Sophie Grau und Iris Klopfer sind das erste reine Frauenpaar, das den Opernball eröffnet.

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Für Operndirektor Dominique Meyer und Ballchefin Maria Großbauer ist es der letzte Ball, den sie organisiert haben.

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Richard Lugner und Ornella Muti gehen gemeinsam.

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Es gibt Ungemach. Für einen richtigen Streit brauchte es wohl eine Reaktion. Doch Maria Großbauer, ÖVP-Nationalratsabgeordnete und ehrenamtliche Organisatorin des Opernballs, hält sich zurück.

Es begann so: Eigentlich, das verkündete die Ehefrau der ersten Geige bei den Philharmonikern, wollte sie sowieso von Beginn vor allem Direktor Dominique Meyer unterstützen. Weil es ebendiesen nach Italien an die Mailänder Scala verschlägt, ist dieser Opernball auch Großbauers letzter, wie sie vor einigen Wochen verkündete. Es hätte so einfach hingenommen werden können – es wurde aber nicht. Es ist schließlich der Ball der Bälle, und der kommt schlecht ohne Skandal aus.

Es folgten: Gerüchte und Getuschel, dass nach nur drei Jahren ein weiterer Wechsel an der Organisationsspitze dazu geführt habe, dass die "Ballmutti" abgeschafft und durch ein Komitee ersetzt werde. Auf Anfrage des STANDARD heißt es aus der Wiener Oper lediglich, man wolle den anstehenden Direktorenwechsel abwarten. Bogdan Roščić, österreichischer Musikmanager, folgt Meyer im Herbst als Oberhaupt der Oper.

Es geht weiter: Christian W. Mucha ist ein österreichischer Verleger, der den Opernball mag und auch gern seine Meinung sagt. Laut Mucha ist an der Idee, ein Komitee den Ball ausrichten zu lassen, Großbauer schuld – sie ging laut Mucha gar nicht. "So ähnlich stelle ich mir die Kommunikation mit Kim Kardashian, Hillary Clinton oder Anna Netrebko vor ...", schrieb der Verleger.

Großbauer wiederum kommentierte diese Aussagen nicht.

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Frauen im Frack

Schließlich war da ein weiterer "Skandal", der auf die Ballorganisatorin zurückgeht. Großbauer wird zu später Stunde das Kleid ablegen. Das bedeutet aber nicht, dass die Nationalratsabgeordnete nackt sein wird. Viel schlimmer: Großbauer wird sich mit einem Ständchen als Opernballchefin verabschieden und dabei einen Frack tragen. Der ist laut Kleiderordnung jedoch eigentlich nur Männern vorbehalten.

Wobei Großbauer am Donnerstag nicht die einzige Frau sein wird, die statt Kleid Frack trägt. Sophie Grau tut es ihr gleich. Und das wurde gar von der Oper so gewünscht.

Erstmals eröffnet Frauenpaar

Wer Grau ist? Sie ist die eine Hälfte des ersten gleichgeschlechtlichen Debütantinnenpaares, das den Staatsball eröffnet. Und bei der Eröffnung steht eines für die Oper an oberster Stelle: Das schwarz-weiße Schachbrettmuster des Jungdamen-und-Jungherren-Komitees muss eingehalten werden. "Im Kontext einer recht strengen Kleidervorschrift fühle ich mich in maskuliner Kleidung wohler", sagt Grau dem STANDARD. Ihre Tanzpartnerin, die 22-jährige Iris Klopfer, bevorzuge hingegen das weiße Ballkleid. Das heißt aber nicht, dass Grau in puncto Geschenke leer ausgeht: "Wir haben bereits beschlossen, dass die Tiara und Manschettenknöpfe in den Gemeinschaftsbesitz übergehen, damit wir sie beide benutzen können."

Dass die beiden Frauen aus Deutschland so viel Medieninteresse erhalten, damit hätten sie vorab nicht gerechnet. Nun freuen sie sich "wenn der Trubel vorbei ist", sagt Grau. Ihr Auftritt sei aber "ein Schritt in die richtige Richtung, und wir hoffen, dass sich in Zukunft auch Paare in anderen Konstellationen bewerben können, ohne so nah und gesondert betrachtet zu werden", sagt die 21-Jährige.

Lugners Frauenproblem

Genau betrachtet wird Jahr für Jahr auch ein Mann. Also eigentlich die Frau an seiner Seite. Bauherr Richard Lugner hatte heuer nicht ganz so viel Glück vorab. Erst gab er bekannt, dass seine Favoritin abgesagt hatte, präsentierte dann Skifahrerin Lindsey Vonn als seine Begleitung – bei einer Pressekonferenz inklusive Nacktfoto. Vonn sagte über Twitter ab. Die Suche begann von neuem. Beim nächsten Medientermin erhielt Lugner einen Anruf: Seine Begleitung fühle sich überrumpelt und wolle nicht, dass er so vorpresche und sie der Welt öffentlich macht – eventuell mit einem unautorisierten Foto.

Allein muss der Bauherr allerdings nicht zum Ball. Tags darauf kam die Ankündigung: Die italienische Aktrice Ornella Muti kommt zum Ball. Am Mittwoch kündigte diese vor Journalisten an, es zumindest zu versuchen, mit Lugner "ein Tänzchen zu wagen".

Kein Kanzler

Eine Absage erhielt auch die Oper: Der Stardirigent Daniel Harding ist wegen eines Krankheitsfalls verhindert und wird bei der Eröffnung von James Conlon vertreten. Auch nicht dabei: Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP), er wird wegen des EU-Budgetgipfels andernorts gebraucht. (Oona Kroisleitner, 20.2.2020)