Ungläubige Gesichter bei den Demokratinnen und Demokraten in Iowa: Noch steht nicht fest, wer bei den Caucuses gewonnen hat.

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Des Moines – Die Veröffentlichung von Ergebnissen der ersten Vorwahl der Demokraten im US-Präsidentschaftsrennen im Bundesstaat Iowa verzögert sich. Wer voranliegt, wird Berichten zufolge erst am Dienstag (Ortszeit) feststehen. US-Medien berichteten am späten Montagabend Ortszeit unter Berufung auf die Demokratische Partei in dem Bundesstaat, Grund seien "Qualitätskontrollen". Die Richtigkeit der Ergebnisse habe oberste Priorität. Man habe in den ersten Zahlen "Ungereimtheiten" gefunden und müsse diese nun überprüfen. Es werde aber von einem technischen Fehler, nicht von Hacking ausgegangen.

25 Prozent der Wahlbezirke hätten bereits Ergebnisse übermittelt, diese seien aber noch nicht öffentlich verfügbar. Angeblich geht es dabei um Probleme mit jener App, der dazu dient, Ergebnisse an die Parteizentrale zu übermitteln. Viele Benützerinnen und Benützer konnten sich offenbar nicht einloggen. Bekannt ist bisher, dass die Wahlbeteiligung in etwa auf dem Stand von 2016 lag – das ist deutlich geringer, als im Vorfeld erwartet worden war. Sowohl der linksgerichtete Senator Bernie Sanders als auch der moderate Bürgermeister von South Bend, Indiana, Pete Buttigieg, teilten unter Berufung auf interne Zwischenergebnisse mit, sie lägen in Führung – eine unabhängige Bestätigung gab es auch dafür nicht.

Kompliziertes System

Schon im Vorfeld der Versammlungen hatte es einige Bedenken gegeben. Nicht nur sollte in diesem Jahr eine App zur Verwendung kommen, auch sollten erstmals drei verschiedene Ergebnisse präsentiert werden. Das liegt an der ungewöhnlichen Art, wie die Versammlungen, sogenannte Caucuses, funktionieren: Wählerinnen und Wähler treffen sich an einem von der Partei gewählten Ort und finden sich dort in Gruppen zusammen. Dann werden die Unterstützerinnen und Unterstützer der einzelnen Bewerber gezählt.

ORF-Korrespondent David Kriegleder berichtet aus Iowa
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Die Anhänger jener Antretenden, die weniger als 15 Prozent der Stimmen erhalten, müssen dann in einer zweiten Runde ihre Präferenz ändern und jemand anderen wählen. Schließlich werden die Ergebnisse auf Bezirksebene auf eine Zahl von Delegierten umgerechnet, die den jeweiligen Kandidaten zugerechnet werden. Während bisher nur diese letzte Zahl veröffentlicht worden war, sollten diesmal – im Sinne der Transparenz – alle drei Datensätze verfügbar sein. Nun sind wegen des Fehlers aber vorerst fast gar keine Zahlen vorhanden. Erste Zahlen aus rund einem Prozent der Wahlkreise zeigen starke Ergebnisse für Sanders und Buttigieg. Diese gelten aber noch nicht als repräsentativ.

Unklare Ausgangslage

Umfragen hatten Sanders vorn gesehen, gefolgt vom früheren Vizepräsidenten Joe Biden, Buttigieg und der Senatorin Elizabeth Warren. Mit größerem Abstand folgten die Senatorin Amy Klobuchar, der Unternehmer Andrew Yang und der Milliardär Tom Steyer. Allerdings waren bis zuletzt viele demokratische Wähler unentschlossen, wem sie ihre Stimme geben sollten. Das ließ auch die Umfragen unsicher erscheinen. Ein Meinungsforscher sah etwa Buttigieg knapp vorn.

Mehrere Bewerber traten dennoch am Montagabend vor ihren Anhängern in Iowas Hauptstadt Des Moines auf, ohne das Ergebnis der Vorwahl zu kennen. Sie konzentrierten sich dabei auf Angriffe gegen Trump – Buttigieg bezeichnete sich in seiner Rede als Sieger der Vorwahl, konnte aber keine Zahlen vorweisen, um das zu untermauern.

Der Wahlkampfmanager von US-Präsident Donald Trump, Brad Parscale, spottete über die Demokraten. Sie könnten nicht einmal eine Vorwahl ausführen, wollten aber die Regierung übernehmen, schrieb er auf Twitter. Präsidentensohn Eric Trump schrieb auf Twitter, deshalb wollten die Menschen nicht, dass die Demokraten die USA regierten.

Die Vorwahlen in Iowa sind die ersten in den USA im Rennen um die Präsidentschaftskandidatur der Parteien. Ein Ergebnis gibt es unterdessen schon: US-Präsident Donald Trump gewann erwartungsgemäß mit überwältigender Mehrheit die erste Vorwahl der Republikaner. (mesc, red, 4.2.2020)