US-Präsident Donald Trump und Ehefrau Melania bei der Eröffnung des Rennens.

Foto: Reuters / USA Today Sports

Später folgte die Ehrenrunde mit der Präsidentenlimousine.

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Daytona – US-Präsident Donald Trump hat in seiner Kampagne für die Wiederwahl im November 2020 ein Heimspiel absolviert. Er eröffnete am Sonntag beim 500-Meilen-Rennen in Daytona die Saison der Nascar-Cup-Rennserie und ließ sich von Teammitgliedern und Publikum bejubeln. Zahlreiche Besucher auf den Tribünen riefen ihm das Motto aller um Wiederwahl kämpfenden US-Präsidenten entgegen: "Four more years!" Anschließend wartete Trump noch mit einem Novum auf: Er drehte vor dem Start des Rennens mit den Fahrern gemeinsam eine Ehrenrunde um den 3,5 Meilen langen Superspeedway – in seiner Präsidentenlimousine.

Die Wahlkampagne des Präsidenten war bei der Nascar auch sonst omnipräsent. Sie ließ Flugzeuge mit einem Werbebanner rund um das Tri-Oval im Nordosten Floridas aufsteigen, auch Werbespots waren zu Beginn der TV-Übertragung kaum zu verfehlen. Ob das wahltaktisch sinnvoll ist, bleibt freilich offen: Innerhalb der Nascar-Fangemeinde wird es für Trump wohl wenig zu gewinnen geben, da hier die Unterstützer demokratischer Kandidatinnen oder Kandidaten ohnehin spärlich gesät sind.

Nur ein kurzer Spaß

Zwar hatte die einstige Südstaaten-Rennserie im vergangenen Jahrzehnt eine vorsichtige Öffnung versucht und etwa gezielt Fahrer aus Minderheiten-Communitys und Frauen gefördert. Seit vor einigen Jahren ein Rückgang der TV-Quoten eingesetzt hatte, wendet man sich aber wieder stärker traditionellen – also weit rechtsgerichteten – Fanschichten zu. Nascar-Chef Brian France hatte schon im republikanischen Vorwahlkampf 2016 öffentlich für Trump Position bezogen. Immer wieder finden sich Fans mit der Südstaatenflagge an den Rennstrecken ein, die an die einstiegen Konföderierten Staaten von Amerika erinnert. Diese ist, weil sie positiv auf die Sklaverei Bezug nimmt, ein rassistisches Symbol. Kritische Stimmen sind selten, als der Fan-Favorit Dale Earnhardt Jr. 2017 Stellung gegen Trump bezog, musste er sich mit lang anhaltender Kritik auseinandersetzen.

Trump bedankte sich am Sonntag seinerseits mit massiver Werbung für die Rennserie. Er würde am liebsten selbst in eines der Autos einsteigen und um den Kurs fahren, so Trump in einem TV-Interview. Wenig später rief er gemeinsam mit Frau Melania die traditionellen Worte zum Start des Rennens: "Gentlemen, start your engines!".

Das Rennen selbst stand dennoch vorerst unter keinem guten Stern: Nach nur 20 der geplanten 200 Runden begann in Daytona Beach Regen zu fallen. Die Rennserie, die bei Regen wegen der hohen Geschwindigkeiten in den Steilkurven nicht fahren kann, stoppte die Veranstaltung vorerst mit roter Flagge. Wann und ob es am Sonntag noch weitergehen würde, war ungewiss – dass eine Fortsetzung erst am Montagabend, und dann ohne Trump, angesetzt würde, schien aber zumindest möglich. In Führung lag zum Zeitpunkt des Abbruchs Ricky Stenhouse Jr. vor Vorvorjahresmeister Joey Logano und Aric Almirola. Angesichts der oft äußerst wechselhaften Rennen auf den Nascar-Superspeedways hat dieses Zwischenergebnis aber nur wenig Aussagekraft. (mesc, 16.2.2020)