DER STANDARD

Der Anschlag auf die Synagoge in Halle, der zwei Todesopfer forderte. Die Ermordung von neun Menschen in und vor zwei Shisha-Bars in Hanau. Der brutale Mord an Walter Lübcke, dem Kasseler Regierungspräsidenten. In inzwischen erschreckender Regelmäßigkeit kommt es bei unserem Nachbarn Deutschland zu rechtsextremistischen Morden. Welche Rolle spielt dabei die Sprache rechter Parteien, und ist es legitim, der AfD oder sogar der FPÖ eine Mitverantwortung daran zu geben?

Meinungsfreiheit?

Darüber diskutierten die renommierte Sprachwissenschafterin Ruth Wodak und der freiheitliche Publizist Andreas Mölzer, Gründer und Herausgeber von "Zur Zeit", in einer neuen Ausgabe von "DER STANDARD Mitreden".

Mölzer warnte eindringlich davor, die Meinungsfreiheit einschränken zu wollen: Rechte Politiker könnten gar nicht verhindern, dass ihre Ideen und Phrasen von anderen benutzt werden. Ihn selbst habe einst der Briefbomber Franz Fuchs zitiert. Eine Mitschuld treffe aber weder die FPÖ noch die AfD – in dem Sinn, dass ihre Worte ursächlich für Taten wie die in Hanau oder in Halle wären. Dass Psychopathen Wortmeldungen aufgreifen, davor sei niemand gefeit.

Ausrede Psychopath?

Wodak konterte: In jeder Gesellschaft gebe es Menschen, die für Gewalt "mobilisierbar" seien, rechtsextreme Weltanschauung liefere da oft einen Impuls, den Menschen als Rechtfertigung nutzen. Sie kritisierte auch die FPÖ: Ein Facebook-Posting der Freiheitlichen regte Wodak auf, hitzig debattiert wurde über einen "Zur Zeit"-Artikel, in dem Flüchtlinge als "Bestien" bezeichnet wurden und von der Herrschaft afrikanischer Gangs in Wien die Rede war. Was Wodak am Facebook-Posting und der Sprache der FPÖ stört, warum Mölzer Thüringens AfD-Chef Björn Höcke verteidigt und vor linken Beschwichtigungen warnt: Die Antworten darauf gibt es im Video. (Andreas Müller, Ayham Yossef, András Szigetvari, 11.3.2020)