Weil sie in einem Werbespot nahelegte, dass die Inspiration für Lakritz und lange Karenzzeiten aus dem Ausland kam, sieht sich die Fluglinie SAS mit Boykottaufrufen von Rechtspopulisten konfrontiert.

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Stockholm – Dänisches Gebäck kommt aus Österreich, schwedische Fleischbällchen aus der Türkei, Lakritz aus China und großzügige nordische Karenzregelungen aus der Schweiz: Es gibt nichts, was die Skandinavier nicht kopiert hätten. Wer das als heimisches Unternehmen behauptet, muss sich ungeachtet des möglichen Wahrheitsgehalts auf Kritik gefasst machen. Dass ihre Werbung, mit der sie skandinavische Kunden ins Ausland locken wollte, allerdings gleich einen Shitstorm auslöst, hatte die Airline SAS offenbar nicht erwartet.

Kahlzki

Rechte Politiker in Dänemark und in Schweden hatten sich massiv über den Spot echauffiert, berichtet die BBC. Ein Politiker der rechtspopulistischen Schwedendemokraten, Richard Jomshof, sprach von "Unsinn und Selbsthass". Bisher habe er immer versucht, nur mit der nationalen Fluglinie zu reisen, doch "das ist jetzt vorbei – das verspreche ich". Der außenpolitische Sprecher der rechtspopulistischen dänischen Volkspartei, Søren Espersen, sprach demnach gar von einem "schlechten Geschmack in meinem Mund", den eine weitere Reise mit der Fluglinie bei ihm verursachen würde. "Sie spucken uns an", fand er.

SAS zog den Werbespot daraufhin zurück – allerdings nicht, weil man sich nicht mehr mit dem kosmopolitischen Inhalt identifiziere, sondern "weil wir Leuten, deren Ansichten wir nicht teilen, keine Plattform bieten wollen". Die Fluglinie sehe in der Werbung keine Herabwürdigung der eigenen Leistungen. Man habe nur hervorheben wollen, dass Reisen Einzelne und Gesellschaften inspirieren könne, Gutes zu übernehmen. (red, 13.2.2020)