Sturmtief Sabine wirbelte bereits mit teils orkanartigen Böen über Deutschland.
DER STANDARD/APA

Wien – Ihr bisheriges Rekordtempo hat Sabine Montagfrüh erreicht: Im Schwarzwald in Deutschland und im Riesengebirge an der tschechisch-polnischen Grenze wurden Windspitzen von bis zu 180 km/h gemessen– und am Montagvormittag hat das Orkantief auch auf Österreich übergegriffen. Zu den Mittagsstunden wird das Tief hierzulande den Höhepunkt erreichen und insbesondere in Nieder- und Oberösterreich für Spitzen von 100 km/h und mehr sorgen, auch Teile Tirols und Vorarlbergs sind betroffen. Die Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (ZAMG) hat daher die höchste von vier Warnstufen ausgerufen. Die Extreme sollen in etwa bis 13 Uhr andauern.

In Oberösterreich kam es zu Behinderungen im Bus- und Bahnverkehr. Wegen umgestürzter Bäume oder anderer Gegenstände auf Straßen und Schienen meldete der Oberösterreichische Verkehrsverbund (OÖVV) zahlreiche Verzögerungen oder Totalausfälle. Betroffen war vor allem der Norden des Bundeslands.

Die Feuerwehren waren mit 1.800 Leuten im Großeinsatz. Großteils hatten die Einsatzkräfte umgestürzte Bäume von Straßen zu entfernen, teils waren auch Bäume in Stromleitungen gestürzt. In einigen Fällen mussten verwehte Gegenstände – etwa ein schlecht gesichertes Trampolin – wieder "eingefangen" werden. In Piberschlag im Bezirk Rohrbach saß ein Rettungsfahrzeug zwischen umgestürzten Bäumen fest und konnte nicht mehr weiter.

Der Sturm peitscht Wellen am Bodensee gegen das Ufer: Montagfrüh legte das Orkantief Sabine in Österreich los.
Foto: APA/Dietmar Stiplovsek

30.000 Haushalte ohne Strom

In den Bezirken Schärding und Rohrbach waren 30.000 Haushalte am Montagvormittag mehrere Stunden lang ohne Strom. Weil der Sturm Reparaturen zum Teil unmöglich machte, war das Problem für etwa die Hälfte der Anschlüsse auch zu Mittag noch nicht behoben. Der Sturm fegte mit 125 km/h über die beiden Bezirke und entwurzelte an exponierten Stellen reihenweise Bäume.

Wegen eines Stromausfalls infolge des Sturms ist eine Patientin bei Rainbach im Innkreis in Gefahr geraten. Die Frau konnte nicht mehr über ihre strombetriebenen medizinischen Geräte versorgt werden, weshalb die Feuerwehr ihr mit einem Notstromaggregat zu Hilfe kam. Ebenso bei Rainbach befreite die Feuerwehr sechs Leute, die wegen umgestürzter Bäume in Autos eingesperrt waren.

Auch im Waldviertel in Niederösterreich gab es dutzende Feuerwehreinsätze. Die Franz-Josefs-Bahn wurde im Abschnitt Göpfritz – České Velenice gesperrt, berichtete die ÖBB. Beim Bahnhof Pürbach war ein Baum in die Oberleitung gestürzt. In Salzburg und Tirol mussten die Feuerwehren bis dato weitaus seltener ausrücken – vor allem wegen umgestürzter Bäume und abgebrochener Äste. In ganz Niederösterreich sind am Montagvormittag 5.000 Haushalte ohne Stromversorgung gewesen.

Heimische Städte riegeln Parks ab

In der Stadt Salzburg wurden am Montag Friedhöfe, Parks, die Stadtberge, die Hellbrunner Allee sowie die Parkanlage und der Zoo in Hellbrunn aus Sicherheitsgründen gesperrt. In Wien wurden 60 Anlagen, die mit Toren und Zäunen versehen sind, geschlossen und zusätzlich mit einem Absperrband versehen, das das Gelände als bis auf weiteres nicht zugänglich kennzeichnet: Das gilt etwa für die Prater-Hauptallee, den Donaupark, den Wasserpark, den Türkenschanzpark und den Kurpark Oberlaa – auch der Zoo ist geschlossen. St. Pölten sperrte den Stadtwald (Kaiserwald), den Hammerpark und das Areal rund um die Viehofner Seen.

