Um echtes Geld geht es im Streit Sidlo gegen Casinos vor dem Handelsgericht.

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Nächste gerichtliche Etappe in der Causa Postenschacher rund um die Casinos Austria AG. Diese spielt am Handelsgericht Wien und hat mit der Abberufung von Peter Sidlo aus seinem Job als Finanzvorstand zu tun. Der Casinos-Aufsichtsrat unter Führung von Walter Rothensteiner hat den 45-Jährigen am 2. Dezember 2019 wegen grober Pflichtverletzungen aus dem Sessel gekippt – und dagegen hat Sidlo am Handelsgericht geklagt. Er sieht sich zu Unrecht rausgeworfen und fordert rund 2,3 Millionen Euro von seinem Exarbeitgeber. Sein Vertrag wäre bis 2021 gelaufen.

Die Casinos Austria (Casag) beantragen die Abweisung der Klage. Aus ihrer Klagebeantwortung geht hervor, worin der Aufsichtsrat die grobe Pflichtverletzung sieht, die ihn zur sofortigen Vertragsauflösung verpflichtet und veranlasst habe. Zum einen habe Sidlo dem Aufsichtsrat im Mai 2019 die Unwahrheit gesagt, zum anderen Verschwiegenheitsverpflichtungen verletzt.

Schwenk zurück in den Mai 2019. Damals brachten die Neos eine parlamentarische Anfrage ein, in der es unter anderem um die Bestellung Sidlos, dessen FPÖ-Nähe und Netzwerke ging. Zuvor hatte DER STANDARD berichtet, dass der Personalberater den damaligen blauen Wiener Bezirksrat nicht für qualifiziert für den Finanzvorstandsjob gehalten hatte.

"Politische Umstände" schuld

Der Casag-Aufsichtsrat konfrontierte das frischgebackene Vorstandsmitglied mit diesen Vorwürfen, ersuchte um schriftliche Stellungnahme. Die gab Sidlo Ende Mai ab. Ihr Inhalt: Ihm, Sidlo, sei keine einzige Verfehlung bewusst, er habe dem Aufsichtsrat nichts verheimlicht und er bedauere es "überaus, dass politische Umstände mich und auch das Unternehmen, für das ich nun tätig sein darf, in derartige mediale und politische Diskussionen gebracht hat", so Sidlo in seinem Schreiben. Und was die Meldungen und parlamentarische Anfrage zu seiner Vorstandsbestellung betreffe, sehe er sich "nicht in der Rolle, Aufklärung leisten" zu können. Die in den Raum gestellten "politischen Absprachen sind mir nicht bekannt". Sollte es Derartiges gegeben haben, so wäre es eher "vom Aufsichtsrat zu kommentieren und zu beurteilen".

Als im Herbst die Chatprotokolle aus dem Vorfeld von Sidlos Bestellung bekannt wurden, wendete sich das Blatt, die politische Dimension rund um die Bestellung wurde offenbar. Sidlos Erklärung von Mai an den Aufsichtsrat widerspreche "eindeutig" der Auswertung des Chatverkehrs, stellt die Casag in ihrer Klagebeantwortung fest. Explizit erwähnen ihre Anwälte Chats von Sidlo, Novomatic-Chef (und Casag-Vizeaufsichtsratschef) Harald Neumann und Ex-Vizekanzler Heinz-Christian Strache.

Zur Erinnerung: Am 11. Februar schickte Strache Finanzminister Hartwig Löger (ÖVP) eine SMS, in der er ihm seinen "herzlichen Dank für deine Unterstützung bezüglich CASAG" ausdrückte. Dieser antwortete mit "Daumen rauf"-Emoji. Rund einen Monat davor hatte Sidlo an Neumann geschrieben, dass Barbara Kolm (wie Sidlo von der FPÖ in den Generalrat der Nationalbank entsandt) "gerne helfen möchte". Und am 16. Jänner riet Sidlo seinem damaligen Parteichef Strache, den er beim Personalberater als Referenz angegeben hatte: "... erzähl ihm halt, wie toll ich bin".

In den Augen der Casag war Sidlo angesichts dessen nicht mehr vertrauenswürdig, auch die Aufrichtigkeit gegenüber dem Aufsichtsrat sei nicht gegeben gewesen. Beides sei aber wesentliche Voraussetzung für die Tätigkeit im Vorstand. Zudem habe Sidlo in einem Interview unerlaubterweise Interna aus dem Unternehmen weitergegeben.

Casag will 22.000 Euro

Der Forderung Sidlos (die 2,3 Millionen Euro) stellen die Casinos eine Gegenforderung entgegen. Sie wollen jene 21.904,67 Euro netto zurück, die der Ex-Vorstand für die Zeit von 3. bis 31. Dezember im Voraus bezahlt bekommen hat. (Renate Graber, 7.2.2020)