Man nehme Federn, vielleicht vom edlen Schwane, Wachs und ein Gestänge und fixiere diese Flügel an den Armen. Immer auf die Dienstgipfelhöhe achten und keinesfalls der Sonne zu nahe kommen oder des Meeres Feuchte. Die Sache ist letztlich schiefgegangen, wie jeder Volksschüler weiß. Die Aeronautik steckte eben noch in den Kinderschuhen, aber Ikarus’ Papa Dädalus, Konstrukteur des Fluggeräts, dem später auch ein gewisser Leonardo aus Vinci nachsann, erfand, genial wie er war, auch gleich noch den Pflug – und, überragend bedeutsam in Zeiten des Megaökosünders Containerschiff, das Segel.

Rubens zeigt mit Ikarus’ Sturz (1636) den ersten mythischen Menschenflug.
Foto: Wikipedia

Fliegerei? Der frühe bionische Technologieansatz hat sich leider nicht durchgesetzt, womöglich sind die minoischen Patente immer noch zu teuer. Dennoch wagt sich der eine oder andere Vogel von Menschenhand wiederum ins stratosphärische Luftmeer, der helvetische Solar Stratos etwa holt sich dabei die Energie für Elektromotor/Propeller über die Solarzellen auf den Flügeln. Macht nix, wenn er der Sonne zu nahe kommt, so nahe wie der Solar Orbiter wird’s schon nicht werden.

Wer gänzlich auf nonhumanen Antrieb pfeift, Flugscham und so, aufs Fliegen aber nicht verzichten mag: Heißluftballon, Paragleiten, Drachenfliegen, Bungee, Prager und anderswoige Fensterstürze ...

Ökotreibstoffe

Begeben wir uns auf festen Boden. Da alle Welt weiß, der Verbrennungsmotor wird nicht von heute auf morgen verschwinden, und heutige Ökotreibstoffe sind auch nicht das Gelbe vom Ei: Holzvergaser wäre eine Alternative. Holz ist eine nachwachsende Ressource, CO2-neutral, mindestens. Hat in Mangelzeiten längst die Funktionstüchtigkeit unter Großserienbeweis gestellt, Ende des Zweiten Weltkriegs waren im Deutschen Reich eine halbe Million solcher Fahrzeuge mit dem schicken Kesselwagerl hinten dran unterwegs.

Mercedes Typ 230 mit Holzvergaser (1938–43).
Foto: Daimler

Simpel die Technologie: Holz wird in einem Kessel verschwelt. Wird Holz unter Sauerstoffmangel "verbrannt", besser als verschwelen bekannt, entstehen brennbare Gase. Die werden gereinigt, gekühlt und dem Brennraum zugeführt. Vielleicht zweigen sie einfach Betriebsstoff von Ihrer Hackschnitzelanlage ab. So sind Sie garantiert nicht auf dem Holzweg.

Der Galan strampelt

Andere Möglichkeiten des weitgehend emissionsfreien Vorwärtskommens wären: die Draisine. Als Galan übernehmen Sie bestimmt das Strampeln. Die Zukunftstauglichkeit von Kutsche und Pferd unterstrich schon Kaiser Wilhelm II.: "Ich glaube an das Pferd. Das Automobil ist nur eine vorübergehende Erscheinung." Ochs und Esel kommen auch in Betracht. Beim Fahrrad setze man bitte ausschließlich auf Treten und nicht Elektro, weil die Energie für den Akku gewonnen werden muss. Und weil Österreich gebirgig ist, bietet sich zum ökokorrekten Antrieb die Nutzung der Schwerkraft an, per Rodel, Schlitten etwa. Noch was? Eislauf, Inline-Skates.

Wir raten vom E-Scooter ab.
Foto: AFP

Ach ja, analog zum Radl raten wir dringend vom Elektro-Scooter ab, der Tretroller will von Menschentrittkraft betrieben werden. Weitgehend unterschätzt beim alternativen Vorankommen sind ferner Rikschas und die gute alte Sänfte, hoffentlich bringt die neue Bundesregierung die Trägerausbildung zügig voran.

Schusters Rappen

Die Klassiker des sauberen alternativen Antriebs sind aber natürlich Schusters altbewährte Rappen. Auf ihnen marschierten schon Roms Legionäre, durchmaß Seume beim Spaziergang nach Syrakus den Kontinent von Deutschland bis Sizilien, und Erhard Kästner stellte seinem stabilen Schuhwerk auf Kreta jenem der Marke Eigenbau aus alten Reifen gegenüber – doch apropos: Mit alten Reifen begann auch die Karriere der spanischen Weltmarke Camper.

Mit dem Ergometer könnte man sauberen Strom erzeugen.
Foto: Getty Images

Heutzutage gibt es längst vegane Wander- und Bergschuhe, ganz ohne Leder toter Tiere. Am Siebenmeilenstiefel wird indes leider noch gearbeitet, Stelzen sind eine halbherzige Lösung, und Kollegin Franziska Zoidl reklamiert in dem Zusammenhang einen gewissen Daniel Düsentrieb herein.

Wie auch immer, bei allen muskelbetriebenen alternativen Antrieben gilt die Faustregel: Nur ein-, nicht ausatmen, der CO2-Emissionen wegen. Und was auch immer passiert, die Vis comica sollte man sich beim sauberen Vorankommen nicht nehmen lassen.

Spaßgesellschaft

Mit dem Rad-Ergometer kommt man zwar keinen Meter vorwärts, so lässt sich aber sauber der Strom zur Beschallung der Spaß- und Partygesellschaft, aus deren Umfeld sich die Fridays-for-Future-Generation rekrutiert, fabrizieren. Und über die Dreckschleuder In ter net – welch gigantischer Stromfresser – reden wir ein andermal.

So weit unser kleiner Exkurs zur etwas anderen alternativen Mobilität. Wie sagte schon Karl Valentin? "Der Mensch is guad, de Leit’ san schlecht!" (Andreas Stockinger, 27.2.2020)