Mittlerweile befindet sich in jedem dritten Gründungsteam mindestens eine Frau.

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Wien – Knapp 90.000 Menschen in Österreich haben bisher das Klimavolksbegehren unterschrieben. Durchaus ein Zeichen dafür, dass zumindest das Bewusstsein für Umweltschutz und Nachhaltigkeit in der Bevölkerung zunimmt. Das spiegelt sich auch in der heimischen Start-up-Szene wider. Fast die Hälfte – 46 Prozent – der österreichischen Start-ups verfolgt mit der eigenen Geschäftsidee ökologische und soziale Ziele. Das entspricht einem Anstieg von 19 Prozent, wie der am Donnerstag erschienene Austrian Startup Monitor zeigt. Nachhaltigkeit stehe im Fokus bei vielen Produkten und Dienstleistungen.

Beim Austrian Startup Monitor handelt es sich um eine Studie, für die in Zusammenarbeit mit dem Austrian Institute of Technology (AIT), der Start-up-Dachplattform Austrian Startups und dem Gründungszentrum der Wirtschaftsuniversität Wien mehr als 700 Gründer zu Status, Perspektiven und Umfeld befragt wurden.

Diversität nimmt zu

Dass der Frauenanteil in der Start-up-Branche gering ist, hat sich mittlerweile zu einer Binsenweisheit der Innovationsszene entwickelt. Dennoch nimmt die Frauenquote allmählich etwas zu. Der Anteil der Gründerinnen stieg verglichen zu 2018 von zwölf auf 18 Prozent. "Diese Entwicklung ist sehr wichtig für Österreich. Überdies zeigen internationale Studien, dass diverse Teams erfolgreicher sind", sagt Austrian-Startups-Geschäftsführer und Mitautor der Studie Markus Raunig. Überdies hätte mittlerweile jedes dritte Start-up zumindest eine Frau im Gründungsteam. Generell entschließen sich immer mehr Frauen dazu, ein eigenes Unternehmen zu gründen. Mit rund 45 Prozent wurde hier 2019 ein Rekordwert erzielt, und dabei wurde der Anteil der selbstständigen Pflegerinnen nicht eingerechnet.

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Jährlich grüßt das Mitarbeiterproblem

Beim Thema Mitarbeiter sehen die Ergebnisse recht ähnlich aus wie in den Jahren zuvor. Rund 90 Prozent der aktiven Start-ups planen, im kommenden Jahr neue Mitarbeiter einzustellen. Der Wille ist das eine, die Umsetzung das andere. Denn nach wie vor klagen Gründer, Schwierigkeiten zu haben, passende Mitarbeiter zu finden. Ein einfach zu erklärendes Problem: Einerseits ist rund ein Drittel der Start-ups im IT-Sektor tätig, und auch Konzerne stöhnen hierzulande beim Versuch, passende Angestellte zu finden. Andererseits zieht sich das Stichwort Fachkräftemangel durch die gesamte österreichische Wirtschaft.

Hochgerechnet auf die Gesamtzahl der österreichischen Start-ups sollen demnach rund 7.500 neue Arbeitsplätze geschaffen werden, heißt es im Monitor. In Summe arbeiten rund 17.500 Menschen im Start-up-Sektor, und im Schnitt beschäftigt jedes der jungen Unternehmen 9,4 Mitarbeiter.

Skepsis gegenüber Politik

"Die Botschaft hör ich wohl, allein mir fehlt der Glaube" – so oder so ähnlich geht es vielen Gründern in Bezug auf die Politik. Zwar finden sich im türkis-grünen Regierungsprogramm ein paar Punkte, die Start-ups das Leben erleichtern sollen, doch glaubt nur jeder sechste Gründer daran, dass die Regierung ernstzunehmendes Interesse daran hat, die Szene zu unterstützen. In der Vorgängerstudie war es noch jeder Achte. Fairerweise muss an dieser Stelle erwähnt sein, dass Österreich während der Befragungen im Vorjahr über weite Strecken eine Übergangsregierung hatte. Senkung der Lohnnebenkosten, bessere Anreize für Risikokapital und Abbau von bürokratischen Hürden lauten die dringendsten Wünsche.

Im Regierungsprogramm ist vorgesehen: Es soll eine neue Kapitalgesellschaftsform geben, die genaue Ausgestaltung fehlt aber noch. Das GmbH-Mindeststammkapital soll auf 10.000 Euro gesenkt werden. "Wir haben uns im Regierungsprogramm für eine Mitarbeiterbeteiligung eingesetzt. Es geht dabei um eine steuerfreie Gewinnausschüttung, die für Start-ups ein wichtiger Ansatzpunkt sind", sagt Wirtschaftsministerin Maragarete Schramböck (ÖVP) bei der Präsentation des Monitors. Außerdem werde man sich weiterhin für leichtere Rahmenbedingungen bei der Unternehmensgründung einsetzen.

Überlebensrate

Seit 2008 wurden in Österreich rund 2.300 Start-ups gegründet. Das entspricht einem Zuwachs von zwölf Prozent pro Jahr. Bei klassischen Unternehmensgründungen liegt das jährliche Wachstum bei rund drei Prozent.

In etwa 80 Prozent der Start-ups, die im Zeitraum zwischen 2008 und 2010 gegründet wurden, sind nach wie vor aktiv. Zwölf Prozent schlitterten in die Zahlungsunfähigkeit, sechs Prozent wurden verkauft oder fusioniert. Die übrigen zwei Prozent existieren zwar noch rechtlich, sind aber nicht mehr tätig. (Andreas Danzer, 20.2.2020)