DER STANDARD

Mit Schulmilch hat es angefangen: Gerhard Wagner ist einer von vier Bauern, die sich 1995 von den Großmolkereien unabhängig gemacht und mit der Direktvermarktung der eigenen Milch begonnen haben. Dafür haben sie unter dem Namen "Waldviertler Bauernmilch" eine eigene Molkerei in Bad Traunstein gegründet und rund 2,5 Millionen Euro investiert. 25 Jahre danach ist Wagner erleichtert, dass sich dieser Schritt ausgezahlt hat. Zumindest hat er weniger zu beklagen als seine Kollegen in der Steiermark.

Erst vor wenigen Tagen beschwerte sich die IG Milch, eine Interessengemeinschaft von rund 1.000 Milchbauern, in einer Presseaussendung über die Molkerei Ennstal Milch. Diese fordert die regelmäßige Anlieferung einer bestimmten Menge von Milch von ihren steirischen Bauern, ansonsten droht ein Preisabschlag. Damit wolle die Molkerei den Wettbewerb der Direktvermarktung einschränken, werfen ihr die Bauern vor.

Gerhard Wagner ist Geschäftsführer einer kleinen Molkerei und selbst Landwirt. In Bad Traunstein im Waldviertel verarbeitet er die Milch seiner rund 100 Kühe und die von drei anderen Bauern.
Foto: Maria von Usslar

Tatsächlich sei die Milchwirtschaft bei 80.000 Litern im Jahr nicht rentabel, "kleine Betriebe können keine Familien ernähren", sagt Wagner.

Er und seine Verbündeten können dagegen ganz auf die Nischenproduktion setzen. Die Waldviertler Bauernmilch hat sich neben der Schulmilch mit der Koscherproduktion einen treuen Kunden, die jüdische Community, geschaffen. Durch die strikte Trennung von Fleischigem und Milchigem und die Überwachung durch einen Rabbi ist die kleine Molkerei in Bad Traunstein vielen Regeln unterworfen, eine konstante Milchmenge müssen die teilnehmenden Bauern aber nicht mehr erfüllen. Unter dem niedrigen Literpreis für Milch, derzeit sind es 34,8 Cent, leiden sie dennoch indirekt. Das müsse eine gute Vermarktung trotzdem kompensieren. (mvu, 12.2.2020)