30 Menschen wurden seitdem nach Behördenangaben getötet, tausende weitere verletzt. Zuletzt hatten die Proteste nachgelassen. Eine Zeit lang gab es nur freitags Demonstrationen im Zentrum der Hauptstadt. In dieser Woche waren die gewaltsamen Proteste dann wieder aufgeflammt.

Die Proteste in Chile richteten sich zunächst gegen eine Erhöhung der Ticketpreise im öffentlichen Nahverkehr. Die Demonstranten kritisieren aber auch niedrige Löhne, hohe Kosten für Bildung und Gesundheit sowie die wachsende Kluft zwischen Arm und Reich in dem südamerikanischen Land. Präsident Sebastián Piñera kündigte für April ein Verfassungsreferendum an. (red, APA, AFP, 1.2.2020)