Die USS Wyoming ist eines der U-Boote, die mit den neuen Raketen ausgestattet werden können.

Foto: AP/Lt. Rebecca Rebarich/U.S. Navy

Washington – Die USA haben ein U-Boot mit einer neuen Langstreckenrakete mit relativ kleinem Nuklearsprengkopf in Betrieb genommen. Der Einsatz des Gefechtskopfs vom Typ W76-2 sei eine Reaktion auf russische Tests ähnlicher Waffen, erklärte John Rood, Staatssekretär im US-Verteidigungsministerium, am Dienstag. Es handle sich dabei um "eine schnelle, weniger tödliche strategische Waffe mit geringer Sprengkraft", die die "Abschreckung verstärkt".

Der Einsatz von nuklearen Gefechtsköpfen mit geringer Sprengkraft hat weltweit Besorgnis ausgelöst. Experten zufolge hatte in den vergangenen Jahrzehnten allein die enorme Sprengkraft von Atomwaffen abschreckende Wirkung. Kritiker befürchten, dass Waffen mit geringerer Sprengkraft Atommächte dazu verleiten, ihre Zurückhaltung aufzugeben, und die Gefahr eines Atomkriegs steigt.

"Potenzielle Gegner wie Russland" dürften nicht denken, dass sie durch den Einsatz von Gefechtsköpfen mit relativ geringer Sprengkraft einen Vorteil hätten, erklärte Rood. Die USA seien in der Lage, "glaubwürdig und entschlossen auf jedes Bedrohungsszenario zu reagieren".

Der W76-2-Gefechtskopf hat nach Angaben von Wissenschaftern der Federation of American Scientists eine geschätzte Sprengkraft von fünf Kilotonnen TNT-Äquivalent. Die Sprengkraft der bisher auf US-Unterwasserbooten eingesetzten Atomsprengköpfe liege hingegen bei 455 und 90 Kilotonnen, berichteten William Arkin und Hans Kristensen auf der Website des Verbands. Die neue Waffe ist ihnen zufolge auf der "USS Tennessee" im Einsatz, die im Atlantik patrouilliert. (red, APA, AFP, 4.2.2020)