Nach seinem Rückzug gibt es zahlreiche Unterstützungserklärungen für Benjamin Griveaux.

Foto: AP / Michael Euler

Paris – Der am Freitag zurückgetretene Pariser Bürgermeister-Kandidat der französischen Präsidentenpartei (LREM) hat nach einem Eklat um private Videos, die ohne seine Einwilligung veröffentlicht worden waren, eine Strafanzeige eingereicht. Die Staatsanwaltschaft leitete eine Untersuchung ein, wie die Behörde am Samstag mitteilte. Benjamin Griveaux, ein Vertrauter von Staatspräsident Emmanuel Macron, hatte sich am Freitag aus dem Rennen um das Pariser Rathaus zurückgezogen.

Er stellte nun Anzeige wegen Verletzung der Privatsphäre. Eine Webseite hatte am Mittwochabend Screenshots von anzüglich erscheinenden Chatnachrichten veröffentlicht, die angeblich von Griveaux stammen. Außerdem zeigt sie kurze Videos, auf denen zu sehen ist, wie ein Mann masturbiert – es ist aber nicht zu erkennen, um wen es sich dabei handelt. Griveaux hatte am Freitag gesagt, eine Webseite und soziale Netzwerke hätten "abscheuliche Angriffe auf meine Privatsphäre verbreitet". Er wolle dies seiner Familie nicht länger zumuten. Er hatte in seiner Erklärung weder bestätigt noch bestritten, dass die Videos und Nachrichten von ihm sind.

Schwache Umfragedaten

Griveaux war im vergangenen Jahr als Macrons Regierungssprecher zurückgetreten, um Pariser Bürgermeister zu werden. In Umfragen hatte der 42-Jährige zuletzt eher schwach abgeschnitten.

Der russische Aktionskünstler Pjotr Pawlenski – er hatte einst seinen Hodensack auf dem Roten Platz in Moskau festgenagelt – hatte behauptet, die Videos verbreitet zu haben. Ob das stimmt, ist aber unsicher. Er wurde am Samstag in Polizeigewahrsam genommen und befragt. Hintergrund dieser Amtshandlung ist nach Angaben der Staatsanwaltschaft aber nicht die Affäre um Griveaux, sondern eine Untersuchung wegen Verdachts der Körperverletzung.

Die erste Runde der Kommunalwahlen findet am 15. März statt. Der Rückzug von Griveaux hatte in Paris ein Beben ausgelöst. Er erhielt von Parteien aus dem gesamten politischen Spektrum Unterstützung. Regierungssprecherin Sibeth Ndiaye sprach von einer "Kampagne der Niedertracht". In Umfragen liegt – wie schon vor Bekanntwerden der Affäre – Amtsinhaberin Anne Hidalgo sowohl in der ersten wie auch in einer wahrscheinlichen zweiten Wahlrunde knapp voran. (APA, red, 15.2.2020)