Nein, bis zum 1. April dauert es noch ein Weilchen, es ist kein Witz: In Washington ist der Entwurf einer Präsidentenverfügung unterschriftsbereit, mit der der orange Herr im Weißen Haus Architekturvorgaben für die Errichtung von US-Bundesgebäuden machen will. Allein schon der Titel des Dokuments ist eine stilistische Verbeugung vor dem Geschmack des 45. Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika: "Making Federal Buildings Beautiful Again". Bundesgebäude wieder schön machen, damit sie dem Betrachter wieder "Respekt anstelle von Fassungslosigkeit und Abscheu einflößen".

Das Weiße Haus in Washington.
Foto: AP Photo/Patrick Semansky

Demnach müssen die "nationalen Werte" der USA in öffentlichen Gebäuden wieder sichtbar werden, und mit moderner Architektur geht das eben nicht. Laut Magazin "Architectural Record", das den Text zuerst veröffentlicht hat, sind zeitgenössische Architekten offenbar nicht in der Lage, etwas zu schaffen, das "visuelle Zeugenschaft für Würde, Unternehmungsgeist, Vitalität und Stabilität der amerikanischen Regierung ablegt".

Um den Geist des Landes mit einem "Stable Genius" als Präsidenten architektonisch festzuhalten, müssen die Griechen und die Römer ran: Neoklassizismus. Weil es so lächerlich ist, übersieht man leicht die bösartige politische Botschaft: Es gibt nur ein zivilisatorisches Fundament der USA, und das ist eine – konstruierte – klassische weiße Antike. Alles andere ist fremd, eine Abweichung. (Gudrun Harrer, 11.2.2020)