Es folgt eine detaillierte Nacherzählung der 5. Folge von "Star Trek: Picard". Es folgen also naturgemäß auch

SPOILER! SPOILER! SPOILER!

Seven of Nine eilt Icheb zu Hilfe.
Foto: Screenshot

Schon fast traditionell beginnt auch Folge 5 mit einem Rückblick – eigentlich sogar zwei. Im ersten gehen wir 13 Jahre zurück, ins Hypatia-System, auf den Planeten Vergessen (sic!). Genauer noch an einen Ort namens The Seven Domes. Wir sehen einen verängstigt wirkenden Sternenflottenoffizier auf einer Art OP-Tisch liegen und sehr viel Blut. In einer der wohl brutalsten Szenen, die ich jemals in "Star Trek" gesehen habe, entfernt eine Frau im Schutzanzug dem jungen Mann das Auge, an dem so etwas wie Kabel hängen. Sie ist auf der Suche nach seinem Kortikalknoten, aber bevor sie noch einen direkten Weg durch die Stirn nehmen kann, wird sie von Seven of Nine mit einem Phaser erschossen. Wir erfahren, dass es sich bei dem Offizier um Icheb handelt, Sevens Ziehsohn von der USS Voyager. Sie möchte ihn retten, aber er erkennt, dass es zu spät für ihn ist und bittet Seven um Erlösung, was sie ihm schließlich unter Tränen erfüllt.

Wir machen einen Sprung in Richtung Gegenwart, zwei Wochen vor den aktuellen Ereignissen, nach Stardust City auf Freecloud. Ein reptilienartiger Schläger berichtet einer spärlich gekleideten Frau, dass Bruce Maddox sich auf Freecloud befindet. Sie ordnet zunächst an, er solle ermordet werden, ändert dann aber noch ihre Meinung, anscheinend, um mehr Informationen aus dem Wissenschafter herauszulocken. Bei einem Glas außerirdischen Limoncellos erzählt Maddox der Frau namens Bjayzl, dass sein Labor zerstört wurde, und zwar verdächtigt er niemand anderen als den Tal Shiar. Während er plötzlich zusammenbricht, lamentiert Bjayzl, dass sich Verhandlungen mit den Romulanern meist äußerst lästig gestalten.

Von Selbstjustiz und der Rettung der Galaxie

Nach dem Vorspann bekommen wir einen kurzen Vorgeschmack auf Freecloud zu sehen – einen Ort, in dem Freiheit und Sicherheit der eigenen Daten (und des eigenen Vermögens) an oberster Stelle stehen. Einen Ort, an dem sich verbrecherische Syndikate vermutlich sehr wohl fühlen. Seven betritt das Holodeck und erkundigt sich bei einem Glas Bourbon nach Picards Mission, der ihr etwas kryptisch verrät, dass er nach jemandem sucht. Sehr schnell kommen die beiden auf die Fenris Ranger zu sprechen, bei denen Seven Mitglied ist. Picard sieht die Ranger als eine Gruppe, die das Gesetz in die eigene Hand nimmt und gleichzeitig Richter und Geschworene spielt. Seven entgegnet, dass nicht jeder "die Galaxie retten" kann und dass die Ranger sich um Menschen kümmern, die niemanden haben, der ihnen hilft.

Seven of Nine und Picard in seinem Büro.
Foto: Screenshot

Sie will sich von Picard auf Freecloud absetzen lassen, zuvor erkundigt sie sich aber noch, nach wem er genau sucht. "Eine, die niemanden sonst hat, der ihr helfen kann." Seven lässt sich noch einen Whiskey einschenken und beschließt offenbar zu bleiben.

Rios und Raffi fassen in der Zwischenzeit für die Zuseher zusammen, wer Seven ist und dass Picard auch einmal ein Borg war. Schnitt in Agnes Juratis Kabine. Sie sieht sich ein Holovideo an, in dem sie sich darüber amüsiert, dass Bruce Maddox Zutaten für Chocolate Chip Cookies repliziert hat und selbst Kekse bäckt. "Ich mag eben keine replizierten Chocolate Chip Cookies." Bruce und Agnes küssen einander. Agnes schaltet das Video ab und wischt sich eine Träne aus dem Augenwinkel.

