Mjam, das schmeckt! Margot Robbie als Harley Quinn.

Foto: AP/Warner Bros.

Sie adressiert uns direkt, kommentiert unablässig, kritzelt die Leinwand voll, spult zurück etc. Was Harley Quinn in bzw. mit Birds of Prey: The Emancipation of Harley Quinn macht, kennt man ähnlich von Deadpool. Wo sein Metagerödel gern mal zur allzu nerdigen Nabelschau gerät, braucht man für ihres keinen Abschluss in Comic-Studies und auch kein gar so strapazierfähiges Nervenkostüm.

Im Gegensatz zum Marvel-Schiachling hat Quinn keine Superkräfte – wie fast keine/r hier –, dafür aber eine happige Identitätskrise. Bisher bloß als Anhängsel des Jokers in Erscheinung getreten, wird sie nach dem Beziehungsende für vogelfrei erklärt. Als Zielscheibe für die Unterwelt Gothams ergreift sie die Chance auf, der Titel verrät’s, Emanzipation. Auch vom Franchise, das ihr mit dem konfusen Suicide Squad keinen idealen Einstand geboten hat.

Warner Bros. Pictures

Den erhält sie nun (noch einmal) in Regisseurin Cathy Yans Zweitling, und zwar souverän inszeniert als zuckerlbunte Actionkomödie, in der ausnahmsweise einmal nicht die Welt gerettet werden und auch die übliche Teambuilding-Chose bis ganz zum Schluss warten muss. Gemeinsam mit u. a. einer Superassassine und einer Cop-Karikatur (Mary Elizabeth Winstead bzw. Hollywood-Veteranin Rosie Perez) beschützt sie eine junge Profidiebin vor einem verschmitzten Gangsterboss (Ewan McGregor).

Mal in Zeitlupe im Sprinklerregen, mal auf Rollschuhen bei Hochgeschwindigkeit, immer macht Margot Robbie dabei eine tolle Hauptfigur in einem Film, der sich als Statement gegen eine fiese Männerwelt gefällt. Diese Überzeichnung ist allerdings genrekonform, fies genug sind die Birds schon selber, und einen Vogel haben (wir) sowieso alle. (David Auer, 5.2.2020)