Wenn über der Konjunktur und den Aktienmärkten dunkle Wolken aufziehen, versuchen sich Investoren mit Gold oder dem Schweizer Franken gegen Ungemach abzuschirmen.
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Risk off: So werden im Börsenjargon Phasen bezeichnet, in denen Investoren risikoreiche Anlagen wie Aktien scheuen wie der Teufel das Weihwasser. Seit Februar ist es wieder so weit, als Investoren klar wurde, dass das Coronavirus – anders als 2003 der Sars-Erreger – sich nicht auf China beschränken wird. Sie zogen ihr Kapital aus den Aktienmärkten ab und parkten es in sogenannten sicheren Häfen wie Gold oder Staatsanleihen solider Emittenten.

Allerdings wird es bereits eng in manchen dieser Anlageklassen: Am Anleihenmarkt sind die Notierungen so weit aufgebläht, dass weltweit Papiere im Wert von etwa 16 Billionen Dollar mit einer negativen Rendite notieren – der Schuldner verdient also daran, sich Geld auszuleihen.

Tiefer ins Negative

Besonders stark ausgeprägt ist diese Entwicklung in der Eurozone, wo die Europäische Zentralbank mit ihrem zweiten Anleihenkaufprogramm die Zinserträge weit ins negative Terrain drückte. Zehnjährige deutsche Bundesanleihen rentieren derzeit bei minus 0,72 Prozent pro Jahr – was für Anleger abzüglich Inflation zu einem ziemlichen Verlustgeschäft wird. Auch österreichische Schuldverschreibungen erzielen Negativverzinsung; diese Woche konnte die Republik zehnjährige Papiere mit einer Rendite von minus 0,316 Prozent am Markt platzieren.

Manche institutionelle Investoren sind regulatorisch dazu gezwungen, in solche Verlustbringer zu veranlagen – für Privatanleger macht es jedoch nur wenig Sinn. Für sie stellt das Sparbuch die wesentlich bessere Alternative dar, zumal in Österreich keine Minuszinsen an Private verrechnet werden dürfen und im Pleitefall einer Bank die Einlagensicherung das Kapital bis zu 100.000 Euro garantiert.

Gold auf Höhenflug

Auf Rekordtief gesunken sind inzwischen auch US-Staatsanleihen, zehnjährige Treasuries spielen gerade einmal ein Prozent pro Jahr ein – Dollar-Wechselkursrisiko mit inbegriffen. Diesem ist man übrigens auch in einem weiteren sicheren Hafen ausgesetzt, nämlich bei Gold. Das Edelmetall befindet sich seit Herbst 2018 im Aufwind, der Preis für eine Feinunze stieg in dieser Phase auf deutlich mehr als 1650 US-Dollar, was einem Anstieg um ein gutes Drittel entspricht.

Eine Rezession erwartet Goldexperte Ronald Stöferle vom Vermögensverwalter Incrementum angesichts der sich schon vor Corona abgeschwächt habenden ökonomischen Daten. "Das kann der Goldpreis schon riechen", erklärt Stöferle die Aufwärtsbewegung. "Corona ist nur der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen bringt."

Für Franken mehr berappen

Als sicherer Hafen war zuletzt auch der Schweizer Franken gefragt, der bis auf 0,95 Euro angestiegen ist. Das sind schlechte Nachrichten für jene österreichischen Haushalte, die zu Jahresende 2019 noch im Volumen von 13 Milliarden Euro in der Schweizer Währung verschuldet waren – ihre Restschuld erhöhte sich proportional zum Anstieg des Schweizer Franken.

Wie lange wird diese Entwicklung in Richtung sicherer Häfen noch anhalten? Bis sich die Wogen an den Börsen glätten und das Motto wieder lautet: Risk on. (Alexander Hahn, 8.3.2020)