Bombardiers Zugsparte geht offenbar nach Frankreich.

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Paris – Der französische Zughersteller Alstom steht einem Insider zufolge kurz vor der Übernahme der Eisenbahnsparte des kanadischen Rivalen Bombardier. Eine Mitteilung dazu könnte es schon am Montag geben, sagte eine mit dem Vorhaben vertraute Person am Sonntag. Noch sei aber nichts unterschrieben. Die Sparte werde mit sieben Milliarden Dollar bewertet.

Spekulationen über eine solche Offerte hatte es bereits vor einigen Tagen gegeben. Der französische Sender BFM hatte berichtet, die Verhandlungen liefen schon seit Monaten, Bombardier habe seine Bücher für die Franzosen bereits geöffnet.

Flugzeugsparte schon bei Airbus

Bombardier braucht Geld. Die Zugsparte gilt als werthaltigster Teil des Konzerns, auch wenn sie mit operativen Schwierigkeiten kämpft, die das Unternehmen vor kurzem zu einer Gewinnwarnung gezwungen hatten. Über eine mögliche Zerschlagung der Montrealer Firma war bereits berichtet worden: Das Unternehmen aus Montreal kappte am vergangenen Donnerstag etwa schon die letzten Verbindungen zum kleinsten Airbus-Passagierflugzeugmodell A220, das von Bombardier als CS100 und CS300 entwickelt worden war.

Mit dem Verkauf der Zugsparte dem Traditionskonzern, der einst mit dem Bau von Schneemobilen begonnen hatte, nur der Bau von Geschäftsflugzeugen, die vor allem unter der Marke Learjet bekannt sind. Bombardier ächzt unter einem Schuldenberg von 9,7 Milliarden US-Dollar (rund 8,9 Milliarden Euro). Die Flugzeugteilesparte (Aerostructures) hatte der Konzern schon im Herbst für mehr als eine Milliarden Dollar an den Zulieferer Spirit Aerosystems abgegeben.

Werk in Wien mit 700 Beschäftigten

Bombardier betreibt auch ein Werk in Wien mit rund 700 Beschäftigten. Bombardier selbst nennt es sein "globales Kompetenzzentrum für Straßenbahnen und Leichtbahnen", in dem derzeit auch an einem Großauftrag für 116 Flexity-Straßenbahnen im Gesamtvolumen von 562 Millionen Euro für die Wiener Linien gearbeitet wird.

Bombardier hatte die vormaligen Lohnerwerke im Jahr 1970 erstanden. Es handelte sich um den ersten europäischen Produktionsstandort des kanadischen Konzerns. (APA, red, 16.2.2020)