Laut den derzeit vorliegenden Daten überleben mindestens 97,7 Prozent der Erkrankten eine Covid-19-Infektion.

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Das Chinese Center for Disease Control and Prevention (CCDC) hat nun einen ersten umfassenden Bericht zur Covid-19-Epidemie veröffentlicht. Darin wurde die Anzahl der Infektionen nach dem Datum des Auftretens erster Symptome sortiert, um den zeitlichen Verlauf der Epidemie abschätzen zu können.

In die Analyse flossen die Daten von insgesamt 72.314 Patientenakten ein. Konkret handelte es sich um 44.672 bestätigte Erkrankungsfälle (61,8 Prozent), 16.186 Verdachtsfälle (22,4 Prozent), 10.567 klinisch diagnostizierte Fälle (14,6 Prozent; nur Provinz Hubei) und 889 asymptomatische Fälle (1,2 Prozent).

Die Patienten der bestätigten Fälle waren überwiegend 30 bis 79 Jahre (86,6 Prozent) alt, rund 75 Prozent wurden in Hubei diagnostiziert. Großteils handelte es sich um milde Verlaufsformen von Covid-19 (80,9 Prozent), 13,8 Prozent der Fälle wurden als schwer und 4,7 Prozent der Infektionen als lebensgefährlich eingestuft.

Dunkelziffer vermutlich sehr hoch

Insgesamt traten bis zum 11. Februar 1.023 Todesfälle unter den bestätigten Fällen auf – das würde einer Gesamtsterblichkeitsrate von 2,3 Prozent entsprechen, wobei hier nicht bestätigte infizierte Fälle nicht einberechnet sind. Das höchste Sterberisiko bei einer Infektion haben der Studie zufolge Menschen mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen, gefolgt von Diabetikern, Menschen mit chronischen Atemwegserkrankungen und Bluthochdruck. Unter Kindern bis zum Alter von neun Jahren gab es laut Analyse bisher keine Todesfälle, bis zum Alter von 39 Jahren sei die Todesrate mit 0,2 Prozent sehr gering.

Mehr als ein Drittel (37 Prozent) der in der Analyse enthaltenen Fälle wurde den Studienautoren zufolge nicht durch Nukleinsäuretests (RT-PCR) bestätigt, wie es die Falldefinition der Weltgesundheitsorganisation (WHO) erfordert. Das heißt, auf dem chinesischen Festland werden vor allem jene Fälle gezählt, bei denen Patienten bereits Symptome von Covid-19 zeigen. Die WHO empfiehlt hingegen, PCR-positive Fälle auch dann als bestätigt zu zählen, wenn der Patient (noch) keine Symptome zeigt. "Außerdem kommt hinzu, dass die Dunkelziffer der Covid-19-Patienten in der Region Hubei vermutlich sehr hoch ist. Wer geht denn jetzt noch ins Krankenhaus zum Arzt, wenn er Angst hat, unter Quarantäne steht und die Wohnung ohnehin nur schwer verlassen kann?", betont der Infektiologe Clemens Wendtner von der München-Klinik Schwabing.

Verlauf der Epidemie

Das neuartige Coronavirus mit dem Namen Sars-CoV-2 breitete sich im Dezember 2019 von der Provinz Hubei aus, bis zum 11. Februar 2020 waren 1.386 Bezirke in allen 31 chinesischen Provinzen betroffen. Insgesamt sind 1.716 Gesundheitsarbeiter an Covid-19 erkrankt (0,3 Prozent), fünf davon starben. Die Kurve des Ausbruchs der Epidemie erreichte laut den Studienautoren den Höhepunkt um den 23. bis 26. Januar 2020 und begann ab dann bis zum 11. Februar abzunehmen.

"Zunächst erscheint die epidemiologische Kurve der sinkenden Anzahl von bestätigten Diagnosen ermutigend. Aber als Kliniker hege ich noch Zweifel, ob es sich dabei schon um die erhoffte Trendwende handelt. Nach Berichten aus China hat dort ja zeitweise die Verfügbarkeit der Nachweisdiagnostik (RT-PCR) abgenommen, sodass ich hinter diese Meldezahlen der PCR-bestätigten Fälle zumindest in Hubei ein Fragezeichen setzen würde. Dort wurden sicher nicht alle Erkrankten diagnostiziert", gibt Wendtner zu bedenken.

Die Epidemie in China wird sich nach Einschätzung eines führenden chinesischen Fachmanns möglicherweise erst Ende April stabilisieren. "Das ist eine sehr grobe Schätzung", sagte Zhong Nanshan, Chef der Expertengruppe der chinesischen Regierung. Mit einem Höhepunkt des Ausbruchs im ganzen Land sei voraussichtlich bis Ende Februar zu rechnen.

Übertragungsweg Toilette

Was den Übertragungsweg von Covid-19 betrifft, gibt es neue Erkenntnisse, die aus den Patientenzimmern in der München-Klinik Schwabing gewonnen wurden. Obwohl diese Isolierzimmer unter ständigem Unterdruck stehen und die Luft im Raum über Hepa-Filter, sogenannte Schwebstofffilter, gereinigt wird, konnte in ersten Analysen in den Räumen infizierter Patienten Sars-CoV-2 nachgewiesen werden.

"Ein bisher unterschätztes Risiko ist womöglich zudem, dass wir auch in Stuhlproben der Patienten per PCR-Diagnostik durchaus relevante Mengen von Sars-CoV-2 nachweisen konnten", sagt Clemens Wendtner. Demnach wäre es denkbar, dass es über Toiletten, die infizierte Menschen benutzt haben, zu Infektionen kommen kann. (red, 19.2.2020)