Online-Banking und die Nutzung anderer digitaler Finanzdienstleistungen trifft weltweit die Erwartungshaltung von immer mehr Menschen.

Foto: reuters/mukoya

Wien – Geld überweisen, Versicherungen organisieren oder Kredite beantragen – zwei von drei Bankkunden erledigen diese Aufgaben mittlerweile online oder über spezielle Apps. Der Anteil der Verbraucher weltweit, die Fintechs nutzen, hat sich im Vergleich zu 2017 von 33 auf 64 Prozent fast verdoppelt. Das geht aus dem jüngstem "Global Fintech Report" der Prüfungs- und Beratungsgesellschaft EY hervor.

Vor allem Überweisungen und Online-Bezahlungen wickeln Konsumenten demnach über Fintechs ab. Drei von vier Kunden weltweit, exakt 75 Prozent, nutzen entsprechende Dienste. Beliebt sind auch Versicherungslösungen, die von 48 Prozent der Verbraucher weltweit genutzt werden.

EY hat für den Report 27.000 Konsumenten in 27 Märkten befragt. Als Fintech-Nutzer wurden Personen definiert, die mindestens zwei von zuvor festgelegten digitalen Angeboten nutzen – darunter Geldüberweisung, Zahlungsverkehr, Kredite oder Versicherungen.

Konkurrenz zu Banken

"Wir Verbraucher mögen, was wir sehen und anfassen können. Hören wir nur von neuen Produkten, sind wir zunächst skeptisch. Aber inzwischen gibt es zahlreiche Fintech-Angebote 'zum Anfassen' auf dem Markt, die Nutzer haben deren Vorteile entdeckt und ihre anfänglichen Berührungsängste hinter sich gelassen", sagte der Leiter des Bereichs Financial Services Advisory und Partner bei EY Österreich, Armin Schmitt. Fintechs seien zu ernstzunehmenden Konkurrenten von Banken geworden.

Allerdings könnten die traditionsreichen Institute nach wie vor auf einen großen Vertrauensvorschuss zählen. "Die klassischen Banken und Versicherer können gegenüber den neuen Wettbewerbern vor allem einen Vorteil ausspielen: das Vertrauen der Kunden", sagte Schmitt. Jedoch sollten sich konventionelle Banken noch einiges von den wesentlich agileren Fintechs abschauen. Wenn es ihnen schnell gelinge, innovative, benutzerfreundliche und sichere Digitalangebote auf den Markt zu bringen, würden sie auch in Zukunft trotz neuer Konkurrenten gute Chancen haben.

87 Prozent der Chinesen und Inder nutzen Fintechs

Weltweit sind Chinesen und Inder Fintech-Angeboten gegenüber am offensten – jeweils 87 Prozent nutzen diese. In Russland und Südafrika ist die Nutzung mit jeweils 82 Prozent ebenfalls stark ausgeprägt. Zu den Schlusslichtern zählen Franzosen (35 Prozent) und Japaner (34 Prozent) – hier ist der Anteil jener, die Fintech-Angebote bereits nutzen, deutlich am geringsten ausgeprägt.

Die hohe Akzeptanz von Fintechs gerade in den großen Schwellenländern erklärt Schmitt so: "In diesen Ländern bildet sich eine Mittelschicht, die über ein höheres Einkommen verfügt und großes Interesse an Dienstleistungen rund um ihre Finanzen hat. Gleichzeitig sind es großflächige Länder ohne gewachsene Bankenstruktur. Fintechs bieten hier einen einfachen Zugang zu Finanz- und Versicherungsprodukten von jedem Ort mit Internet." Zudem seien die Verbraucher in China und Indien deutlich technikaffiner als bei uns und hätten weniger Bedenken in Bezug auf ihre Daten.

Österreich holt auf

Auch in Österreich nimmt die Nutzung von Online-Services der Banken weiter zu. insbesondere unter der jüngeren Generation. Jeder dritte Österreicher würde aufgrund von besseren digitalen Diensten ohne zu zögern die Bank wechseln. Bei einem guten Online-Auftritt verzichten Kunden sogar auf den persönlichen Kontakt zu Bankberatern. Über die Hälfte der Befragten (54 Prozent) gibt laut einer Befragung an, nur mit Mitarbeitern der Bank zu sprechen, wenn die Online-Services nicht ausreichend sind. Bei jungen Österreichern (18 bis 34 Jahre) ist diese Tendenz noch deutlich ausgeprägter.

Die "EY Consumer Banking Survey" basiert auf einer Online-Befragung von 3.500 Bankkunden in sieben Ländern, in Österreich nahmen 568 Bankkunden an der Umfrage teil. (Günther Strobl, 5.2.2020)