Pete Buttigiegs Vater stammt aus Malta, der Name Abu-l-dajāj bedeutet "Vater des Huhnes".

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"Make America great again!" Der Slogan des Republikaners Donald Trump passt eigentlich besser auf einen jungen Demokraten – einen, der dort zu Hause ist, wo die USA es dringend nötig hätten, wieder großartig zu werden: Pete Buttigieg weiß, wie es ist im Mittleren Westen, im industriellen Brachland, aufzuwachsen und dort politische Verantwortung zu übernehmen.

Von 2012 bis 2019 war der heute 38-jährige Afghanistan-Veteran Bürgermeister seiner Heimatstadt South Bend im Bundesstaat Indiana. Hier florierte einst die Fabrik der Automarke Studebaker, bis sie 1963 in die Pleite rutschte und den wirtschaftlichen Niedergang der 100.000-Einwohner-Stadt und ihrer Region einleitete.

Es wäre besser gewesen, wenn seine Partei noch vor Donald Trumps Wahlsieg den Mittleren Westen wiederentdeckt hätte, schreibt Buttigieg in seinem Buch Shortest Way Home. "Aber besser spät als nie." Wen er als Problemlöser sieht, ist klar: sich selbst.

Der Sohn eines Professorenpaares an der University of Notre Dame in Indiana – der Vater wanderte aus Malta ein – ließ schon früh politisches Interesse und rhetorisches Talent erkennen: In der High School wurde er für einen Essay über den Kongressabgeordneten Bernie Sanders aus Vermont ausgezeichnet. Heute, 20 Jahre später, ist er einer dessen aussichtsreichster Rivalen um die Nominierung der Demokraten für die US-Wahl im November. In Iowa waren die beiden fast gleichauf.

Studium in Oxford

Buttigieg studierte Geschichte und Literatur in Harvard und ging dann mit einem prestigereichen Rhodes-Stipendium nach Oxford. Schon als Student sammelte er politische Erfahrung in Washington, wo er im Büro der Kongressabgeordneten Jill Long Thompson arbeitete. Im Präsidentschaftswahlkampf von John Kerry 2004 war er für Recherche und Strategieentwicklung zuständig.

2015 machte Buttigieg seine Homosexualität öffentlich, 2018 heiratete er seinen um acht Jahre jüngeren Lebensgefährten. Seine sexuelle Orientierung war im bisherigen Wahlkampf schon öfter Thema von Reporter- und Wählerfragen. Buttigieg nimmt sie stets geduldig zum Anlass um, wie er sagt, "Barrieren abzubauen".

Auch seine Jugend wird ihm vorgehalten: Buttigieg hat erst vor drei Jahren das Mindestalter für die Präsidentschaft erreicht, Sanders und Joe Biden sind doppelt so alt wie er. Er selbst sieht das als Vorteil: Es sei höchste Zeit, dass die Millennials politisch mehr zu sagen haben. (Gianluca Wallisch, 5.2.2020)