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Foto vom 2. Februar.

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Foto vom 31. Jänner.

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Foto vom 29. Jänner.

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Foto vom 27. Jänner.

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Ein Krankenhaus-Bau dauert in Österreich Jahre. Nicht aber in China: In der vom Coronavirus gebeutelten Stadt Wuhan wurde nun innerhalb von zehn Tagen ein Krankenhaus mit 1.000 Betten aus dem Boden gestampft. Die ersten Patienten wurden am Montag eingeliefert, während Bauarbeiter der Klinik Huoshenshan (übersetzt "Feuergott-Berg-Krankenhaus") noch den Feinschliff verpassten.

Gut die Hälfte des rund 60.000 Quadratmeter großen Baus besteht laut Medienberichten aus Isolationsstationen. Es gibt außerdem 30 Intensivstationen, Roboter sowie Spezialschränke, die befüllt werden können, ohne ein Zimmer von Erkrankten betreten zu müssen.

Containerstadt

Möglich ist eine Bauzeit von zehn Tagen, weil es sich um einen Bau mit vorfabrizierten Stahlbetoncontainern handelt. Er wurde auf einer brachliegenden, 25.000 Quadratmeter großen Fläche errichtet. Eine faszinierte Weltöffentlichkeit konnte den Bau des Krankenhauses online mitverfolgen: Dutzende Bagger bereiteten erst den Untergrund vor, bevor das Krankenhaus in die Höhe wuchs.

Der ohnehin schon rekordverdächtige Krankenhaus-Bau in noch einmal rekordverdächtigeren 60 Sekunden.

Mit dem Bau von Notfallkrankenhäusern hat man in China bereits Erfahrung: 2003 wurde anlässlich der damaligen Sars-Epidemie in Peking innerhalb von sieben Tagen ein Spital errichtet. Angeblich wollte man diesen Rekord in Wuhan nun brechen und ließ Experten aus dem ganzen Land einfliegen.

Großprojekte in Rekordzeit

Der österreichische Passivhaus-Experte Günter Lang, der China gut kennt und im vergangenen Jahr auch die internationale Passivhaustagung in Gaobeidian in der nordchinesischen Provinz Hebei besucht hat, ist sich im Gespräch mit dem STANDARD sicher, dass es für das Notspital aus Containern bereits fixfertige Pläne gegeben haben muss. Andernfalls wäre eine so schnelle Bauzeit nicht möglich gewesen.

Großprojekte, die in Rekordzeit aus dem Boden gestampft werden, seien in China aber grundsätzlich keine Seltenheit, betont Lang. Auf der Passivhaustagung wurde im vergangenen Oktober beispielsweise ein neuer Stadtteil mit einer gesamten Nutzfläche von 330.000 Quadratmetern in bereits zertifizierter Passivhausqualität präsentiert. "Erst eineinhalb Jahre zuvor waren uns die Pläne dafür präsentiert worden. Die haben das also alles in nur einem einzigen Jahr aus dem Boden gestampft." Seit September gelte übrigens in ganz China das Nearly-Zero-Building als Mindeststandard in der Bauordnung.

Militärische Hierarchie

Am schwierigsten stellt sich Lang die Koordination der 7.000 Arbeiter auf der Baustelle in Wuhan vor, die rund um die Uhr gewerkt haben. Der österreichische Architekt Wolf Reicht hat eine ungefähre Ahnung davon, wie das zu schaffen ist: mit streng militärischer Hierarchie. Reicht war von 2010 bis 2012 Projektleiter beim Bau des Konferenzzentrums in der chinesischen Hafenstadt Dalian, damals für das österreichische Architekturbüro Coop Himmelb(l)au. Schon daher kennt er das Modell "militärischer" Baufirmen in China, "wo die Bauleiter Generäle sind. Die sitzen dann auch mit der Uniform im Baucontainer."

Dass es schon fix-fertige Pläne für die Großspitäler in diversen Schubladen gegeben haben muss, bezweifelt auch Reicht nicht – ebenso wenig wie der Wiener Rechtsanwalt Georg Zanger, Präsident der Austrian Chinese Business Association: "Die Chinesen haben aus früheren Fehlern gelernt und Krankenhäuser auf Reserve gebaut", sagt er zum STANDARD. Die bereits vorfabrizierten Container seien dann schnell aufgebaut.

Zweites Krankenhaus fast fertig

Eine derartig kurze Bauzeit sei in Österreich aber auch aufgrund von langwierigen Genehmigungsverfahren undenkbar, so Zanger: "Viele Entscheidungen fallen in China viel schneller, weil es keine Diskussion gibt." Wie schnell das gehen kann, weiß Architekt Wolf Reicht: "Wenn man die richtigen Entscheidungsträger kennt und die die Pläne unterstützen, dann ist ein Genehmigungsverfahren eine Angelegenheit von Wochen oder sogar Tagen."

In Wuhan wird weiter unter Hochdruck gearbeitet: Aktuell wird noch an einem zweiten Krankenhaus gebaut, das am Mittwoch fertig werden soll und mit 1.500 Betten sogar noch größer ausfallen wird. Was nach dem Ende der Coronavirus-Epidemie mit den Krankenhäusern passiert, ist offen. Theoretisch könnten die Container wieder abgebaut – und in Notfällen anderswo wieder als Krankenhaus aufgebaut werden. (mapu, zof, 4.2.2020)