Freecloud und die DSGVO

Bei der Ankunft über Freecloud werden alle Crewmitglieder (außer Elnor) mit personalisierter holografischer Werbung beglückt. Raffi teilt der Crew mit, dass sie Bruce Maddox schon gefunden hat – oder zumindest seine Spur. Auf dem schwarzen Brett für Interfacer oder kurz Facer findet sie heraus, dass Bjayzl versucht, einen Deal mit dem Tal Shiar auszuhandeln. Seven erzählt der Crew von Bjayzls Handel mit Borg-Einzelteilen. Verschiedene Ideen, wie Maddox extrahiert werden könnte, werden diskutiert, aber schlussendlich schlägt Seven vor, dass sie Bjayzl etwas beziehungsweise jemanden im Tausch für Maddox anbieten – und zwar Seven selbst.

Stardust City ist ein knallbunter Ort, eine Art außerirdisches Las Vegas, und knallbunt ist auch Rios. Raffis Plan, der uns abwechselnd aus Szenen auf Freecloud und Szenen aus der Vorbereitung dazu präsentiert wird, sieht so aus: Raffi hat Rios eine neue Karriere als Facer verpasst, und Facer müssen auffallen. Rios wird also in einen extravaganten, knallgrünen Anzug mit Pelzumhang gesteckt und einen dazu – mehr oder weniger – passenden knallorangen Hut inklusive Feder. Rios soll Kontakt zu Mister Vup herstellen, einem Betaanari, der für Bjayzl arbeitet und ihm eine Ex-Borg im Tausch für Maddox anbieten. Betaanari sind eine Spezies, die angeblich riechen kann, wenn jemand lügt und was jemand zum Frühstück hatte, weshalb Rios einen Mix verschiedener Drogen injiziert bekommt, der ihn so sehr entspannen soll, dass Mister Vup keinen Verdacht schöpft.

Der zweite Teil des Plans sieht vor, dass auch Picard und Elnor als Facer auftreten, Picard dabei mit Augenklappe und französischem (!) Akzent; Elnor in der unauffälligsten Verkleidung der ganzen Truppe. Der Admiral und sein Qualankhkai spielen dabei die Eskorte für Seven of Nine, wobei Elnors Tarnung vor allem darin bestehen soll, nicht zu sprechen. Für Notfälle bekommt die Gruppe von Raffi noch einen Musterverstärker, mit dem es Agnes möglich sein soll, alle im Fall der Fälle zurück aufs Schiff zu beamen. Agnes scheint von der Aussicht, Transporterdienst zu haben, nicht sonderlich begeistert und wirkt merklich nervös.

Rios als Facer in Stardust City.
Foto: Screenshot

Der Plan geht auf. Picard – immer noch mit französischem Akzent – verkauft Seven als einzigartiges Exemplar einer Ex-Borg, da sie schon als Kind assimiliert wurde und deshalb außergewöhnlich viele Borgteile in ihrem Körper hat. "Ihr werdet sie in kleine Stücke schneiden müssen, um an alles heranzukommen." Nachdem Rios entlassen und Mister Vup überzeugt wurde, dass Seven echt ist, will Picard im Gegenzug Maddox lebend sehen.

Zwischenspiel

In einer eingeschoben wirkenden Sequenz sehen wir die Abschiedsszene zwischen Picard und Raffi, die ja schließlich nur eine Mitfahrgelegenheit bis Freecloud brauchte. Und wir erfahren auch, warum. In einer Art Geburtshilfeklinik trifft sie ihren Sohn Gabriel. Unter Tränen versichert sie ihm, dass sie "clean" sei, dass sie sich gut fühle und entschuldigt sich bei ihm, dass sie ihn sein Leben lang vernachlässigt habe. Es stellt sich heraus, dass sie bezüglich des Angriffes der Synths auf Mars an eine Verschwörung glaubt und so fixiert darauf war, dass ihre Familie zweitrangig wurde. Gabriel verzeiht ihr allerdings nicht und sagt ihr in deutlichen Worten, dass er nichts mehr mit ihr zu tun haben will. Zuletzt lernen wir auch noch seine romulanische Partnerin kenne, die hochschwanger ist. Raffi beglückwünscht das Paar mit Tränen in den Augen zum Nachwuchs und verabschiedet sich von Gabriel.

