Die Quarantäne mit Streaming verbringen? Nicht die schlechteste Idee, aber bisher findet das in der österreichischen Internetnutzung noch keinen Niederschlag.

Foto: Elise Amendola / AP

Ein Thema dominiert die Schlagzeilen wie kein anderes: das Coronavirus und die Maßnahmen, um dessen weitere Verbreitung einzudämmen. So hat Italien erst am Montag das gesamte Land zu einer Art Sperrzone erklärt. In Österreich sieht man von solch drastischen Schritten angesichts der niedrigeren Infektionsrate derzeit zwar noch ab, aber auch hierzulande gibt es nachhaltige Auswirkungen auf das öffentliche Leben. So wurden erst am Dienstag neue Beschränkungen für öffentliche Veranstaltungen und die vorübergehende Einstellung des Lehrbetriebs an den Universitäten festgelegt.

Alle schon auf Netflix?

In Kombination mit dem Umstand, dass Experten generell dazu raten, soziale Kontakte zu minimieren, ist eigentlich zu erwarten, dass sich dies auch in der Internetnutzung zeigen sollte. Netflix und Co sind schließlich beliebte Alternativen zum Fortgehen. Zumindest bisher sieht man bei den großen österreichischen Netzanbietern aber noch keinen Trend in diese Richtung, wie die drei großen Provider gegenüber dem STANDARD versichern.

Bisher keine Veränderung

So betont etwa Magenta, dass die Internetnutzung im eigenen Netz aktuell im üblichen Rahmen verlaufe. Ganz ähnlich klingt dies bei A1, derzeit würden sich noch keine Ausschläge nach oben oder unten zeigen. Und auch bei "3" spricht man von "keinen spürbaren Veränderungen des Kommunikationsverhaltens unserer Kunden".

Einig sind sich die Anbieter auch, dass man auf eine Verschärfung der Quarantänemaßnahmen und die damit zu erwartende Zunahme von Heimarbeit und Videostreaming gut vorbereitet ist. So betont etwa Magenta, dass man bei der eigenen Kapazitätsplanung immer einige Schritte gegenüber der realen Nutzung voraus ist. Zudem dürfe nicht vergessen werden, dass auch in den Wintermonaten – und hier vor allem rund um Weihnachten – die Nutzung ebenfalls deutlich höher sei als zu anderen Zeiten, und dass man auch dies problemlos im Griff habe.

Heimarbeit sollte kein Problem sein

Bei "3" verweist man noch auf einen anderen Punkt: Heimarbeit erfolge logischerweise vor allem tagsüber, also zu einer Zeit, wo die Netze üblicherweise nur wenig ausgelastet sind. Allein deswegen sollte ein geändertes Nutzungsverhalten kein Problem darstellen. Und auch auf zusätzliches Streaming am Abend sei man gut vorbereitet. A1 versichert ebenfalls, dass man für den Fall eines unerwarteten Traffic-Anstiegs ausreichend Kapazitäten habe. Trotzdem beobachte man die Situation rund um das Coronavirus natürlich genau.

Roaming geht zurück

Eine Veränderung zeigt allerdings sehr wohl bereits. Wie A1 festhält, ist nämlich die Nutzung von Roaming in Österreich "signifikant" zurückgegangen. Hier zeigt sich also einerseits bereits ein Rückgang im Tourismus, andererseits auch die Abnahme von Dienstreisen nach Österreich. (Andreas Proschofsky, 10.3.2020)