Ein Flieger von Westjet, hier im Anflug auf Vancouver.

Foto: Reuters

Es gibt Scherze, über die sollte man im Vorfeld wohl lieber zweimal nachdenken. In diese Kategorie fällt auch jener von James P. Der Kanadier hat mit einer fehlgeschlagenen "Spaßaktion" einen Urlaubsflieger zum Umkehren gebracht. Eine Tat, die weitere Folgen haben wird.

Verschiedene Medien haben den Vorfall auf dem Westjet-Flug von Toronto nach Jamaica mittlerweile aufgegriffen. Laut ersten Schilderungen sei er nach rund der Hälfte der vierstündigen Flugzeit aufgestanden und habe öffentlich erklärt, er sei mit dem Coronavirus infiziert, während er gleichzeitig sein Smartphone auf sich selbst gerichtet hatte.

"War im Zentrum des Coronavirus"

Gegenüber "City News" bestreitet er, sich als infiziert bezeichnet zu haben. Impliziert hat er eine Infektion aber sehr wohl. "Darf ich um ihre Aufmerksamkeit bitten?", zitiert er sich selbst. "Ich bin gerade aus Hunan zurückgekommen, dem Zentrum des Coronavirus – und ich fühle mich nicht besonders gut. Danke." Rund 15 Minuten später sei das Personal der Fluglinie bereits mit Schutzmasken unterwegs gewesen, habe auch ihn verpflichtet, Masken und Handschuhe anzulegen und ihn in den hinteren Teil des Flugzeugs verfrachtet.

Der Flieger machte schließlich kehrt und landete wieder in Toronto. Die anderen Passagiere konnten erst mit einem Tag Verspätung nach Jamaica reisen.

Wollte virales Video machen

Es sei ihm darum gegangen, ein virales Video zu drehen, um es auf Instagram und anderen Plattformen zu teilen, erklärt P. sein Verhalten im Nachhinein. Auf der Fotoplattform hat der Influencer und laut Selbstbezeichnung "aufstrebende Musiker" rund 35.000 Follower. Das Konto ist aktuell allerdings, wohl infolge der Aufregung, jedoch in den Privatmodus geschaltet.

CityNews Toronto

Er sei öfters mit dem Flugzeug unterwegs und fliege auch regelmäßig nach Jamaica. Dabei mache er auch immer wieder "Scherze". Bei seiner letzten Ankündigung sei die Reaktion aber nicht so ausgefallen, wie er sich das erhofft hatte. Niemand habe gelacht. Im Gegenteil, als er nach der Landung aus dem Flieger geführt wurde, sei er beschimpft und ausgebuht worden. Aber immerhin sei es "gut für die Publicity gewesen", so P.

Ein Video von "City News" zeigt eine kurze Interaktion zwischen P. und den Flugbegleitern, kurz nachdem die Rückreise nach Kanada angekündigt worden war. Erst zu diesem Zeitpunkt sei ihm klar geworden, dass sein Auftritt doch keine gute Idee war.

"Tut mir leid, dass ich so ignorant war"

P. ist der Ansicht, dass die Angelegenheit übertrieben dargestellt würde, denn immerhin habe er ja nicht behauptet, eine Bombe oder Waffe dabei zu haben. Dennoch bereue er sein Handeln mittlerweile. "Es tut mir sehr leid, dass ich so ahnungslos war und nicht verstanden habe, dass es sich um eine Epidemie handelt."

Die Angelegenheit wird für ihn ein Nachspiel haben. Dem Instagrammer steht eine Anklage wegen Unruhestiftung ins Haus. Zudem könnten auch betroffene Fluggäste rechtlich gegen ihn vorgehen.

Bislang 25.000 bestätigte Infektionen

Das Coronavirus, 2019-nCoV, wurde Anfang Jänner ursprünglich in Wuhan (nicht Hunan) erstmals diagnostiziert. Mittlerweile gibt es weltweit rund 25.000 Infektionsfälle, den Großteil davon in China. Bislang sind etwa 500 Todesfälle dokumentiert, über 900 einstige Erkrankte gelten als genesen.

Zahlreiche Länder haben mittlerweile Vorsichtsmaßnahmen ergriffen, viele Flugverbindungen in besonders betroffene Provinzen wurden temporär eingestellt. (gpi, 5.2.2020)