Rache für meinen Sohn

Zurück in der Bar präsentiert Picard Seven noch einmal als wertvollste Ex-Borg, seit es Ex-Borg gibt, diesmal vor Bjayzl. Als diese plötzlich Seven mit ihrem echten Vornamen Annika anspricht, stellt sich heraus, dass die beiden Frauen einander bereits kennen – sehr zur Überraschung von Picard. Bjayzls Handlanger ziehen daraufhin ihre Phaser und richten sie auf Picard, Elnor und Seven.

Agnes' Nervosität steigert sich in der Zwischenzeit zusehends, sodass sich sogar das Emergency Medical Hologram (EMH) automatisch aktiviert, da es einen psychiatrischen Notfall vermutet. Genervt deaktiviert die sie das EMH, als Rios sie kontaktiert, um sie vorzuwarnen, dass die Mission unter Umständen abgebrochen werden muss.

Bjayzl und Seven tauschen Liebenswürdigkeiten aus. Die Borgteile-Großhändlerin wirft der Ex-Borg vor, dass sie immer noch wütend darüber ist, dass Icheb in seine Einzelteile zerlegt wurde. Seven auf der anderen Seite provoziert Bjayzl damit, dass sie ihr entwischt ist. "Ein Vermögen in Borg-Technologie [...] und ich bin dir durch die Finger gerutscht. Ich bin die, die entkommen ist." Im nächsten Moment befreit sich Seven aus ihren – manipulierten – Fesseln und geht Bjayzl an die Gurgel. Die Bodyguards lassen ihre Waffen fallen, und "endlich haben alle aufgehört so zu tun, als ob sie jemand anderer wären".

Ein alter Mann?

Seven of Nine möchte, dass Picard und die anderen mit Maddox zurück auf das Schiff gebeamt werden, doch davor erzählt sie Picard noch von ihrer und Bjayzls gemeinsamer Vergangenheit. Die Ranger versuchten die Ordnung zu bewahren, wo die Sternenflotte es nicht konnte oder wollte. Icheb wurde in einen Hinterhalt gelockt und von Bjayzls Leuten gefangen genommen und ohne Betäubung von seinen Borgimplantaten befreit. "Er war das, was am nächsten an eine Art Familie herankommt", sagt Seven und erklärt damit, warum sie an Bjayzl Rache üben will. Picard, in alter Picard-Manier, hält natürlich nichts von solch niederen Gelüsten.

Währenddessen versucht Mister Vup heimlich einen Phaser aus seinem Ärmel hervorzuholen, wird aber von Rios durch einen gezielten Schuss in den Kopf daran gehindert. Seven wiederholt ihren Wunsch, dass sich Picard, Elnor und Rios ohne sie zurück auf die La Sirena beamen, doch der Pilot wendet ein, dass dann Kopfgeld auf sie alle ausgesetzt wird, und überredet Seven so, Bjayzl am Leben zu lassen. Die Gruppe wird schließlich mit Bruce Maddox zurücktransportiert und von Agnes empfangen, die ihn auf die Krankenstation bringt.

