Mit 38 ist Pete Buttigieg bei den Vorwahlen der US-Demokraten Mitfavorit.

Foto: REUTERS/ERIC THAYER

Washington – Knapp eine Woche nach ihrer äußerst blamablen ersten Präsidentschaftsvorwahl haben die US-Demokraten den Sieg von Pete Buttigieg im Bundesstaat Iowa offiziell bestätigt. Demnach holte der pragmatisch-moderate Ex-Bürgermeisters bei dem Caucus am vergangenen Montag die meisten Delegiertenstimmen vor dem Senator Bernie Sanders.

Auch wenn Buttigieg in Iowa nach derzeitigen Informationen gewonnen hat, liegt Sanders in einer Umfrage landesweit erstmals vorne. Laut der am Montag veröffentlichten Umfrage der Universität Quinnipiac erreicht der 78-Jährige mit 25 Prozent den ersten Platz.

Sanders kündigt Berufung an

Die Ergebnisverkündung in Iowa hatte sich wegen einer technischen Panne tagelang hingezogen. Buttigieg holte demnach 14 Delegiertenstimmen, gefolgt von Sanders mit zwölf. Für die ebenfalls linksgerichtete Senatorin Elizabeth Warren sollen acht Delegierte zu dem Parteitag im Juli entsandt werden, bei dem der Herausforderer oder die Herausforderin von Donald Trump gekürt wird. Auf dem vierten Platz landete der frühere Vizepräsident Joe Biden mit sechs Delegierten, gefolgt von der Senatorin Amy Klobuchar mit einem. Biden und Klobuchar vertreten wie Buttigieg den moderaten Parteiflügel.

Wegen des hauchdünnen Rückstands kündigte Sanders' Wahlkampfteam an, das Ergebnis überprüfen zu lassen. Die Auszählungen seien inkompetent ausgeführt worden, monierte sein Kampagnenmanager Faiz Shakir. Ursache der Panne war laut den Demokraten ein Programmierfehler bei einer App, die die Daten der einzelnen Wahlbezirke sammelte.

"Verlogene, hundsgesichtige Pony-Kavalleristin"

In New Hampshire sorgte Ex-Vizepräsident Biden unterdessen mit einem im Internet vielkritisierten Auftritt für Schlagzeilen: Bei einer Wahlkampfveranstaltung bezeichnete er eine junge Frau als "verlogene, hundsgesichtige Pony-Kavalleristin". Die 21-jährige Studentin hatte Biden um eine Erklärung für dessen schlechtes Abschneiden bei in Iowa gebeten.

"Das ist eine gute Frage", antwortete der nach der deutlichen Niederlage erheblich unter Druck stehende Biden. "Waren Sie jemals bei einem Caucus?", fragte er die Studentin, die dann nickte. "Nein, waren Sie nicht", sagte Biden. "Sie sind eine verlogene, hundsgesichtige Pony-Kavalleristin."

Bidens Wahlkampfsprecherin Remi Yamamoto versuchte den Schaden zu begrenzen und schrieb auf Twitter, die Aussage sei ein Witz gewesen: "Das ist aus einem John-Wayne-Film", Biden habe den Witz schon oft gemacht.

Bidens Umfragewerte sinken

Die betroffene Studentin sagte der "Washington Post", es sei "völlig irrelevant, ob ich bei einem Caucus war oder nicht". Biden habe in diesem Rennen "unglaublich schlecht abgeschnitten". Dessen Unfähigkeit, eine einfache Frage einer "unbedeutenden Studentin wie mir zu beantworten, verschärft diese Realität nur noch mehr", sagte sie.

Biden verliert landesweit an Zustimmung unter den registrierten Anhängern der Demokraten sowie der Unabhängigen: Nur noch 17 Prozent sprechen sich in einer Erhebung von Reuters/Ipsos für den Ex-Vizepräsidenten aus, fünf Porzentpunkte weniger als vor einer Woche.

Vorwahlen in der Nacht auf Mittwoch

Am Dienstag findet in New Hampshire die zweite Vorwahl statt. In dem Bundesstaat an der Ostküste werden dem 78-jährigen Sanders die besten Chancen eingeräumt. Umfragen sehen Buttigieg an zweiter Stelle. Der 38-Jährige sieht sich nach seinem Überraschungssieg in Iowa zunehmend mit Vorwürfen aus den Reihen seiner Mitbewerber konfrontiert, er sei zu unerfahren für das Präsidentenamt. (APA, Reuters, 10.2.2020)