Afghanistan hat ja schon am 28. September 2019 einen Präsidenten gewählt, und noch immer gibt es nur "vorläufige Endergebnisse". Um bei diesen Wahlen Fälschungen epidemischen Ausmaßes zu verhindern, hatte man aufgerüstet auf biometrische Wahlmaschinen: eine heillose technische Überforderung in einem Entwicklungs- und Kriegsland. Wobei am Ende des Tages, also irgendwann einmal demnächst, ja vielleicht wirklich saubere Ergebnisse vorliegen mögen – oder eben, demokratiepolitisch gesehen, gar keine mehr, wenn nämlich bei einer Wahlbeteiligung von nur 19 Prozent der Bevölkerung mehr als 16 Prozent der Stimmen umstritten sind.

Wegen "Ungereimtheiten" bei der Auszählung der Stimmen, weiß vorerst niemand, wie die Abstimmung in Iowa ausgegangen ist.
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Von afghanischen Verhältnissen scheinen die archaischen Riten des Caucus zur Ermittlung von US-Präsidentschaftskandidaten via Gruppen-Ratschluss – so eine Art amerikanische Jirga – gar nicht so weit entfernt. Und auch hier, bei den Demokraten in Iowa, endete die Unternehmung, durch die Einführung einer App mehr Transparenz herbeizuführen, im Chaos.

Gut, die Ergebnisse für die zurzeit in der Rue de la Gack beheimateten Demokraten verzögern sich nur einen Tag, und vor Des Moines lauern glücklicherweise auch keine Taliban: Aber trotzdem kratzt sich die Beobachterin nachdenklich das Haupt. Arroganz wäre angesichts heimischer Vorfälle indes fehl am Platz. Immerhin ist bei uns eine Wahl schon einmal, salopp gesagt, am Kuvertpick gescheitert. (Gudrun Harrer, 4.2.2020)