Am Faschingsdienstag um 22.03 Uhr begannen am 13. Februar 1945 die alliierten Bombardements der sächsischen Metropole Dresden. 15 Stunden später, um 12.38 Uhr tags darauf, lag das – zwar mit Zivilisten gefüllte, für NS-Deutschland am Ende des Krieges aber bedeutsame – "Elbflorenz" in Schutt und Asche.

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Erst nach dem Ende der beiden Bombardierungswellen wurde das ganze Ausmaß menschlichen Leids sichtbar: Zwischen 22.700 und 25.000 Menschen kamen bei den Angriffen britischer und US-amerikanischer Kampfflugzeuge ums Leben. Dies errechnete in jahrelanger Arbeit 2010 eine Historikerkommission.

Der Name Dresden samt der im Zuge der Bombardierung abgebrannten Frauenkirche ist auch 75 Jahre danach Symbol für die Schrecken des Krieges.

Die AfD, jene Partei also, deren Gebaren in Thüringen den Sturz von CDU-Chefin Annegret Kramp-Karrenbauer ausgelöst hat, gedenkt der Bombennacht ebenfalls – auf ihre Art.

Selbstausgelöste Debatte

Während das offizielle Dresden den Trauertag mit einer Menschenkette, Konzerten und Gottesdiensten in der Stadt begeht, fordert die Rechtspartei "würdiges Gedenken" und beklagt die jedes Jahr von Neuem beginnende "Diskussionen über Opferzahlen" – die sie freilich selbst angezettelt hat.

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Bis heute ist die Zahl der Toten nämlich Gegenstand rechter Propaganda. "Ich gehe von etwa 100.000 Toten aus", sagte AfD-Parteichef Tino Chrupalla unlängst dem "Spiegel". Wie er auf die im Vergleich mit der Geschichtswissenschaft viermal so hohe Zahl komme?

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"Meine Oma, mein Vater und andere Zeitzeugen haben mir von vollen Straßen vor dem Angriff und Leichenbergen nach der Bombennacht berichtet", sagte der gebürtige Sachse dem Nachrichtenmagazin.

Unmittelbar nach der Bombennacht war, durchaus zum Wohlgefallen der NS-Behörden, die Zahl von 100.000 Todesopfern aufgetaucht – ebenjene, auf die sich nun der AfD-Chef beruft. Die übertriebene Darstellung ist aber auch in der Jetztzeit keineswegs eine Erfindung des neuen AfD-Chefs: Seit jeher bemühen sich deutsche Rechtsextremisten, die Schrecken des NS-Regimes mittels erfundener deutscher Opferzahlen zu relativieren. Der britische Historiker David Irving, bei Neonazis eine Ikone, sprach in den 60er-Jahren gar von bis zu 250.000 Toten in Dresden.

"Erinnerungspolitische Wende"

Auf dem zentralen Dresdner Altmarkt hat die Partei, deren Rechtsaußen Björn Höcke einst vom Berliner Shoa-Mahnmal als einem "Denkmal der Schande" sprach und stets eine "erinnerungspolitische Wende um 180 Grad" einmahnt, einen Informationsstand aufgestellt, drastische Bilder von den Opfern der alliierten Bomben inklusive. Am Samstag wollen dann auch noch Neonazis durch die Stadt marschieren. Hunderte Menschen haben im vergangenen Jahr an dem "Gedenkmarsch" teilgenommen. (red, 13.2.2020)