Indonesien steht eine größere Rolle im pazifischen Raum zu, jedenfalls wenn es nach dem Präsidenten des Inselstaates geht: Joko Widodo meldete den Anspruch auf mehr Einfluss seines Landes bei einer Rede vor dem australischen Parlament in Canberra an. Australien ist die Regionalmacht im Südpazifik, Widodo befindet sich auf einem zweitägigen Staatsbesuch bei seinem Nachbarn.

Zu den Zielen der Visite gehörte auch die Unterzeichnung eines seit zehn Jahren avisierten Freihandelsvertrages. Dieser soll mit einem hunderttägigen Aktionsplan umgesetzt werden. Indonesien und Australien müssten gemeinsame Anker der Entwicklung im Pazifikraum sein, erklärte Widodo. Beide Länder stünden bedingt durch Klimawandel und Naturkatastrophen vor großen Herausforderungen – Probleme, die sie mit vielen kleinen pazifischen Staaten teilten. Beide Mächte zählen allerdings nicht zu den Musterschülern in Sachen Umwelt- und Klimaschutz.

Indonesiens Präsident Joko Widodo strebt eine größere Rolle für sein Land im Pazifik an. Am Montag durfte er eine Rede vor dem australischen Parlament halten.
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Indonesien ist mit seinem Streben nach Mitsprache in der Region nicht alleine. Im Pazifikraum findet seit einiger Zeit ein Rennen um Einflusssphären statt. Viele kleine Staaten wenden sich China zu, das mit Infrastrukturprojekten lockt. Australien versucht seinerseits, dagegenzuhalten.

Australiens Regierungschef Scott Morrison empfing Indonesiens Präsident Joko Widodo zu Verhandlungen.
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Westpapua-Konflikt

Einige Pazifikstaaten fordern eine Untersuchung der Gewalt in Westpapua, wo es immer wieder zu Zusammenstößen mit indonesischen Truppen kommt. Vanuatu unterstützt gar eine Unabhängigkeit der seit den sechziger Jahren annektierten Provinz.

Die beiden Nachbarstaaten schlossen einen milliardenschweren Freihandelsvertrag. Die Außenministerinnen Indonesiens und Australiens Retno Marsudi und Marise Payne tauschten die unterzeichneten Vertragsdokumente aus.
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Im vergangenen Sommer kam es nach rassistischen Angriffen auf Westpapuaner zu einer Welle von Demonstrationen und Auschreitungen, gegen die Indonesien scharf vorging. Eine Gruppe von westpapuanischen Unabhängigkeitsaktivisten muss sich zur Zeit vor Gericht wegen Hochverrats verantworten. Für ihr Vergehen – das Hissen der Morgensternflagge, Westpapuas Unabhängigkeitssymbol – drohen ihnen bis zu 15 Jahre Haft.

Drei Indonesier, die die Unruhen im vergangenen August ausgelöst hatten, wurden unterdessen zu Haftstrafen zwischen fünf und zehn Monaten verurteilt. Die nun Verurteilten waren Teil des rassistischen Mobs, der ein Wohnheim westpapuanischer Studenten in der javanesischen Stadt Surabaya belagerten. Die Aktivistin Tri Susanti rechtfertigte dies als "Akt des Patriotismus". Der Youtuber Andrian Andriansah fälschte ein video, um den Westpapuanern eine Schändung des indonesischen flagge zu unterstellen, der Beamte Syamsul Arifin hatte die die Westpapuaner als "Affen, Schweine und Hunde" beschimpft.

Schweigsames Australien

Menschenrechtler forderten vor Widodos Besuch klare Worte Canberras, doch Australien agiert zu diesem Thema seit jeher sehr zurückhaltend. In seiner Heimat wird sich Indonesiens Präsident vermutlich mehr rechtfertigen müssen: Er schüttelte auch Adam Bandt die Hand – der Chef von Australiens Grünen trug einen Pin mit der Morgensternflagge. (Michael Vosatka, 10.2.2020)

Grünenchef Adam Bandt erschien mit angesteckter Morgensternflagge Westpapuas zum Treffen mit dem indonesischen Präsidenten.
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