Wenige Familien finden eine Kassenhebamme, und nicht jede kann sich eine Wahlhebamme leisten. Auch im Kreissaal ist eine Eins-zu-eins-Betreuung selten. Dabei könnten Hebammen viele Komplikationen bei und nach der Geburt abwenden. Eine STANDARD-Videoreportage von einem Bezirk im Burgenland, in dem es keine Kassenhebammen gibt.
DER STANDARD

In Wien gab es 2019 nur mehr 23 Hebammen und 440 Wahlhebammen für über 20.000 Geburten. Ein Hilferuf des Hebammengremiums hat dazu geführt, dass es im nächsten Quartal immerhin 26 Kassenhebammen für Wien geben wird (DER STANDARD berichtete). Die Stadt bräuchte allerdings 64 Kassenhebammen, um überhaupt an den durchschnittlichen Betreuungsschlüssel von ganz Österreich heranzukommen. In manchen Bundesländern ist es dagegen nicht einmal möglich, offene Kassenplätze zu besetzen, so etwa im Burgenland. Dort sind vier von zehn Stellen unbesetzt.

Sophie Hafner kennt die Engpässe in Wien und im Burgenland. Sie ist in einem Wiener Krankenhaus angestellt und betreut zusätzlich freiberuflich als Wahlhebamme Familien im Seewinkel im Burgenland. Einen der offenen Kassensitze will sie nicht besetzen, zu groß sei die Verantwortung, alle Familien überhaupt versorgen zu können. Sie spürt bereits als Wahlhebamme hohen Druck, nicht krank zu werden oder in den Urlaub zu fahren. Viele Hebammen schrecken auch die weiten Anfahrten auf dem Land und der Kassentarif ab.

Sophie Hafner auf Hausbesuch im Wochenbett. Vor einem Monat ist Melissas und Christophs Sohn Samuel zur Welt gekommen. Bereits in der Schwangerschaft stand Sophie ihnen dabei als Wahlhebamme zur Seite.
Foto: Maria von Usslar

(Maria von Usslar, Antonia Titze, 5.3.2020)