In einem Krankenhaus in Hubei werden die Patienten versorgt.

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Peking – China verzichtet wegen der Coronavirus-Epidemie ab dem kommenden Monat auf Zölle auf Medizinprodukte aus den USA. Die Ausnahmen sollen ab 2. März gelten, gab die Regierung bekannt. Darunter fallen nach Angaben der Zollbehörden etwa Instrumente zur Blutdruckmessung, Monitore zur Überwachung von Patienten oder Ausrüstung für Bluttransfusionen.

Der Bedarf an medizinischer Ausrüstung in China ist hoch: Nach Angaben der Regierung wurden seit Montag weitere 1.886 Infektionen verzeichnet, die allermeisten davon in Hubei. Allerdings handelte es sich um die geringste Zahl neuer Infektionen innerhalb eines Tages in diesem Monat. Mittlerweile haben sich mehr als 72.000 Menschen infiziert.

Hinzu kommt, dass 98 weitere Menschen in China an der Infektion gestorben sind. Nach offiziellen Angaben sind damit insgesamt fast 1.900 Menschen an dem Coronavirus gestorben. 93 der neuen Todesopfer wurden in Hubei verzeichnet, von der die Epidemie im Dezember ihren Ausgang genommen hatte. Die Behörden haben die Provinz weitgehend von der Außenwelt abgeschottet.

Stabilisierung im April

Die Epidemie wird sich nach Einschätzung eines führenden chinesischen Fachmanns möglicherweise erst Ende April stabilisieren. "Das ist eine sehr grobe Schätzung", sagte Zhong Nanshan, Chef der Expertengruppe der chinesischen Regierung. Mit einem Höhepunkt des Ausbruchs im ganzen Land sei voraussichtlich bis Ende Februar zu rechnen.

"Den Höchststand zu erreichen, bedeutet aber nicht den Wendepunkt", mahnte der renommierte Mediziner zur Vorsicht. Er meint allerdings, dass die radikalen Maßnahmen in China zur Eindämmung des Sars-CoV-2 genannten neuen Coronavirus wirkten. Durch die jetzt laufende Rückreisewelle von Wanderarbeitern nach den wegen des Virus verlängerten Ferien zum chinesischen Neujahrsfest erwarte er "möglicherweise keinen großen Anstieg".

Krankenhauschef gestorben

Zum ersten Mal ist in China ein Krankenhauschef der neuen Lungenkrankheit zum Opfer gefallen. Liu Zhiming, der Direktor des Wuchang-Krankenhauses in Wuhan, sei am Montag gestorben, berichtete die Nachrichtenagentur China News am Dienstag.

Ein Kollege berichtete demnach, der Chefarzt sei in gutem Gesundheitszustand gewesen und habe selbst nicht erwartet, dass er an der Covid-19-Lungenkrankheit sterben würde. Am Freitag war schon eine 59-jährige Krankenschwester desselben Spitals daran gestorben.

14 US-Bürger von Kreuzfahrtschiff betroffen

In den USA trafen unterdessen 338 US-Bürger ein, die von Bord des in Japan wegen des Coronavirus unter Quarantäne stehenden Kreuzfahrtschiffs Diamond Princess geholt worden waren. Zwei Maschinen mit den Ausgeflogenen landeten auf der kalifornischen Luftwaffenbasis Travis und dem texanischen Stützpunkt San Antonio-Lackland.

Nach Angaben des US-Außenministeriums sind unter den Heimkehrern 14 Menschen, die mit dem neuartigen Virus infiziert sind. Sie wurden in den Flugzeugen von den anderen Passagieren getrennt. 13 der 14 Infizierten wurden nach Angaben von US-Behördenmitarbeitern als Hochrisikofälle eingestuft. Sie wurden für weitere Tests und zur Behandlung zu einem medizinischen Zentrum der Universität von Nebraska weitergeflogen.

Alle in die USA zurückgeholten Menschen von Bord der Diamond Princess müssen zwei Wochen unter Quarantäne verbringen. Weitere rund 40 US-Bürger von Bord des Kreuzfahrtschiffs werden derzeit in japanischen Krankenhäusern wegen Infektion mit dem Virus behandelt. Unter den mehr als 3.700 Menschen, die mit der Diamond Princess nach Japan gereist waren, wurden inzwischen insgesamt 454 positiv auf das Virus getestet.

Westerdam-Reisende warten noch auf Testergebnisse

Die auf dem Kreuzfahrtschiff Westerdam in Kambodscha gestrandeten rund 1.000 Menschen müssen sich hingegen noch in Geduld üben. Die Coronavirus-Testergebnisse lagen am Dienstag noch nicht für alle vor. Bis alles geklärt sei, werde es wahrscheinlich einige Tage dauern, teilte die Holland America Line am Montag mit.

Am Wochenende war überraschend bei einer Passagierin auf der Heimreise ein Test auf das Coronavirus positiv ausgefallen. Viele hatten da schon das Schiff verlassen. Nun müssen laut Reederei dort noch 255 Passagiere und 747 Crewmitglieder auf eine Klärung warten.

Mehrere asiatische Länder hatten dem Kreuzfahrtschiff aus Sorge vor einer möglichen Einschleppung des Virus das Anlegen untersagt. Erst Kambodscha stimmte dem schließlich zu. (APA, red, 18.2.2020)