Nicolay Baublies ist für viele Lufthansa-Manager ein rotes Tuch. Der frühere Kabinenchef (Purser) wurde gekündigt. Doch bei der Kabinengewerkschaft Ufo blieb Baublies weiter die treibende Kraft.

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Frankfurt/Wien – Der frühere Chef der deutschen Kabinengewerkschaft Ufo, Nicoley Baublies, bleibt Beschäftigter der Lufthansa. Das Arbeitsgericht Frankfurt hat am Mittwoch insgesamt acht Kündigungen des Unternehmens gegen den Gewerkschaftsfunktionär für ungültig erklärt. Die deutsche AUA-Mutter Lufthansa wurde zudem dazu verurteilt, Baublies bis zum Abschluss des Rechtsstreits weiterzubeschäftigen.

Baublies hatte seit 2004 zunächst als Flugbegleiter und später als Kabinenchef (Purser) bei der Lufthansa gearbeitet. Unter Einbeziehung einer vorausgegangenen Schulung war er zum Zeitpunkt der Kündigung im September 2019 bereits länger als 15 Jahre im Unternehmen und damit ordentlich unkündbar, stellte die vorsitzende Richterin fest. Für die ebenfalls ausgesprochenen außerordentlichen Kündigungen habe es der Lufthansa an Gründen gefehlt. Das Unternehmen hatte vergeblich moniert, dass Baublies seine gewerkschaftliche Arbeit nicht als Nebentätigkeit angemeldet habe.

Baublies hatte es zum Verhandlungsauftakt abgelehnt, sich von dem Gericht einen Vergleichsvorschlag vorlegen zu lassen. Man sehe darin keinen Sinn, weil mit Lufthansa bereits in einem außergerichtlichen Verfahren zwei Tage lang ergebnislos über diese Problematik gesprochen worden sei, erklärte Baublies' Anwalt.

Schlichtungsvereinbarung getroffen

Die Lufthansa und Ufo haben Ende Jänner eine umfassende Schlichtungs- und Moderationsvereinbarung getroffen, mit der sämtliche Konflikte zwischen den Parteien beigelegt werden sollen – unter anderem die Kündigung gegen Baublies. Zu möglichen Folgen des aktuellen Urteils auf das gesamte Verfahren wollten sich beide Seiten nicht äußern. Man müsse die schriftliche Begründung abwarten, sagte eine Lufthansa-Sprecherin.

Der umtriebige Funktionär Baublies hatte 2015 den längsten Streik der Flugbegleiter in der Geschichte der Lufthansa organisiert und als Kompromiss einen der teuersten und kompliziertesten Tarifverträge seit Bestehen der Airline ausgehandelt. Das hat deren Lufthansa-Vorstand unter Carsten Spohr wohl nie so ganz verwunden. In den vergangenen Monaten sah Baublies sich unter anderem mit finanziellen Rückforderungen, diversen Abmahnungen und der Aufforderung zu einem Drogentest konfrontiert.

Ufo hatte im Vorjahr dreimal zu Streiks aufgerufen. Die Lufthansa und deutsche Tochter-Airlines mussten viele Flüge streichen. Davon waren auch Wien-Verbindungen betroffen. Um an den Verhandlungstisch zu kommen, hatte sich die Lufthansa zuletzt bereiterklärt, die nichttariflichen Themen in einer Mediation zu lösen. (dpa, cr, 19.2.2020)