DER STANDARD

Was hat sich durch #MeToo verändert? Erleben wir endlich einen Aufstand gegen sexuelle Gewalt, oder wurde die Unschuldsvermutung ausgehebelt? Die frühere Skirennläuferin Nicola Werdenigg diskutierte darüber im STANDARD-Studio mit dem prominenten Wiener Strafverteidiger Werner Tomanek nur wenige Tage nach der Verurteilung des Hollywood-Produzenten Harvey Weinstein.

Zwei Welten trafen aufeinander. Tomanek sagte, dass im Strafrecht de facto eine Beweislastumkehr stattfinde: Männer, denen sexuelle Gewalt vorgeworfen wird, müssten sich vor Gericht "freibeweisen". Viele Richter tendierten dazu, den Opfern zu glauben. In vielen Fällen sei das Verfahren für die Männer schon "Strafe genug", weil Existenzen vernichtet würden.

Tomanek warnt: Bodycam für alle Männer

Werdenigg widersprach vehement: Keine Frau zeige einen Mann grundlos an. Wer diesen Schritt wage, gehe ein ungeheures persönliches Risiko ein. Werdenigg schilderte, wie sie mit Fällen umgehen würde, in denen strafrechtliche Vorwürfe gegen einen Mann im Raum stehen, aber keine Verurteilung mehr möglich ist: Wann ist es dennoch legitim, die Namen der Männer öffentlich zu nennen?

Sehen Sie auch im Video: warum Werdenigg sich gegen die Behauptung wehrt, manche Frauen würden Männer nur beschuldigten, um an Geld zu kommen, und wie Tomanek davor warnt, dass bald alle Männer eine Bodycam tragen müssten. (Andreas Müller, Maria von Usslar, András Szigetvari, 25.2.2020)