Am Wochenende beginnen in Vorarlberg die Semesterferien, am Freitag werden die Zeugnisse verteilt. In einer Volksschule in Lustenau wehren sich Lehrer gegen verpflichtende Ziffernnoten.

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Bregenz – Im Streit um die Notengebung an der Vorarlberger Volksschule Lustenau-Kirchdorf, wo die Lehrer des reformpädagogischen Zweigs aus Protest gegen verpflichtende Ziffernnoten in der Schulnachricht alle Drittklässler einheitlich mit Gut beurteilen wollen, gibt es einen Tag vor Zeugnisvergabe weiter keine Lösung. "Es wird knapp werden", sagte Direktor Christoph Wund am Donnerstag.

Lehrer und Bildungsdirektion stünden seit Tagen in starker Diskussion, teilweise bis Mitternacht. "Es sind viele Emotionen im Spiel, es ist ein aufrichtiges Ringen um eine Lösung", erklärte Wund. Er hoffe, man werde spätestens im Laufe des Abend zu einer Einigung kommen. Die Kinder und Eltern der reformpädagogischen Klassen erhielten seit jeher eine sehr aufwendige Rückmeldung, die man auch beibehalte. "Es ist nur die Frage: Muss die Zahl dazu?", sagte Wund, der weiter auf Wahlfreiheit in der Beurteilung pocht. Betroffen seien rund 40 Kinder, die Zeugnisse würden erst am Freitag ausgefüllt.

Disziplinarrechtliche Konsequenzen

Die Bildungsdirektion müsse handeln, sonst begeht sie Amtsmissbrauch, sagte Markus Juranek von der Rechtsabteilung der Bildungsdirektion im ORF Vorarlberg. Sollte es sich um eine schwere Dienstpflichtverletzung der Lehrerinnen handeln, weil die Einheitszweier sich als nicht gerechtfertigt herausstellen, könnten disziplinarrechtliche Konsequenzen folgen. Diese umfassen einen einfachen Verweis über Geldstrafen bis zur Kündigung. Halbjahreszeugnisse gelten an Schulen nur als "Schulnachricht", das Zeugnis im Sommer sei dagegen eine Urkunde, weshalb dem Lehrpersonal zusätzlich noch ein strafrechtliches Verfahren wegen Urkundenfälschung drohen könnte.

"Wir wollen den Gesetzesbruch ja nicht. Wir wollten aber ein Zeichen setzen, und dazu muss man eben für Aufsehen sorgen", sagte Direktor Wund. Er zeigte sich erfreut über die Unterstützung von Neos und SPÖ sowie die Ankündigung von Schullandesrätin Barbara Schöbi-Fink (ÖVP), das Gespräch mit Bildungsminister Heinz Faßmann (ÖVP) zu suchen. Es sei wichtig, auch in der Politik eine Diskussion anzustoßen.

Elterninitiative sammelt Unterschriften

Unterdessen sammelt die Vorarlberger Elterninitiative Gemeinsam Zukunft Lernen weiter Unterschriften für die Petition "Nein zum Notenzwang". Bis Donnerstagfrüh unterstützten diese bereits mehr als 8.000 Personen.

In der Vorarlberger Bildungsdirektion ging man am Donnerstag davon aus, "dass korrekte Schulnachrichten ausgestellt werden". Definitiv werde man das aber wohl erst am Freitag wissen, sagte Sprecherin Elisabeth Mettauer-Stubler.

Proteste gegen Notenzwang auch in Frastanz

Protest gegen den Notenzwang kommt auch aus der Volksschule Frastanz-Hofen im Bezirk Feldkirch. Laut Vorarlberger Medienberichten haben sich dort 60 Prozent der Eltern für einen Protestbrief an das Bildungsministerium ausgesprochen. Darin wird die Möglichkeit einer schulautonomen Entscheidung über eine Leistungsbeurteilung ohne Ziffernnoten gefordert. 40 Prozent der Eltern wollten die Schulnachricht ihrer Kinder dort nicht entgegennehmen. Ein kleiner Teil plant, das Zeugnis dem Schreiben an das Bildungsministerium beizugeben. In Frastanz seien 56 Drittklässler betroffen, doch auch Eltern von Kindern in anderen Schulstufen hätten sich dem Protest angeschlossen. Man hoffe auf ein Umdenken, sagte Direktor Herbert Zottele. (APA, red, 6.2.2020)