Bernie Sanders freute sich über seinen Sieg in Nevada. der Wüstenstaat im Westen der USA hatte für den linken Kandidaten als Härteprobe gegolten. Er ist nun Favorit auf den Sieg bei den US-Demokraten.

Foto: Reuters / Callaghan O Hare

Carson City – Der linke US-Senator Bernie Sanders hat bei den Vorwahlen der US-Demokraten erneut einen Sieg davongetragen – und diesmal einen unerwartet deutlichen. Bei der dritten Runde des demokratischen Auswahlprozesses im Wüstenstaat Nevada konnte er nach Auszählung von etwa 50 Prozent der Stimmen mit einer klaren Führung aufwarten. Zwar war das genaue Ausmaß seines Vorsprungs wegen des komplizierten Caucus-Wahlmodus noch unklar, er rangierte aber je nach Auszählungsvariante zwischen 33 aller abgegebenen Stimmen und 46 Prozent der gewonnenen Staatsdelegierten.

Wer dahinter folgt, ist wegen des geringen Auszählungsgrades noch nicht ganz klar: Ex-Vizepräsident Joe Biden und der frühere Bürgermeister von South Bend, Indiana, Pete Buttigieg, liegen in etwa gleichauf auf Rang zwei, sie trennen gute 15 Prozentpunkte von Sanders. Beide hatten sich mehr erwartet – ebenso wie die beiden Senatorinnen Elizabeth Warren und Amy Klobuchar, die geschlagen auf Rang vier und fünf landeten. Der New Yorker Ex-Bürgermeister Mike Bloomberg, letzte Hoffnung des rechten Flügels der demokratischen Partei, stand in Nevada noch nicht auf dem Stimmzettel. Der Chef eines Finanzdienstleiters, der bisher schon und 400 Millionen US-Dollar für Werbung ausgegeben hat, steigt erst am übernächsten Wahltag, dem Super Tuesday am 3. März, in die Abstimmungen ein.

Härtetest für den Kandidaten

Sanders meldete sich nach seinem Sieg von einer Wahlveranstaltung im texanischen San Antonio zu Wort. Er kündigte dabei an, als einigender Faktor wirken und das amerikanische Volk zusammenbringen zu wollen. Zudem übte er einmal mehr scharfe Kritik an Präsident Donald Trump. Dieser zersetze die amerikanische Demokratie, meine, er sei nicht an Gesetze gebunden und habe offenkundig nie die Verfassung gelesen.

Nevada hatte für Sanders als besondere Härteprobe gegolten – es ist der erste Staat, dessen demographische Wählerverteilung jener in den USA insgesamt entspricht. Während in Iowa und New Hampshire unverhältnismäßig viele demokratische Wählerinnen und Wähler weiß sind, bestand das Elektorat am Samstag in Nevada zu 19 Prozent aus Menschen hispanischer Herkunft. Unter ihnen holte Sanders laut einer Wahltagsbefragung ein fast schon sensationell anmutendes Ergebnis von 51 Prozent der Stimmen. Unter schwarzen Teilnehmerinnen und Teilnehmern verlor der 78-jährige demokratische Sozialist zwar, schnitt aber deutlich besser ab als erwartet: 27 Prozent stimmten für ihn, 39 Prozent für den ehemaligen Vizepräsidenten Barack Obamas, Joe Biden.

In diesen beiden Gruppen hatte Sanders zuletzt – und vor allem bei den Vorwahlen 2016 – noch deutliche Probleme gehabt. Weil das nun, allem Anschein nach, nicht mehr der Fall ist, werden dem demokratischen Sozialisten aus Vermont nun auch klarere Chancen als bisher eingeräumt, in anderen Vorwahlstaaten zu reüssieren. Damit kann er auch seine Favoritenrolle insgesamt zementieren.

Schlag gegen das Establishment

Für Sanders ist der Triumph in Nevada auch einer gegen das Establishment der demokratischen Partei. Dieses hatte immer wieder zu erkennen gegeben, dass es die Wahlchancen des links stehenden Kandidaten gegen Donald Trump als gering einstuft – und dass es deshalb andere Kandidatinnen oder Kandidaten bevorzugen würde. Die Nevada Culinary Union, der wegen ihrer rund 60.000 im Gastro-Sektor von Las Vegas organisierten Mitglieder große Macht zugeschrieben wird, hatte vor der Wahl noch deutlich gemacht, dass sie keinen der Bewerber unterstützen würde – sie galt aber lange als eine Einflussquelle der Parteiführung. Nun holte Sanders auch unter jenen, die mindestens ein Familienmitglied mit Gewerkschaftsmitgliedschaft haben, deutliche Mehrheiten.

Beim TV-Sender MSNBC, der den Demokraten nahesteht, wurde derweil darüber diskutiert, ob die Partei nicht vielleicht mit vier weiteren Jahren Donald-Trump-Präsidentschaft besser bedient sei als mit einem Präsidenten Bernie Sanders. Kontrahent Pete Buttigieg griff Sanders ebenfalls hart an: Dieser vertrete eine "unflexible, ideologische Revolution", mit der er die meisten Amerikaner vor den Kopf stoße.

Vor allem Joe Biden hatte sich nach den für ihn bitteren Niederlagen in Iowa und New Hampshire große Hoffnungen auf die Vorwahl in South Carolina am kommenden Samstag gemacht, wo eine Mehrheit der demokratischen Wählerschaft schwarz ist. Er sagte, er wisse, dass die Medien Spaß daran hätten, Kandidaten für tot zu erklären – "aber wir sind lebendig und wir kommen zurück und wir werden gewinnen". Biden hat allenfalls noch Grund zu verhaltenem Optimismus. Er führt nun zwar noch immer in Umfragen – Sanders ist ihm aber knapp auf den Fersen. Das Resultat aus Nevada dürfte dem linken Senator auch dort weiteren Rückenwind verschaffen.

Auch US-Präsident Donald Trump sieht Sanders offenkundig als seinen Wunschgegner. Der Präsident, der seine Gegner gerne mit Spottnamen verächtlich macht, bezeichnet Sanders als "Crazy Bernie". So auch wieder am Sonntagmorgen nach der Wahl in Nevada, wo er Sanders zu dessen Sieg gratulierte, und anmerkte, dieser solle sich seinen Triumph "nicht wegnehmen lassen". Außerdem erinnerte der Präsident, der laut Geheimdiensten auch in diesem Jahr von Russland unterstützt wird, an Berichte, wonach der Kreml auch Sanders favorisiere. Insgesamt aber, so Trump, habe aber das gesamte Kandidatenfeld der Demokraten schwach ausgesehen. Umfragen legen freilich nahe, dass die Freude des Präsidenten verfrüht sein könnte. Wäre heute Wahl, würde Sanders den Befragungen gemäß Trump mit rund 50 zu 46 Prozent schlagen. (Manuel Escher, 23.2.2020)