Ein neues Buch zeichnet Mark Zuckerberg als einen an moralischen Fragen komplett desinteressierten Firmenchef.

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Über mehrere Jahre hinweg gewährte Facebook dem Autor Steven Levy einen tiefen Einblick in das eigene Unternehmen. Herausgekommen ist ein 527 Seiten starkes Buch namens "Facebook: The Inside Story". Und dieses liefert auch einige bisher unbekannte Episoden aus der Geschichte des Unternehmens.

Einbruch

Eine besonders pikante Episode ist dabei "The Verge" aufgefallen: So erzählt Levy davon, dass Mark Zuckerberg in den frühen Jahren von Facebook persönlich in die E-Mail-Accounts von zwei Journalisten eingebrochen ist. Hintergrund war der Rechtsstreit mit den Winkelvoss-Brüdern, die Zuckerberg unterstellten, dass er die Idee für Facebook von ihnen gestohlen habe. Ein Vorwurf, dem sich auch zwei Reporter der Universitätszeitung in Harvard widmeten, und da wollte Zuckerberg eben vorab wissen, was diese so über ihn recherchiert hatten. Also ging er kurzerhand die Facebook-Logs durch, und suchte gezielt nach den Accounts der beiden Journalisten. Dabei fand er prompt ein falsch eingegebenes Passwort. Also probierte er es beim betreffenden E-Mail-Account aus, und war damit tatsächlich erfolgreich.

Viel mehr als dass der Journalist ihn privat als "schmierig" bezeichnete, fand er dabei allerdings nicht heraus. Der folgende Bericht war übrigens trotzdem ganz in Zuckerbergs Sinn, die Autoren kamen zu dem Ergebnis, dass der Facebook-Gründer mit seiner Sicht der Dinge recht hatte.

Das Rechtshänder-Smartphone

Schon länger bekannt ist, dass Facebook eine Zeitlang an einem eigenen Smartphone arbeitete, da man befürchtete, durch die Dominanz von Google und Apple verdrängt zu werden. Laut Levys Buch soll dieses den Codenamen "GFK" getragen haben – eine Anspielung auf den Rapper Ghostface Killah von Wu-Tang Clan. Dabei soll Facebook auf ein innovatives – aber wohl nicht ganz durchdachtes Design – gesetzt haben. Der Designer Yves Béhar soll ein Gerät mit gebogener Oberfläche entwickelt haben, bei dem mit dem Daumen durch die Inhalte gescrollt werden konnte. Das Problem dabei: Dieser Touch-Sensor funktionierte nur für rechtshändige Nutzer. Trotzdem habe sich Facebook zunächst dazu entschlossen, das Projekt fortzuführen. "Wir haben uns entschieden, dass uns linkshändige Menschen egal sind", formuliert es ein Mitarbeiter offen.

Kein Interesse an den Auswirkungen der Technologie

An mehreren Stellen offenbart Levy, dass Zuckerberg von Anfang an für Policy-Fragen null Interesse hegte, was viele der Probleme, in die das Unternehmen über die Jahre geschlittert ist, erkläre. Die Chuzpe ausgerechnet direkt nach dem Cambridge Analytica-Skandal einen Dating-Dienst vorzustellen mag für Außenstehende verblüffend gewesen sein, für Zuckerberg sei dies aber logisch. Ihm gehe es nur um Wachstum und die Produktentwicklung, alles andere sei nebensächlich. Und offenbar umgibt er sich auch gerne mit ähnlichen Personen: So zitiert Levy den WhatsApp-Gründer Brian Acton mit den Worten, dass es nicht an den Entwicklern liege, moralische Bewertungen abzugeben. Wenn der Messenger in Indien oder Myanmar zu Hassverbrechen führe, dann sollte man die Menschen problematisieren nicht die Technologie. Mittlerweile hat sich Acton übrigens von Facebook abgewendet, und kritisiert Zuckerberg immer wieder öffentlich.

Auch für andere, öffentlich vieldiskutierte Episoden schien sich Zuckerberg nur wenig zu interessieren. So soll er etwa kein einziges Mal mit dem damaligen Sicherheitschef des Unternehmens, Alex Stamos, über dessen Untersuchung zur Einflussnahme von Russland auf die US-Wahlen via Facebook geredet haben. Und selbst Sheryl Sandberg, als Chief Operating Officer jene, an die Zuckerberg bewusst solche Themen abgeschoben haben soll, habe nur sehr selten mit Stamos direkt gesprochen.

Instagram-Blockade

Zudem bestätigt das Buch, was viele Beobachter schon vermutet hatten: Zuckerberg selbst soll mehrfach die Entwicklung von Instagram behindert haben, weil er befürchtete, dass dieses seinem eigenen Facebook den Rang ablaufen könnte. Bereits bekannt war, dass er einst deswegen Links auf Instagram im Facebook News Feed verbieten ließ, zudem soll er aber auch den Instagram-Gründern verboten haben, so viele Leute anzustellen, wie sie für das weitere Wachstum benötigen würden. Diese verließen infolge dessen frustriert das Unternehmen. (apo, 28.2.2020)