Der Name MV Alta klingt zwar weniger mysteriös als Black Pearl, dennoch hat der Frachter eine spannende Geschichte.

Foto: AP/Irish Coast Guard

Dublin – Üblicherweise tauchen Geisterschiffe in aufwendigen Hollywood-Produktionen wie "Fluch der Karibik" auf. Doch nun schreibt Irland ein eigenes kleines Stück Geisterschiff-Geschichte. Ein 77 Meter langes Frachtschiff, das vor fast eineinhalb Jahren evakuiert wurde, ist an der irischen Küste gestrandet.

Es wurde in Ballycotton unweit Corks im Süden der Insel entdeckt, wie die irische Küstenwache mitteilte. Die zehn Besatzungsmitglieder seien schon im September 2018 von der US-Küstenwache gerettet worden. Laut einem Bericht des "Irish Examiner" trieb der Sturm Dennis, der die Britischen Inseln am Wochenende heimsuchte, die MV Alta an die Küste. Entdeckt wurde sie von einem Jogger.

2.000 Kilometer südöstlich von Bermuda

Zum Zeitpunkt seiner Evakuierung 2018 befand sich das unter tansanischer Flagge fahrende Schiff laut früheren Berichten gut 2.000 Kilometer südöstlich von Bermuda. Es war demnach auf dem Weg von Griechenland nach Haiti wegen technischer Probleme manövrierunfähig geworden. Zum Zeitpunkt der Rettung verweilte die Crew bereits drei Wochen auf dem Schiff. Nahrungs- sowie Wasserbestände näherten sich einem Ende. Zuletzt wurde es im vorigen Jahr in der Mitte des Atlantiks gesichtet.

Das Schiff wurde in den 1970er-Jahren gebaut und hatte dem Medienbericht zufolge seither sechs verschiedene Eigentümer. Alle sechs weisen die Verantwortung für den Frachter von sich.

Herausforderung für Behörden

Für die irischen Behörden wird das Schiff nun zur Herausforderung. Denn was mit dem Wrack jetzt passiert, ist den Berichten zufolge noch unklar. Experten wollen aber offenbar in erstere Linie klären, ob bzw. wie stark der Frachter beschädigt ist.

"Ich habe noch nie so ein großes Schiff stranden sehen. Das ist sehr selten", sagt ein Manager der irischen Seerrettung. Es sei überdies fast ein Wunder, dass keiner der lokalen Fischer das Schiff entdeckte, bevor es an die Küste getrieben wurde.

Hochwasser-Risiko wegen Dennis

Das Hochwasser-Risiko in Großbritannien wird nach Experten-Ansicht noch Tage bestehen bleiben. Mehr als 1.000 Menschen mussten bereits ihre Häuser verlassen, viele Straßen und Bahnstrecken waren gesperrt. Die Polizei entdeckte am Montag die Leiche einer 55-Jährigen, die am Vortag mit dem Auto nahe Tenbury Wells in der Grafschaft Worcestershire in die Wassermassen geraten war. Der Sturm hatte am Wochenende enorme Regenmengen mitgebracht. In einigen Regionen regnete es an einem Tag so viel wie sonst im Monatsdurchschnitt.

Besonders betroffen war der Süden von Wales, wo viele Menschen mit Booten in Sicherheit gebracht wurden. Da erst eine Woche zuvor ein anderer Sturm mit viel Regen durch das Land gezogen war, waren die Böden schon gefährlich aufgeweicht. Es gab Hunderte Hochwasser-Warnungen. Dennis war mit einer Spitzengeschwindigkeit von mehr als 140 Stundenkilometern über das Land gefegt. (APA, red, 18.2.2020)