Überschwemmungen in in Hay-on-Wye, Wales.

Foto: Reuters / Jonathan Sayce

London/Cardiff – Das zweite Wochenende in Folge hat ein schwerer Sturm Großbritannien heimgesucht und für Überschwemmungen, Verkehrschaos und Stromausfälle gesorgt. Hunderte Flüge wurden gestrichen, Soldaten mobilisiert, im Süden von Wales wurde wegen starker Regenfälle die höchste Warnstufe ausgerufen. Möglicherweise kamen vier Menschen wegen der Unwetter ums Leben.

Bis Sonntagmittag zählte das Umweltamt eine Rekordzahl von fast 600 Flutwarnungen. Sturm- und Flutwarnungen gab es vom Süden Schottlands bis Wales im Südwesten von England. In Aberdaron, im südlichen Wales, wurden Windgeschwindigkeiten von 150 Stundenkilometern gemessen. Wegen heftiger Regenfälle im Gefolge von Dennis rief der Wetterdienst für die Region die höchste Alarmstufe Rot aus, die Lebensgefahr bedeutet. In der Gegend fiel an einem Staudamm binnen 24 Stunden soviel Regen wie normalerweise in mehr als einem Monat.

230 Flüge gestrichen

Die Behörden appellierten an die Bewohner von Südwales, wachsam zu bleiben und sich gegen mögliche Überschwemmungen zu wappnen. Der Bahnverkehr wurde wegen überfluteter Gleise eingestellt. Im nordenglischen Yorkshire kamen Soldaten den Bewohnern zu Hilfe, die bereits am vergangenen Wochenende von den schweren Überschwemmungen im Gefolge von Ciara betroffen waren. Die schottische Umweltschutzbehörde (Sepa) rief alle Bewohner an der Grenze zwischen Schottland und England auf, sich vor Überschwemmungen in Sicherheit zu bringen. Weitere Dörfer im walisischen Bezirk Gwent wurden bereits evakuiert. Dort suchte die Polizei nach einem vermissten Mann.

British Airways und die Billigfluggesellschaft Easyjet strichen am Sonntag hunderte Flüge. Am Vortag hatte Easyjet bereits rund 230 Flüge annulliert. Mehrere Sportveranstaltungen wurden ebenfalls vorsorglich abgesagt.

Höhepunkt noch nicht erreicht

Vor der Südküste Englands wurden Samstag früh bei rauer See zwei Leichen geborgen. Bei einem der Toten handelt es sich womöglich um einen Mann, der Stunden zuvor von einem Tanker gefallen war. Im englischen Seebad Brighton suchten Polizisten nach einer jungen Frau, die Augenzeugen am Sonntag in der Früh am Strand auf dem Weg ins Wasser gesehen haben wollen.

Ein Mann stürzte im walisischen Ort Ystradgynlais in einen Fluss gestürzt und ertrank. Das Unwetter hatte den Süden dieses Landesteils besonders hart getroffen. Menschen mussten mit Booten und Hubschraubern vor den Wassermassen aus Häusern gerettet werden.

Die britische Meteorologiebehörde warnte, der Höhepunkt des Unwetters und der Überschwemmungen werde erst am Montag oder Dienstag erreicht. Das britische Rote Kreuz mahnte, die Bevölkerung solle sich "auf das Schlimmste" gefasst machen.

Auch im Norden Frankreichs wirkte sich das Unwetter aus. In rund 60.000 Haushalten fiel am Sonntagabend der Strom aus, wie der Netzbetreiber Enedis mitteilte. Betroffen seien insbesondere die Bretagne, die Loire-Region und die Normandie. Die Feuerwehr in der Region rückte wegen Sturmschäden zu hunderten Einsätzen aus. (APA, 16.2.2020)