Hamburgs Erster Bürgermeister Peter Tschentscher und seine Frau Eva Maria Tschentscher gaben bei Regen ihre Stimmen ab.

Foto: AP/Christian Charisius

Hamburg – Bei der Bürgerschaftswahl in Hamburg hat sich am Sonntag eine höhere Wahlbeteiligung als vor fünf Jahren abgezeichnet. Bis 11.00 Uhr gaben einschließlich der Briefwähler 29,6 Prozent der rund 1,3 Millionen Wahlberechtigten ihre Stimme ab, wie das Landeswahlamt mitteilte. Im Jahr 2015 seien es zu diesem Zeitpunkt 24,2 Prozent gewesen. Damit "deutet doch einiges darauf hin, dass die Wahlbeteiligung etwas steigen wird", sagte Wahlleiter Oliver Rudolf.

Die Wahllokale sind noch bis 18.00 Uhr geöffnet. Kurz darauf soll es erste Hochrechnungen geben. Nach Umfragen kann die rot-grüne Koalition unter dem Ersten Bürgermeister Peter Tschentscher (SPD) mit einer Bestätigung rechnen, sie dürfte stärkste Partei bleiben.

Die Hansestadt Hamburg ist mit 1,85 Millionen Einwohnern die zweitgrößte Stadt in Deutschland. Wie die Hauptstadt Berlin ist sie ein eigenes Bundesland. Die Sozialdemokraten stellten dort in 50 der vergangenen 60 Jahre den Regierungschef.

SPD braucht dringend Erfolg

Nach den Umfragen dürfte die deutschlandweit auf Tiefstwerten notierende SPD eine ihrer letzten Hochburgen trotz Verlusten verteidigen. Die Meinungsforscher ermittelten eine Zustimmung von 37 bis 39 Prozent, deutlich vor den Grünen mit 23 bis 24 Prozent, die ihren Stimmenanteil von 2015 allerdings annähernd verdoppeln könnten. Grüne Spitzenkandidatin ist Katharina Fegebank.

Die Christdemokraten liegen mit ihrem Spitzenkandidaten Marcus Weinberg zwölf bis 13 Prozent weit abgeschlagen auf Platz drei. In der neuen Bürgerschaft, wie das Parlament in Hamburg heißt, dürften auch die Partei Die Linke mit Umfragewerten von rund acht Prozent und die rechtspopulistische AfD (sechs bis sieben Prozent) wieder vertreten sein. Die Liberalen (FDP) liegen bei fünf Prozent und könnten an der Fünf-Prozent-Sperrklausel scheitern.

Insgesamt sind in Hamburg 1,32 Millionen Menschen zur Wahl aufgerufen. Wahlberechtigt sind alle Bürger ab 16 Jahren, was in Deutschland noch immer selten ist. Die Bürgerschaftswahl ist nach derzeitigem Stand die einzige Landtagswahl in Deutschland 2020. (Reuters, APA, 23.2.2020)