Vorboten von Sabine in der Weststeiermark: Die Feuerwehren rückten hier schon Montagfrüh aus.
Foto: APA/FF Pitschgau-Haselbach

In der Weststeiermark machte sich schon vor Durchzug der Front teils stürmischer Südwestwind bemerkbar. In der Nacht auf Montag fielen Bäume auf Straßen, das Blechdach eines Carports wurde abgesteckt und auf das Nachbargrundstück geschleudert, ein anderer Carport brach zusammen und stürzte auf zwei Autos, teilte der Bereichsfeuerwehrverband Deutschlandsberg mit.

Laut ÖBB kommt es im Fernverkehr zwischen Deutschland, Tschechien und Österreich zu starken Einschränkungen. Am Vormittag wurden vom Flughafen Wien in Schwechat 31 Ausfälle bei über 600 geplanten Flügen vermeldet. Betroffen sind laut einem Sprecher 14 Abflüge und 17 Ankünfte.

Umgestürzte Bäume als Gefahr

In Deutschland hat Sabine schwere Verkehrsbeeinträchtigungen ausgelöst, mehrere Menschen wurden verletzt. Die Deutsche Bahn hatte ihren Fernverkehr bereits am Sonntagabend deutschlandweit komplett eingestellt. Der Betrieb dieser Züge werde frühestens am Montagvormittag wieder aufgenommen, teilte die Bahn mit. Es sei bereits absehbar, dass die Störungen am Montag den ganzen Tag über andauern werden.

Gefährliche Situationen in Deutschland: In Hamburg stürzte ein Baum auf ein Auto.
Foto: APA/dpa/Daniel Bockwoldt

In Saarbrücken wurden zwei Frauen schwer verletzt, als auf dem Parkplatz des Klinikums ein Baum auf sie stürzte, eine der Frauen befindet sich laut Polizei in Lebensgefahr. In Paderborn wurde ein 16-Jähriger schwer am Kopf verletzt, als er in einem bewaldeten Gebiet von einem herumfliegenden Ast getroffen wurde.

Schäden am Frankfurter Dom

In Frankfurt am Main knickte in dem Sturm der Ausleger eines Baukrans um und beschädigte das Dach des Frankfurter Doms. Verletzt worden sei niemand, eine Gefahr für Passanten bestehe nicht.

Geknickter Kran in Frankfurt: Das Dach des Doms wurde beschädigt.
Foto: APA/dpa/Boris Roessler

Das deutsche Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrografie warnte vor der Gefahr einer Sturmflut an der Nordseeküste sowie in Bremen und Hamburg. Diverse Straßen mussten wegen des Orkantiefs gesperrt werden, darunter auch Autobahnabschnitte. Viele Ausfälle gab es auch an deutschen Flughäfen: An den beiden größten Airports Nordrhein-Westfalens in Düsseldorf und Köln wurden insgesamt rund 150 Starts und Landungen gestrichen. Eurowings hatte fast alle seine Flüge abgesagt.

Bereits am Sonntag stürmte Sabine in Norddeutschland, wie hier an der Nordsee bei Dagebuell.
Foto: Reuters/Fabian Bimmer

Schäden und Tote in Europa

In weiten Teilen Nordwesteuropas sorgte der Sturm, der in anderen Ländern Ciara genannt wird, für Schäden und Unfälle. In Großbritannien fiel in mehr als 90.000 Haushalten der Strom aus, in Tschechien in 100.000, in Frankreich in 130.000, in Polen in 55.000.

Einen schweren Unfall gab es auf einem See in der schwedischen Gemeinde Svenljunga: Hier kenterten am Sonntag zwei Angler mit ihrem Boot – einer starb, nach dem anderen wurde am Montag noch gesucht. In Paris stürzte ein Mann von einem Tretroller und starb an den Folgen seiner Kopfverletzung. Die Polizei schloss nicht aus, dass eine Windböe die Ursache des Unfalls war.

Im polnischen Skiort Bukowina Tatrzańska wurden eine Frau und ihre Tochter auf einem Parkplatz von herabfallenden Dachteilen erschlagen. In Schottland wurden drei Menschen verletzt, als das Dach eines Lokals teilweise einstürzte.

Nicht nur Sabine selbst stellte Temporekorde auf: Drei Flugzeuge schafften dank starken Rückenwinds die 5.554 Kilometer lange Strecke von New York nach London in unter fünf Stunden, wie das Portal Flightradar 24 meldete. Am schnellsten war eine Boeing 747-436 der British Airways, die vier Stunden und 56 Minuten benötigte. (APA, 10.2.2020)