Sie verdienen weniger, arbeiten häufiger in Teilzeit und sind seltener Führungskräfte. Sie leisten auch mehr unbezahlte Arbeit, wenn sie sich um Kinder und Angehörige kümmern und nebenbei den Haushalt schmeißen. Obwohl die Gleichstellung in der österreichischen Verfassung verankert ist, werden Frauen und Männer 2020 immer noch ungleich behandelt.

Oft wird Frauen gesagt, sie seien auch selbst schuld: Sie könnten einen Beruf wählen, in dem sie gute Jobchancen hätten und viel verdienten. "Das ist eine ewige Mär", sagt Thomas Schneidhofer. Er ist Professor für Personalmanagement und Organisation an der Privatuniversität Schloss Seeburg und forscht dort zu Karrieren, Macht, Gender- und Diversitätsmanagement. "Frauen allein können nicht für die gesellschaftlich auferlegten Begrenzungen verantwortlich gemacht werden." Das bedeutet: Auch Männer müssen anpacken, um die Gleichstellung in der Arbeitswelt voranzutreiben.

Was können sie also tun? Sich als Feminist zu bezeichnen, aber nichts dergleichen zu tun, bringt wenig. Als Erstes könnten sie bei der Jobwahl ansetzen, sagt Schneidhofer. Würden Männer klassische Frauenberufe wie Kindergärtner, Pfleger oder Personalmanager ergreifen, würde das vermutlich auch zu einer verbesserten Arbeitssituation für Frauen führen. Besonders monetär: Studien zeigten, sagt Schneidhofer, dass mehr Männer in Frauenbranchen das Grundgehalt steigen ließen. Umgekehrt sinkt es übrigens – außer dort, wo es geschlechtsstereotypisch passe: "Wenn Frauen die Personalabteilung leiten, steigt der Verdienst."

Das zeigt auch eine aktuelle Studie zweier US-Soziologinnen: Arbeitslose Männer wechselten eher in weiblich dominierte Jobs – und verdienten dort vier Prozent mehr und erhielten mehr Ansehen als zuvor. "Es gibt das Phänomen des gläsernen Aufzugs, dass Männer in Frauenberufen schneller aufsteigen", sagt Schneidhofer.

Über Kinder sprechen

Forschungen legen auch nahe, dass Männer, die in sogenannten Care-Berufen arbeiten, sich eher um Kinder und Haushalt kümmern. "Tun das mehr Männer, hat das positive Auswirkungen auf den Gender-Pay-Gap oder auch die Firmenkultur", sagt der Forscher. Einige Frauen sorgen sich, auf dem Abstellgleis zu sein oder belächelt zu werden, wenn sie der Kinder wegen früher gehen.

Männer sollten auch im Job für Gleichberechtigung von Frauen eintreten.
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Hilft es also der Gleichstellung, wenn Männer in Karenz gehen oder mehr über ihre Vaterpflichten sprechen? Ja, sagt die US-Psychologin Lisa Steelman in einem "Fast Company"-Artikel. Sie würden dafür aber mehr gefeiert als Frauen. Schneidhofer betont auch: Erhebungen zeigten, dass Männer finanziell mehr einbüßen als Frauen, wenn sie Care-Arbeit übernehmen.

Das zeigt: "Firmen tun gern offen, sind es de facto aber nicht", sagt der Forscher. Es sei egal, ob eine Frau oder ein Mann die Führung hätten. "Leiten Frauen, spielen sie das Spiel meist nur mit anderen Vorzeichen." Besonders in der Beförderungspolitik zeige sich das: Sowohl Frauen als auch Männer hätten die Tendenz, mittelmäßige, laut auftretende Männer zu bevorzugen, ruhigere Kolleginnen und Kollegen würden übersehen. Den Chefs – die meisten sind männlich – rät Schneidhofer daher, bei Beförderungen "nicht nur auf die Verpackung zu achten, sondern besonders auf den Inhalt". Und Frauen, die aufsteigen wollen: "Tue Gutes und rede darüber."

Abschätzende Kommentare nicht hinnehmen

Ebenso sollte man sich hinterfragen, wenn man Kolleginnen in typisch weibliches Verhalten einteile und Kollegen in männliches. In einer Studie konnte er zeigen, dass androgyn agierende Männer im Laufe der Zeit mehr verdienten als maskulin handelnde. Der Grund: Der moderne Führungstyp sei nicht nur durchsetzungsstark, sondern auch einfühlsam. "Wenn mehr normhinterfragende Männer Chefs werden, umso besser für die derzeit negative Geschlechterstereotypisierung von Chefinnen, die männliche Eigenschaften zeigen." Letztere werden immer wieder als "Kampflesbe" oder "Hyäne" bezeichnet. Gerade solche abschätzigen Kommentare oder sexistische Witze über Frauen sollte man als Mann nicht stillschweigend hinnehmen, sagt Steelman.

In einem Meeting gelten für Chefs, aber auch Kollegen die Klassiker: Keine wichtigen Termine zu Zeiten ansetzen, wo Teilzeitkräfte nicht mehr da sind oder Mitarbeiter ihre Kinder abholen. Nicht stets die Frau Notizen machen oder den nächsten Termin organisieren lassen.

Laut Schneidhofer sei in Meetings auch wichtig, als Mann auf Frauen einzugehen, die noch nichts oder erst wenig gesagt hätten. "Häufig werden Personen nicht ernst genommen, nur weil sie leise sind", sagt er. Aus Spitälern gebe es Beispiele, wie wirksam das sein kann: "Fragen Chirurgen die Anästhesieschwestern um ihre Meinung, können Katastrophen vermieden werden."

Ideen unterstützen

Nicht selten kommt es in Konferenzen auch vor, dass Männer Ideen von Frauen klauen, die diese vor wenigen Minuten vorgebracht haben – und auf einmal finden sie alle wunderbar. Dass das der Gleichstellung nicht zuträglich ist, liegt nahe. Besser: Die Kollegin in ihrer Idee unterstützen, nicht gleich "von oben herab lächerlich machen", sagt Schneidhofer. Solche Sichtbarkeiten erhöhten für Frauen auch die Wahrscheinlichkeit einer Beförderung.

Ebenfalls wichtig für die persönliche Entwicklung der Frauen ist ein ehrliches, produktives Feedback. Es gebe zwar keine Studien, die das belegten, aber es sei möglich, dass Frauen "eher mit Samthandschuhen angegriffen werden". Wer das glaubt, befördere sie eher ins Abseits als nach oben, sagt Schneidhofer. (Selina Thaler, 11.3.2020)