Seven verabschiedet sich von Picard, allerdings nicht, ohne zwei Phaser mitzunehmen und dem Admiral eine Art Visitenkarte zurückzulassen – für den Fall, dass er einmal einen "vigilante" benötigt. Bevor sie geht, fragt sie ihn noch, ob er nach seiner Zeit im Borgkollektiv jemals komplett seine Menschlichkeit zurückerlangt hat. Er gibt zu, dass das nicht der Fall ist, aber dass sie doch beide jeden Tag daran arbeiten. Seven stimmt ihm zu und lässt sich dann zu von ihr programmierten Koordinaten beamen …

Mission erfüllt

... die sie zurück zu Bjayzl in die Bar führen, wo Seven kurzerhand die zwei verbliebenen Bodyguards erschießt. Bjayzl amüsiert sich über Annikas "Sentimentalität", dass sie Picard und die anderen retten wollte. Die Ex-Borg wiederum argumentiert, dass es zumindest einen geben muss, der noch Hoffnung hat und dass sie ihn nicht desillusionieren wollte. Bjayzl versucht noch kurz um ihr Leben zu flehen, doch Seven vaporisiert sie mit der höchsten Phasereinstellung und schießt sich dann ihren Weg nach draußen frei.

Showdown zwischen Bjayzl und Seven of Nine.
Foto: Screenshot

Zurück auf der La Sirena, lässt Bruce Maddox sich von Picard bestätigen, dass Dahj tot ist. JL möchte wissen, wo ihre Schwester Soji ist, und erfährt schließlich, dass sie sich auf dem Artefakt, dem gekaperten Borgkubus, befindet. Maddox hatte sie dorthin geschickt, um die Wahrheit herauszufinden, wobei er nicht genau weiß, worüber, nur dass es sich vielleicht um eine Verschwörung handelt, in die sowohl Romulaner als auch die Föderation verwickelt sind. Agnes unterbricht schließlich die Unterredung, weil Maddox sich ausrasten muss.

Rios stimmt zu, gegen einen entsprechenden Aufschlag in romulanischen Raum und zum Artefakt zu fliegen. Und auch Raffi ist nach der misslungenen Begegnung mit ihrem Sohn wieder zurück auf dem Schiff, verschanzt sich aber vorerst noch in ihrer Kabine.

Ein Ende mit Schrecken

In der letzten Szene sind wir noch einmal in der Krankenstation, wo Agi und Bruce sich über Dahj und Soji unterhalten, die so "perfekt unperfekt" sind. Und dann geht alles ganz schnell: Agnes ändert die Einstellungen an Maddox' Krankenbett so, dass es zu einem Herzstillstand kommt. Ein weiteres Mal meldet sich das EMH wegen eines psychiatrischen Notfalls bei Agnes, nur um festzustellen, dass es sich um einen medizinischen Notfall bei Bruce handelt, und ein weiteres Mal deaktiviert sie das EMH.

Agnes Jurati und Bruce Maddox auf der Krankenstation.
Foto: Screenshot

"Ich wünschte, du wüsstest, was ich weiß. Ich wünschte, dass ich nicht weiß, was ich weiß. Ich wünschte, sie hätten es mir nicht gezeigt. Es tut mir so leid." Weinend sieht Agnes Jurati zu, wie Bruce Maddox stirbt.

Anmerkungen:

  • Warum heißt der Planet "Vergessen"?
  • Man kann Lügen riechen? Okay ...
  • Mehr als Comic-Relief war da für Elnor dieses Mal wohl nicht drin. Nicht einmal sein Schwert durfte er mitnehmen.
  • Bis auf die letzten fünf Minuten war das nicht viel mehr als eine Zusammenfassung von Seven of Nines aka. Annikas Lebensgeschichte.
  • Die Fenris Ranger erinnern mich ein wenig an den Maquis, nur ohne den Terrorismus.
  • Dieses Mal war nichts von dem Artefakt oder Soji zu sehen, es wurde nur darüber gesprochen. Das deutet eventuell darauf hin, dass beim nächsten Mal eher darauf der Fokus gelegt wird.
  • Eventuell bekommen wir einen Rückblick, der erklärt, wie die Romulaner an einen Borgkubus gekommen sind? Nachdem Rückblicke ein fixer Bestandteil zu sein scheinen, würde sich das anbieten.
  • Birgit Rieglers Verdacht über Dr. Jurati, den sie im vorletzten Serienreif-Podcast geäußert hat, hat sich bestätigt. Wobei noch nicht geklärt ist, was genau sie dazu bewogen hat, ihren Partner und Kollegen zu ermorden. (Klemens Kunz, 21.2.2020)