Schon lange kennt man Sterne, die rhythmisch pulsieren. Diese Schwingungen treten bei alten und jungen Sternen auf, können lange oder kurze Perioden und unterschiedliche Ursachen haben. Stets sind sie aber symmetrisch. Nun berichtet ein österreichischer Astronom mit Kollegen im Fachjournal "Nature Astronomy" erstmals über einen Stern, der nur einseitig schwingt.

Möglich wurde die Entdeckung durch das Weltraumteleskop Tess (Transiting Exoplanet Survey Satellite) der US-Weltraumbehörde Nasa – und Freiwillige, die in akribischer Kleinarbeit die riesigen Datenmengen durchforsten, die das Weltraumteleskop täglich produziert. Sie suchen dabei neue Phänomene und kontaktieren Astronomen, sobald ihnen etwas Ungewöhnliches auffällt.

Künstlerische Darstellung des Duos im System HD74423.
Illustration: Gabriel Pérez Díaz (IAC)

Gebundene Rotation?

Das war auch bei den Beobachtungen des Sterns HD74423 so, der sich rund 1.600 Lichtjahre entfernt im Sternbild Fliegender Fisch befindet. Bei der Analyse der Daten konnten die Wissenschafter um den österreichischen Astronomen Gerald Handler vom Nicolaus Copernicus Astronomical Center in Warschau den Grund für die ungewöhnliche einseitige Schwingung identifizieren: Der Stern befindet sich in einem Doppelsternsystem. "Sein naher Begleiter verzerrt mit seiner Anziehungskraft die Schwingungen", erklärte Handler.

Bei dem Begleitstern könnte es sich um einen Roten Zwerg handeln, der sich in gebundener Rotation befindet – dem anderen Stern also stets dieselbe Seite zuwendet. Um mehr über das System herausfinden zu können, seien weitere Messungen erforderlich, sagte der Forscher.

Dass die Schwingung von Sternen durch nahe Begleiter beeinflusst werden kann, wurde theoretisch bereits in den 1940er Jahren vorhergesagt. Beobachtet hatte das bisher aber noch niemand. Die Wissenschafter gehen davon aus, dass es viele weitere solche Systeme mit nur einseitig schwingenden Sternen gibt. (red, APA, 16.3.2020)