Elizabeth Warren (links) war die Einzige, die Bernie Sanders (Mitte) nicht so hart angriff. Joe Biden (rechts) hofft auf einen Sieg am Samstag.

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"Ich höre ständig meinen Namen" war eine der ersten Wortspenden von Bernie Sanders bei der zehnten TV-Debatte der demokratischen Kandidatinnen und Kandidaten für die US-Präsidentschaft. Sanders hat sich mit seinem klaren Sieg bei den Vorwahlen in Nevada vergangene Woche zum Favoriten gekürt, Gegenspieler von Donald Trump im November 2020 zu werden.

Keine große Überraschung also, dass sich seine sechs Herausforderinnen und Herausforderer gleich zu Beginn auf den linken Senator aus Vermont einschossen. Denn bei der Debatte ging es um viel: Bereits nächste Woche werden beim sogenannten Super Tuesday die Vorwahlen in 14 Bundesstaaten geschlagen. Zuvor wird am Samstag noch in South Carolina gewählt – wo die TV-Debatte auch stattfand.

Gleich in der ersten Runde musste Sanders daher an unterschiedlichen Fronten einstecken. Milliardär Michael Bloomberg, Ex-Bürgermeister von New York, warf ihm vor, dass Russland ihn im Vorwahlkampf unterstützen würde. Der moderate Kandidat Pete Buttigieg schlug in die gleiche Kerbe, indem er meinte, Russland wolle damit Chaos erzeugen. Ein Rennen "Trump versus Sanders" wäre strapaziös: "Menschen wollen, dass wenn sie ihren Fernseher aufdrehen, ihr Puls runtergeht, nicht rauf." Bloomberg setzte nach: Ein Kandidat Sanders wäre eine Katastrophe, er würde gegen Trump verlieren.

Der andere Milliardär unter den Kandidatinnen und Kandidaten, Tom Steyer, versuchte sich als Arbeiterversteher: Ja, der unkontrollierte Kapitalismus habe versagt, man müsse die Arbeiterklasse fördern. Seine wiederholten Forderungen nach Maßnahmen gegen den Klimawandel waren für das Publikum aber wohl glaubwürdiger.

Joe Biden attackiert an Waffenfront

Eine andere Front machte Joe Biden auf. Der Ex-Vizepräsident attackierte Sanders in Sachen Waffengesetze: Als Senator habe er fünfmal gegen deren Verschärfung gestimmt. Sein Auftritt war um vieles kraftvoller als seine bisherige Performance. Er galt zwar lange als Favorit, muss nun aber um seine Kampagne bangen.

Am Samstag in South Carolina muss er gewinnen, damit er noch Chancen auf die Nominierung hat. In Umfragen liegt er noch vorn, betonte er – wobei Sanders dicht aufschließen konnte. Anders als Sanders sei er ein Macher: "Progressiv bedeutet, Dinge umzusetzen." Der Vorwurf, dass Sanders zwar große Ideen habe, diese aber nicht umsetzen könne, war auch von den anderen Teilnehmerinnen immer wieder zu hören.

Ähnlich versuchte Elizabeth Warren, Senatorin aus Massachusetts, Sanders anzugreifen. "Die Progressiven haben genau eine Chance." Sie grenzte sich aber weniger scharf von Sanders ab. Warren schoss sich vielmehr auf Bloomberg ein, der bei der vergangenen Debatte in Las Vegas ja die Zielscheibe gewesen war, als er sich zum ersten Mal der Debatte gestellt hatte. Warren blieb bei ihren Angriffen gegen Bloomberg: Neben seiner rassistischen Politik warf sie ihm vor, eine seiner Angestellten unter Druck gesetzt zu haben, abzutreiben. Der Ex-Bürgermeister wies das zurück.

Bloomberg schießt Eigentor: "Demokraten gekauft"

Bloomberg versuchte mit seiner Erfahrung (Stichwort: Bürgermeister von New York, 9/11) und seinen "Ressourcen" zu punkten. Doch ganz hatte er sein Game auch bei seiner zweiten Debatte nicht im Griff. Seine Rechtfertigungen wirkten teils zaghaft. Er schoss außerdem ein peinliches Eigentor, als er sich gegenüber Sanders verteidigen wollte. Er habe mit 100 Millionen US-Dollar geholfen, dass Demokraten gewählt würden. "Ich habe sie gekau... – geholt", sagte er. Einer der größten Vorwürfe an ihn ist ja, dass er sich in die Politik einkaufen würde.

Die Debatte lieferte einige hitzige Wortgefechte, so manches unverständliche Durcheinander und harte Schlagabtäusche, auch in Sachen Coronavirus, Außenpolitik oder Diskriminierung. Sanders konnte sich inmitten der Angriffe behaupten – zumindest überzeugender als Bloomberg in der vergangenen Woche. Der selbsternannte "demokratische Sozialist" verteidigte seine Ideen der Gesundheitsversicherung für alle, Kampf gegen Studentenschulden und die Erhöhung des Mindestlohns wacker.

Sanders und Kuba: "Keine Liebesbriefe"

Gegen Vorwürfe, dass er autoritäre Regimes wie Kuba gelobt habe, rechtfertigt Sanders sich mit den Worten: "Wenn Diktaturen – egal ob eine chinesische oder eine kubanische – etwas Gutes machen, nimmt man das zur Kenntnis. Man muss mit ihnen aber keine Liebesbriefe schreiben."

Eher unter ferner liefen war Amy Klobuchar zu finden. Während sich der andere Außenseiterkandidat Steyer immer wieder erfolgreich das Wort erkämpfte, spielte Klobuchar eine dezente Rolle und versuchte sich als echte "Sanders-Alternative" zu präsentieren. (Anna Sawerthal, 26.2.2020)