Nachhaltiger Umgang mit Geld wird von Experten der Schuldnerberatung ab kommender Woche auch an ausgewählten Wiener Berufsschulen und polytechnischen Schulen vermittelt. Themen sind aber auch praktisches Wissen über Konten, Zinsen, Kredite oder Finanzfallen.

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Wien – Einfache Onlinebestellungen, kontaktloses Bezahlen, auf den ersten Blick günstige Ratenkäufe oder Verträge für Handy, Tablets, Fitnesscenter und Co: Auch für junge Menschen gibt es mannigfaltige Möglichkeiten, schnell Geld auszugeben und sich tief in der Schuldenfalle wiederzufinden. Mit dem "Finanzführerschein" für Jugendliche an Berufsschulen und polytechnischen Schulen will Wien hier gegensteuern und praktisches Wissen über die Finanzwelt sowie nachhaltigen Umgang mit Geld vermitteln.

An dem Pilotprojekt nehmen ab kommender Woche 500 Jugendliche in 16 Schulen bis zum Sommer teil. Bis Ende des Jahres sollen zumindest 1.000 Schüler erreicht werden. Ähnliche Projekte gibt es bereits in Oberösterreich oder Salzburg.

Die Vermittlung erfolgt in der regulären Unterrichtszeit in fünf Modulen zu je zwei Unterrichtseinheiten durch Fachpersonal der städtischen Schuldnerberatung oder durch E-Learning unter Anleitung von Lehrkräften. Themen sind finanzielle Gefahren und Risiken, Verkaufstricks und persönliche Budgetpläne, aber auch Wissen um Konten, Kreditzinsen oder Versicherungen. Abgeschlossen wird mit einem Zertifikat.

An dem Projekt ist neben der städtischen Schuldnerberatung und der Bildungsdirektion auch die Arbeiterkammer beteiligt. Auf Kooperationen mit Banken oder ähnlichen Firmen habe man bewusst verzichtet, sagte Gudrun Steinmann, Leiterin der Finanzbildung in der Schuldnerberatung.

Ausdehnung des Projekts entscheidet sich im Sommer

Ob das Projekt ausgedehnt wird, entscheidet sich im Sommer. "Am Geld wird es nicht scheitern", sagte Stadtrat Peter Hacker (SPÖ). Insgesamt besuchen aktuell rund 25.000 Personen Berufsschulen und polytechnische Schulen in Wien. Was das Projekt kostet, wenn es an weitere Schulen ausgeweitet wird, steht demnach noch nicht fest. Eine Fortsetzung werde es aber "sicher" geben, sagte Hacker.

"Die Schule ist jener Ort, an dem junge Menschen fürs Leben lernen, da darf die Finanzwelt nicht fehlen", sagte Steinmann. Laut dem Wiener Bildungsdirektor Heinrich Himmer wird bei jungen Menschen im Alter von 14 bis 15 Jahren oft schon der Grundstein für Verschuldung gelegt. Daher setze das Projekt bei dieser Zielgruppe an.

Hacker betonte, dass man in Zeiten von Nullzinsen jungen Personen nicht so einfach das Sparen beibringen könne. Aber es sei wichtig darzustellen, was es heißt, wenn es drei oder vier Prozent Kreditzinsen zu bedienen gilt. (krud, 14.2.2020)