Im Jänner hatte der Stadtrechnungshof die Versorgung in der Kinder- und Jugendpsychiatrie kritisiert. 542 Minderjährige mussten in psychiatrischen Abteilungen für Erwachsene aufgenommen werden, etwa auch am Hietzinger Rosenhügel.

Foto: Matthias Cremer

Es sei – ob der schlechten Öffi anbindung – nicht der beste Ort, um ein Ambulatorium für Kinder- und Jugendpsychiatrie zu eröffnen, sagte Ewald Lochner, Wiener Koordinator für Psychia trie, Sucht- und Drogenfragen, am Montag. Doch es sei ein Ort, an dem die nötige Infrastruktur bereits zur Verfügung stand, wodurch man "schnell agieren" konnte. Mit dem neuen Standort auf dem Spitals gelände in Hietzing gibt es nun zwei Ambulatorien für Kinder- und Jugendpsychiatrie in Wien.

Im Jänner hatte der Stadtrechnungshof die diesbezügliche Versorgung kritisiert. Laut dem Bericht gab es von 2015 bis 2018 viel zu wenige Betten, 542 Kinder und Jugendliche zwischen zwölf und 18 Jahren mussten in psychiatrischen Abteilungen für Erwachsene aufgenommen werden. Laut Prüfern stand in dieser Zeit nicht einmal die Hälfte der vorgesehenen Betten für Kinder und Jugendliche zur Verfügung. Dem Wiener Krankenanstaltenverbund (KAV) empfahl der Stadtrechnungshof zudem, "zügig" die Kapazitäten im stationären Bereich aufzustocken.

800 Kinder und Jugendliche sollen betreut werden

Ein erster Schritt ist nun passiert. In dem neuen kinder- und jugendpsychiatrischen Ambulatorium kümmert sich ein "multiprofessionelles Team" um die jungen Patienten. Neben Fachärzten sind unter anderem auch Psychologen, Sozialarbeiter und Ergotherapeuten im Einsatz – 24 Personen arbeiten an dem neuen Standort. Mindestens 800 Kinder und Jugendliche sollen laut Plan bis Ende 2021 behandelt werden. Allerdings: Bereits jetzt werden 160 Minderjährige betreut, der Standort nahm erst im Dezember vergangenen Jahres den Betrieb auf. Lochner geht davon aus, dass eine Belegung mit 800 Patienten schon Ende 2020 erreicht werden könnte.

Damit sei der Bedarf aber nicht gedeckt. Sechs weitere Ambulatorien sollen entstehen. Einen Zeitplan dafür gibt es aber noch nicht. "In der Kinder- und Jugendpsychiatrie existieren Mängel. Daran gibt es nichts schönzureden", sagte Lochner. Die Stadt arbeite am Ausbau.

Wohngruppen angeschlossen

Als "weltweit einzigartig" bezeichnete der rote Jugendstadtrat Jürgen Czernohorszky am Montag die räumliche Verknüpfung des Ambulatoriums mit sozialpsychiatrischen Wohngruppen. Aktuell befindet sich eine solche Gruppe mit vier Jugendlichen, die von der gemeinnützigen Oasis Socialis GmbH betreut werden, im selben Gebäude in Hietzing. Im März soll eine zweite Vierergruppe dazukommen. Denn Minderjährige, die von der Kinder- und Jugendhilfe betreut werden, seien deutlich häufiger von psychischen Erkrankungen betroffen als der Durchschnitt – sie machen rund 70 Prozent der Kontakte der ambulanten Kinder- und Jugendpsychiatrie aus, sagte Czernohorszky.

Die Öffnungszeiten des Ambulatoriums seien bewusst auf den Nachmittag gelegt worden, damit die Kinder auch weiterhin die Schule besuchen können. Weiters gibt es das Angebot des "Home Treatments". Dabei werden mobile Teams zu den Minderjährigen nach Hause geschickt.

Die stationäre Behandlung will die Stadt bis 2030 aufstocken: auf 120 Betten in KAV-Spitälern und 40 Plätze im AKH.

Bis 2021 angesetzt

Das Projekt ist vorerst bis Ende 2021 angesetzt, läuft es gut, soll es ausgeweitet werden. Gleichzeitig soll das Ambulatorium dann von Hietzing in eine besser angebundene Gegend ziehen. Schon jetzt suche man nach Standorten. (Oona Kroisleitner, 10.2.2020)