Annegret Kramp-Karrenbauer hat am Montag überraschend angekündigt, nicht Kanzlerkandidatin der Union bei der nächsten Bundestagswahl in Deutschland zu werden und den CDU-Parteivorsitz in absehbarer Zeit abzugeben. Ein Überblick über jene Männer, die für die Nachfolge bereits in den Startlöchern stehen.

  • Friedrich Merz

An den ehemaligen Fraktionschef im Bundestag (2000 bis 2002) denkt man natürlich als Erstes. Er wollte ja schon 2018 Angela Merkel als CDU-Chef nachfolgen, trat gegen Annegret Kramp-Karrenbauer an und unterlag nur knapp. Merz hat im mächtigen Landesverband Nordrhein-Westfalen und im Osten Deutschlands viele Anhänger, er wird auch in der Wirtschaft geschätzt. Der 64-Jährige gilt als Mann der klaren Worte – manchmal fallen sie auch sehr direkt aus. So bescheinigte er der Regierung vor kurzem ein "grottenschlechtes Erscheinungsbild", was ihm auch parteiinterne Kritik eintrug. Gerade erst hat er angekündigt, seinen Posten im Aufsichtsrat des US-Vermögensverwalters Blackrock niederzulegen und sich wieder mehr in der CDU einzubringen.

Friedrich Merz gilt als Mann der klaren Worte.
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  • Jens Spahn

Auch der deutsche Gesundheitsminister wollte im Dezember 2018 CDU-Chef werden, war bei der Wahl auf dem Parteitag in Hamburg aber schneller aus dem Rennen als Kramp-Karrenbauer und Merz. Wie Merz ist er dem konservativen Flügel der Partei zuzuordnen, er hat früher Kritik an der Asylpolitik von Kanzlerin Merkel geübt. Viele in der CDU finden ihn jedoch für höhere Ämter noch zu jung, Spahn ist Jahrgang 1980. Nach seiner Niederlage bei der Wahl für den Parteivorsitz hat er sich auf seine Arbeit als Gesundheitsminister konzentriert, etwa auf die Pflegeoffensive und die elektronische Patientenakte. Im Bundestag scheiterte er kürzlich mit seinem Plan, bei der Organspende die Widerspruchslösung, wie sie in Österreich praktiziert wird, einzuführen.

An Jens Spahn wird oft kritisiert, das er für höhere Ämter noch zu jung sei.
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  • Armin Laschet

Wie Merz und Spahn stammt auch Armin Laschet aus dem mächtigen Landesverband Nordrhein-Westfalen. Dort ist er seit 2017 Ministerpräsident und regiert mit einem Bündnis aus CDU und FDP. Als es im Herbst 2018 um die Neubesetzung der CDU-Spitze ging, hielt er sich zurück, machte aber deutlich, dass er bei der endgültigen Entscheidung über die Kanzlerkandidatur ein Wörtchen mitreden wolle. Der 58-Jährige wird dem liberalen Flügel zugerechnet und galt lange Zeit als "Merkelianer", 2005 bis 2010 war er Landesminister für Integration. Er ist auch einer von Kramp-Karrenbauers Stellvertretern in der CDU. Da er sich immer wieder zur großen Koalition bekannt hat, wäre er der Wunschkandidat einiger in der SPD.

Armin Laschet wird dem liberalen Flügel zugerechnet und galt lange Zeit als "Merkelianer".
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  • Markus Söder

CDU-Chef kann der CSU-Vorsitzende und bayerische Ministerpräsident Markus Söder natürlich nicht werden. Dennoch wird er bei den Spekulationen über die Nachfolge genannt – nämlich als Kanzlerkandidat. Söder hat sich selbst die Verwandlung vom verbalen Haudrauf zum Landesvater verordnet, unter ihm soll die CSU grüner werden. Der 53-Jährige kam auf dem CDU-Parteitag in Leipzig im Herbst bei der CDU enorm gut an. Er selbst sagt, er wolle in Bayern bleiben. Käme er tatsächlich zum Zug, lägen Parteivorsitz und Kanzlerkandidatur nicht in einer Hand, das wird in der CDU als Problem gesehen.

Markus Söder will eigentlich in Bayern bleiben, dennoch wird er bei den Spekulationen über die Nachfolge von Annegret Kramp-Karrenbauer immer wieder genannt.
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Söder forderte die CDU bereits auf, "die inhaltliche und personelle Aufstellung der CDU grundsätzlich zu klären".

Zugleich erklärte er "großen Respekt für die Entscheidung" Kramp-Karrenbauers. "Auch wenn es mir leid tut", fügte der bayerische Ministerpräsident hinzu. "Denn wir arbeiten sehr vertrauensvoll zusammen." (Birgit Baumann aus Berlin, 10.2.2020)