Er gehört zur Serie der Vorwahlen, die über den Präsidentschaftsbewerber einer Partei entscheiden, wie das Lincoln-Memorial zu Washington. An jenem Dienstag, traditionell Anfang März, wird in mehr Bundesstaaten abgestimmt wird als an jedem anderen Tag des Wahlkalenders. Diesmal fällt die Entscheidung de facto allein bei den Demokraten, und zwar in 14 Staaten.

Vergeben werden 1.357 der 3.979 Mandate der Delegierten, die im Juli auf dem Nominierungsparteitag in Milwaukee bestimmen, wer Donald Trump herausfordern soll. Um es einzuordnen: Bei den ersten vier Vorwahlen, in Iowa, New Hampshire, Nevada und South Carolina, ging es um weniger als fünf Prozent der Stimmen, während es am "Superdienstag" um 34 Prozent geht.

Frage: Was ist in diesem Jahr das Besondere?

Antwort: Auch in Kalifornien wird nunmehr bereits am Super Tuesday gewählt. Der bevölkerungsreichste und zudem wirtschaftlich stärkste US-Staat ist im Kalender nach vorn gerückt, weil er sein Gewicht dann in die Waagschale werfen will, wenn das Rennen noch offen ist, nicht erst wie bisher am Schluss, wenn der Sieger in aller Regel feststeht. Gerade die Bewohner des "Golden State" am Pazifik halten es für einen Anachronismus, dass die Weichen zum Auftakt in Iowa und New Hampshire gestellt werden, wo Weiße rund 90 Prozent der Bevölkerung ausmachen, was dem demografischen Gesamtbild des Landes nicht annähernd entspricht. Allein in Kalifornien werden 415 Delegierte bestimmt. Auf den Plätzen folgen am Dienstag Texas (228) und North Carolina (110), gleichfalls Staaten mit einem hohen Anteil von Latinos beziehungsweise Afroamerikanern.

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Hoffen und Zittern im Sanders-Lager.
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Frage: Wie laufen generell die Vorwahlen ab?

Antwort: Es gibt zwei Verfahren, Caucus und Primary. Bei einem Caucus treffen sich Mitglieder oder Sympathisanten der Partei abends in Schulturnhallen, Bibliotheken oder auch Wohnzimmern. Man hält Reden, versucht andere vom eigenen Favoriten zu überzeugen, dann wird in zwei Runden abgestimmt.

Frage: Und die Primaries?

Antwort: Primaries hingegen sind geheime Wahlen mit Stimmzettel und Kabine. Allerdings sind die Regeln nicht überall gleich. Bei geschlossenen Vorwahlen dürfen nur eingetragene Parteimitglieder eine Stimme abgeben. An offenen kann theoretisch jeder Wahlberechtigte teilnehmen, wobei in der Praxis überzeugte Republikaner kaum bei den Demokraten abstimmen dürften und umgekehrt. Eine dritte Variante: Bei einer halb offenen Vorwahl dürfen registrierte Republikaner nicht bei den Demokraten zur Wahl gehen und umgekehrt. Parteilose sind dagegen zugelassen. Weil Technikpannen beim Caucus-Verfahren in Iowa zu einem Auszählungsdebakel führten, steht die Forderung im Raum, in Zukunft ganz auf die antiquiert wirkenden Bürgerversammlungen zu verzichten.

Frage: Fällt am Super Tuesday die Vorentscheidung?

Antwort: Möglich ist es. Bernie Sanders könnte so viele Delegierte gewinnen, sich für die nächsten Etappen so viel Schwung holen, dass er seinen Kontrahenten fast schon uneinholbar enteilt – vor allem wenn diese sich nicht bald auf eine einzige personelle Alternative zu ihm verständigen. Die Demoskopen sehen den 78-Jährigen sowohl in Kalifornien als auch in Texas vorn, in Kalifornien klar, in Texas knapp vor Joe Biden. Biden, ursprünglich der Favorit, hofft, seine Popularität bei schwarzen Amerikanern in Siege in Südstaaten wie Alabama und North Carolina umzumünzen, wo Wähler mit dunkler Haut die stärkste Stütze der Demokraten bilden. Nachdem er mit dem Wahlsieg in South Carolina, mit dem er seinen enttäuschenden Start vergessen machen kann, stiegen Pete Buttigieg und Amy Klobuchar aus dem Rennen aus. Die beiden Ex-Kandidaten unterstützen nun Biden, damit sich die Moderaten im Duell gegen den linken Senator Sanders nicht gegenseitig in die Parade fahren. Biden könnte womöglich auch Michael Bloomberg zur Aufgabe drängen. Bloomberg, dessen Name am 3. März erstmals auf einem Wahlzettel steht, rechnet sich allerdings selber Chancen aus, nach dem Super Tuesday die Fraktion der Gemäßigten anzuführen.

Joe Biden steht mit dem Rücken zur Wand.
Foto: AP Photo/Gerald Herbert

Frage: Was passiert, wenn am Ende der Vorwahlen kein Sieger feststeht?

Antwort: Wer auf die Hälfte der 3.979 Delegiertenmandate kommt, ob erst im Juni oder schon im April oder Mai, hat gewonnen. Diese Delegierten fallen unter die Kategorie "pledged". Das heißt, sie können im Sommer nur für den Kandidaten stimmen, dem sie aufgrund des Vorwahlresultats in ihrem Staat verpflichtet sind. Erreicht keiner die magische Marke von 1.990 Delegierten, wird es kompliziert. Dann käme im ersten Wahlgang des Nominierungskonvents niemand auf eine absolute Mehrheit, sodass eine zweite Runde folgen müsste. Das Zünglein an der Waage könnten dann die 771 Superdelegierten bilden, die meisten davon Parteiprominente, die an nichts gebunden sind. Das Szenario eines solchen Wahlparteitags, der im Zeichen heftiger Kämpfe stünde, ist der Albtraum der Demokraten.

Frage: Haben die Republikaner keine Vorwahlen?

Antwort: Doch, nur sind sie in diesem Jahr bedeutungslos. Trump ist gesetzt. Einzig Bill Weld, der ehemalige Gouverneur von Massachusetts, politisch ein Mann der Mitte, tritt in der eigenen Partei gegen ihn an. Ein weiterer Gegenkandidat hat bereits aufgegeben: Joe Walsh, ein Radiomoderator und ehemaliger Kongressabgeordneter der Tea-Party-Bewegung. (Frank Herrmann aus Washington, 3.3.2020)