Japan zählt mit rund 400 Menschen die meisten Covid-19-Infizierten außerhalb Chinas. Im Land der aufgehenden Sonne verdunkelt das Virus den wirtschaftlichen Ausblick.
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Das Coronavirus – oder, wie es die Weltgesundheitsorganisation getauft hat, Covid-19 – treibt weiter sein Unwesen in der globalen Wirtschaft. Inzwischen sind weltweit 72.000 Menschen infiziert.

Apple kippt Umsatzprognose

Der Tech-Konzern Apple sah sich etwa gezwungen, seine Umsatzprognosen zu kippen. Die Produktion laufe zwar wieder an, allerdings langsamer als gedacht, so der Milliardenkonzern am Dienstag. Apple ist stark abhängig von chinesischen Zulieferern. Der wichtigste dieser – Foxconn – widersprach am Dienstag Berichten, die davon ausgingen, man hätte wieder 50 Prozent des ursprünglichen Produktionsniveaus erreicht. Konzernchef Tim Cook versprach, dass man an Alternativen im Liefernetzwerk arbeite.

Covid-19 hat das Apple-Universum entdeckt.
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Das Wachstum des iPhone-Konzerns hatte sich in den letzten Jahren stark auf die steigende Nachfrage aus China gestützt. Jetzt, wo die Angst vor dem Virus die chinesischen Geldbörsen verschlossen hält, ist die Nachfrage nach Apple-Produkten eingebrochen. Die Apple-Stores im Fernen Osten sind noch immer geschlossen.

Investoren werden pessimistischer

In der Eurozone werden die Investoren aufgrund des Virus misstrauisch. Der ZEW-Index, der die Konjunkturerwartungen der Anleger wiedergibt, fiel von 15,2 auf 10,4 Punkte, in Deutschland gar von 18 auf 8,7 Punkte. Das sei zwar noch immer in der positiven Zone, schließt ein Bericht des Oxford-Economics-Instituts, aber: Der Rückgang spiegle die Angst der Anleger vor Corona, Handelsstreit und Co wider. Die Investoren würden die momentane Phase als Übergangsperiode sehen, in der die Rezession der europäischen Wirtschaft aufgeschoben, aber nicht aufgehoben sei.

Japan vor Rezession

In Japan könnte Covid-19 gleich die gesamte Wirtschaft mit in den Abgrund reißen. Das Bruttoinlandsprodukt der drittgrößten Volkswirtschaft der Welt schrumpfte im letzten Quartal 2019 aufgrund einer Erhöhung der Mehrwertsteuern um 1,6 Prozent – die schlimmste Korrektur seit 2014. Im Vergleich zum Vorjahr ist das ein Minus von 8,6 Prozent.

Am Mittwoch sollen weitere Passagiere von dem in Yokohama unter Quarantäne gestellten Kreuzfahrtschiff "Diamond Princess" evakuiert werden.
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Nun befeuert das Virus die Angst vor einer Rezession: China ist Japans größter Handelspartner und schwächelt als Exportnachfrager und Lieferant. Die japanische Wirtschaft erfreute sich in der Vergangenheit zudem immer eines Ansturms chinesischer Touristen, die über die Neujahrsfeiertage auf die Insel reisten. Der Zustrom blieb dieses Jahr aus: Die chinesische Regierung hat ein Reiseverbot verhängt. In den vergangenen Wochen herrschte bei den Touristenhotspots in Tokio fast schon gespenstische Stille.

Waren die Anleger im Nikkei-Index am Montag noch unschlüssig, wie sie auf die drohende Rezession reagieren sollten, fiel er am Dienstag zwischenzeitlich um 1,4 Prozent ab.

Massenentlassungen in China

In China schürt das Virus unterdessen die Angst vor Massenentlassungen. Die Infektionskrankheit trifft die chinesische Wirtschaft hart: Zahlreiche Fabriken wurden geschlossen, die Nachfrage bricht ein. Schon jetzt haben viele Unternehmen aufgrund der ausbleibenden Aufträge mit Liquiditätsproblemen zu kämpfen und mussten Mitarbeiter entlassen.

Bald Schicht im Schacht? Viele Chinesen fürchten um ihren Job.
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"Es könnte große Entlassungen geben", warnt daher Wang Jun, Chefökonom der Zhongyuanbank in Peking. Er zieht bereits Vergleiche mit der Finanzkrise von 2008/09, als 20 Millionen chinesische Wanderarbeiter ihre Arbeit verloren. Der rasche Anstieg der Arbeitslosigkeit könnte die stabilitätsversessene chinesische Führung vor zusätzliche Herausforderungen stellen. (APA, Reuters, tk, 19.2.2020)