Rio de Janeiro – Aus dem erhofften zweiten Titel an der Copacabana nach 2017 ist für Dominic Thiem nichts geworden. In seinem ersten Turnier nach seinem tollen Lauf ins Finale der Australian Open verlor Thiem schon im Viertelfinale des ATP-500-Turniers in Rio de Janeiro. Der 26-jährige Topfavorit unterlag dem nur auf Platz 128 liegenden italienischen Qualifikanten Gianluca Mager am Samstag mit 6:7(4),5:7.

Das Match war am Vortag wegen strömendem Regen bei 6:7,1:2 und 15:15, Aufschlag Mager, abgebrochen worden. Thiem vermochte das Match in der Fortsetzung aber nicht zu drehen. Wie schon in den Vorrunden zeigte sich der Weltranglisten-Vierte keinesfalls in seiner besten Form, während Mager auch am Samstag unbekümmert weiterspielte.

Zweisatzniederlage statt Halbfinaleinzug für Thiem in Rio de Janeiro.
Foto: REUTERS/Sergio Moraes

Risikoreiches Spiel

Der Mann aus San Remo war schon am Freitag mit aggressiver Spielweise aufgetreten. Der 25-jährige Mager schlug im ersten Satz mit 19 Winnern gleich um zehn mehr als sein prominenter Gegner. Zwar fabrizierte Mager mit teils risikoreichem Spiel auch 19 unerzwungene Fehler, das konnte der Weltranglistenvierte aus Lichtenwörth aber nicht ausreichend nutzen. Nachdem Thiem drei Breakchancen ausgelassen hatte, verwertete Mager seine zweite Möglichkeit zu Null zum 3:1, Thiem schaffte aber das Rebreak zum 3:4. Im zu passiv bestrittenen Tiebreak holte Mager nach 65 Minuten die Satzführung.

Wende verpasst

Bei bereits starkem Regen setzte der Außenseiter als Rückschläger zu einer 2:1-Führung nach, zwei weitere Punkte später wurde am Freitag abgebrochen. In der Fortsetzung am Samstag gelang Thiem die Wende diesmal nicht mehr. Wer mit Nervosität bei Mager ob seiner Chance gerechnet hatte, wurde eines Besseren belehrt. Auch die erhoffte Steigerung bei Thiem blieb aus. Mit Mühe verhinderte er bei 2:4 ein neuerliches Break zum 2:5. Als ihm im letzten Moment bei 4:5 dann doch noch das Rebreak zum 5:5 gelang, schöpften Thiem-Fans Hoffnung.

Mager bejubelt seinen Coup.
Foto: REUTERS/Sergio Moraes

Top 100 als Magers Belohnung

Doch Thiem war alles andere als er selbst, was unter anderem auch der Punkt zum 15:30 zeigte, als ihm nach dem Aufschlag der Schläger aus der Hand fiel und Mager den Ball nur noch reinspielen musste. Nach dem erneuten Serviceverlust servierte Mager mit seinem vierten Ass nach 1:55 Stunden zu seinem mit Abstand größten Sieg aus. Als Lohn wird er sich am Montag erstmals in den Top 100 finden.

Thiem: "Definitiv nicht mein bestes Tennis gespielt"

"Ich habe diese Woche definitiv nicht mein bestes Tennis gespielt, auch nicht in den ersten beiden Runden. Aber da habe ich mich irgendwie noch rausgekämpft", schilderte Thiem. Es sei ihm schon öfters passiert, dass sein Tennis dann immer besser wird. "Diese Woche war das leider nicht so, deswegen hat er es wirklich verdient, heute zu gewinnen. Ich war nicht in der Lage, mein Level zu steigern und das hat er ausgenutzt."

Sein Taktikwechsel vom Vortag, als er sehr defensiv gespielt hatte, war natürlich beabsichtigt. "Ich muss nach gestern etwas ändern. Ich hatte nicht genug Power in meinen Schlägen. Ich habe versucht, aggressiver zu spielen, mehr Serve-Volley, mehr Slices. Aber das hat nicht funktioniert."

Für Thiem geht es nun zu einem Vorbereitungsblock nach Los Angeles, er lässt ja den Heim-Davis-Cup in Premstätten Anfang März aus. Seine nächsten Turniere stehen im März bei den Masters-1000-Events in Indian Wells, wo er Titelverteidiger ist, und in Miami an. Der am Samstag mit einem Sieg über Mager möglich gewesene Aufstieg zur Nummer 3 der Welt wird nun erst am 2. März stattfinden. (APA, 22.2.2020)