Evo Morales mit einem Bid seiner Nachfolgerin Jeanine Áñez im argentinischen Exil.

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Militär in der Innenstadt von La Paz.

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La Paz/Boston (Massachusetts) – Eine Studie des US-amerikanischen Massachusetts-Institut für Technologie (MIT) stellt den angeblichen Wahlbetrug des ehemaligen bolivianischen Präsidenten Evo Morales in Frage. Die Analyse von zwei Forschern vom MIT stellte fest, dass das Ergebnis einer früheren Studie der Organisation Amerikanischer Staaten (OAS) fehlerhaft sei. Die Wahl also ziemlich sicher korrekt gewesen sei.

In der OAS-Studie hatte es geheißen, dass Morales durch Betrug als Sieger bei den Präsidentschaftswahlen hervorgegangen sei. Laut der neuen Untersuchung sei es "sehr wahrscheinlich", dass der sozialistische Präsident die Abstimmung mit den notwendigen rund zehn Prozentpunkten Vorsprung zur Vermeidung einer Stichwahl zurecht gewonnen habe.

OAS weist Studie zurück

Die OAS wies die MIT-Studie in einer Stellungnahme als "unwissenschaftlich" zurück. Bolivien wird im Mai Neuwahlen abhalten. Mitglieder der OAS sind 35 unabhängige Staaten Nord- und Südamerikas, ihr Hauptsitz ist Washington.

Die für Anfang Mai angesetzte Neuwahl erfolgt mehr als sechs Monate nach der von Manipulationsvorwürfen überschatteten Präsidentschaftswahl im Oktober, aus welcher der linksgerichtete Morales als Sieger hervorgegangen war. Nach anhaltenden Protesten und Drohungen des Militärs trat Morales Anfang November schließlich zurück und flüchtete zunächst nach Mexiko.

Eine selbsternannte rechtsgerichtete Interimsregierung übernahm die Amtsgeschäfte. Die Anhänger des ersten indigenen Präsidenten des Landes sowie seine Verbündeten in der Region sprechen von einem Putsch, der von den USA lanciert worden sei.

Inzwischen hält sich Morales in Argentinien auf. Der frühere Staatschef wies die Vorwürfe von Wahlmanipulationen zurück und warf der interimistischen Rechtsregierung Rassismus vor, weil sie insbesondere gegen Indigenen-Organisationen vorgegangen und beispielsweise deren Medien mundtot gemacht hätten.

Auf Twitter rief er die internationale Gemeinschaft auf, die Neuwahl im Mai genau zu beobachten: "Die Putschisten versuchen, unsere Kandidaten auszuschließen."(red, APA, Reuters, 2.3.2020)